Kimmich und die bösen WM-Geister: «Bester Kader» egal
24.03.2026 - 15:33:53 | dpa.deEin 100-Prozent-FuĂballer wie Joshua Kimmich geht stets voran. Vor seinem ersten groĂen Turnier als DFB-KapitĂ€n gilt das fĂŒr den 31-JĂ€hrigen aber nochmals mehr. Der Bayern-Profi ist dabei nicht nur auf dem Trainingsplatz in Herzogenaurach ein AnfĂŒhrer, sondern auch verbal.Â
«Man erwartet, dass sich jeder dem GroĂen und Ganzen mit 100 Prozent hingibt», sagte Kimmich, als er hinterher auf dem Pressepodium sitzt und 25 Minuten ĂŒber die WM und die anstehenden Tests gegen die Schweiz und Ghana spricht.
«Man wĂ€chst in eine andere Rolle», sagte Kimmich zum verantwortungsvollen KapitĂ€nsamt bei der XXL-Weltmeisterschaft im Sommer. Bei der wĂŒrde er natĂŒrlich wie Philipp Lahm 2014 in Brasilien beim Schlussbild in New York am liebsten den goldenen Pokal hochrecken. Auch wenn der Titelgewinn keine 80 Tage vor dem Turnier eher wie ein Wunschdenken daherkommt.Â
«Am Ende zÀhlt, das beste Team zu haben»
Selbst Bundestrainer Julian Nagelsmann hat realistisch eingerÀumt, dass Deutschland «einen sehr, sehr guten Kader» habe, aber eben «nicht den besten Kader der Welt». Kimmich kommentierte diese Einordnung auf Nachfrage sehr deutlich: «Das ist eigentlich völlig egal. Am Ende zÀhlt das, was wir auf dem Platz bringen. Es ist nicht wichtig, den besten Kader der Welt zu haben, sondern am Ende das beste Team der Welt zu haben», sagte er.
Und diesem Ziel mĂŒsse sich «jeder unterordnen», forderte der KapitĂ€n, der an die bittere Vergangenheit erinnerte. «Auch der beste Kader der Welt hat keine Garantie, Titel zu gewinnen. Wir alle erinnern uns an 2018: Da hatten wir mit den besten Kader der Welt - und wir wissen alle, wohin es uns gefĂŒhrt hat.»Â
In Russland erlitt das DFB-Team um zahlreiche 2014-Weltmeister wie Manuel Neuer, Mats Hummels, Toni Kroos oder Thomas MĂŒller mit dem damaligen WM-Neuling Kimmich ein historisches Vorrunden-Aus. Das sich prompt vier Jahre spĂ€ter bei der Endrunde in Katar wiederholte. Wieder mit Kimmich.Â
Kimmich ist hoch motiviert
Umso motivierter ist er im reifen Ă30-Alter, im dritten Versuch auch ganz persönlich seinen Frieden mit dem gröĂten FuĂball-Event zu machen. «Die Bilanz ist nicht gut. NatĂŒrlich möchte ich persönlich - möchten wir - ein sehr gutes Turnier spielen», sagte Kimmich. Ihm ist die Ausgangsposition sehr klar. «Wir zĂ€hlen nicht zu den Topfavoriten. Und es bringt auch nichts, jetzt ĂŒber irgendeine K.o.-Runde nachzudenken.»Â
Jetzt zĂ€hle es allein, wie gut der Start ins WM-Jahr gelinge. Es sei «ganz wichtig und absolut unser Ziel, dass wir zwei positive und gute Spiele hinlegen», sagte der KapitĂ€n zu den Tests am Freitag (20.45 Uhr/RTL) in Basel gegen die Schweiz und drei Tage spĂ€ter in Stuttgart gegen Ghana.Â
6:0 gegen die Slowakei als MaĂstab
MaĂstab und Vorbild sei das 6:0 gegen die Slowakei zum Abschluss der WM-Qualifikation. «So stellen wir uns das vor, mit derselben Art und Weise. Wie wir da fĂŒreinander gespielt haben, das muss die Basis fĂŒr jedes Spiel sein», so Kimmich.
Angezogene Handbremse? Diese Herangehensweise ist fĂŒr Kimmich kein Thema. Auch wenn die beiden LĂ€nderspiele bei der Bedeutung nicht mithalten können mit den anschlieĂenden groĂen Vereinsaufgaben - wie bei den Bayern die groĂen Duelle mit Real Madrid in der Champions League. Trotzdem sei jedem Nationalspieler «die Bedeutung bewusst, die diese LĂ€nderspiele jetzt haben», versicherte der KapitĂ€n.Â
Es gehe aktuell auch darum, «eine gewisse Achse einzuspielen». Ob er nach den AusfĂ€llen seines Bayern-Kollegen Aleksandar Pavlovic und des Dortmunders Felix Nmecha temporĂ€r wieder von rechts hinten ins Mittelfeld wechseln könnte, beantwortete Kimmich mit einem Wort: «Nein!»  Â
NĂ€chster Ausfall: Leweling reist ab
Trotz der Bedeutung der WM-Tests vermeidet der Bundestrainer jedes Risiko beim Personaleinsatz. Der Stuttgarter Jamie Leweling reiste am Dienstag nach eingehenden Untersuchungen wegen Wadenproblemen aus Franken gleich wieder ab.Â
Nathaniel Brown mischte - anders als die Bayern-Neulinge Lennart Karl und Jonas Urbig - beim ersten Training wegen einer Prellung nicht auf dem Platz mit. Ebenso Antonio RĂŒdiger und Kai Havertz. Beim prominenten RĂŒckkehrer-Duo lautete der Grund: Belastungsteuerung.
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