Migrationsexperte, Abschiebungen

Migrationsexperte skeptisch bei Abschiebungen nach Afghanistan

21.06.2024 - 14:46:17

Der Migrationsexperte Hans VorlĂ€nder hat sich skeptisch zu Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien geĂ€ußert.

"Das Problem besteht auch hier darin, dass Abschiebungen nicht so ohne weiteres möglich sind, vor allen Dingen nicht in LĂ€nder, die als unsicher gelten oder die Personen nicht aufnehmen", sagte der Vorsitzende des SachverstĂ€ndigenrats fĂŒr Migration und Integration (SVR) der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe). Das sei auch der Grund, warum Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) jetzt versuche, ĂŒber Nachbarstaaten von Afghanistan und Syrien Lösungen zu erreichen. "Aber man sollte sich keiner Illusion hingeben, zumal es sich um einen sehr kleinen Kreis von Personen handelt. Das Thema wird grĂ¶ĂŸer gemacht, als das Problem eigentlich ist", so VorlĂ€nder. Bei der Auslagerung von Asylverfahren in LĂ€nder außerhalb der EuropĂ€ischen Union, die Bund und LĂ€nder weiter prĂŒfen wollen, sieht der Migrationsexperte "große politische, rechtliche und operative Probleme".

VorlĂ€nder fĂŒhrte aus: "Politisch ist unklar, welche LĂ€nder eigentlich sichere Drittstaaten sind. Die muss man erst einmal finden. Rechtlich gesehen gilt die Genfer FlĂŒchtlingskonvention und menschenrechtliche Standards sollten eingehalten werden. Das wĂ€re keineswegs garantiert, wenn man ein Asylverfahren und die SchutzgewĂ€hr in einen Drittstaat verlegt." Und operativ bedeute es einen hohen logistischen Aufwand, in einem Drittstaat entsprechende Prozeduren rechtssicher zu etablieren und Aufnahmezentren aufzubauen, so der SVR-Vorsitzende. VorlĂ€nder bezeichnete den Beschluss von Bund und LĂ€ndern vom Donnerstagabend als "stark politisch motiviert, um HandlungsfĂ€higkeit zumindest anzudeuten. Man will nun eine weitere PrĂŒfung einleiten, wohl wissend, dass die Probleme groß sind". Dadurch wĂŒrden falsche Erwartungen bei den Menschen geweckt. "Aber wir befinden uns in einem Wahljahr, im September wird in drei ostdeutschen BundeslĂ€ndern gewĂ€hlt. Diese Erwartungen sollen offenbar aus politischen GrĂŒnden noch aufrechterhalten werden", so VorlĂ€nder weiter.

@ dts-nachrichtenagentur.de