MilitÀrexperten, Zukunftsvision

MilitĂ€rexperten vermissen Zukunftsvision fĂŒr Bundeswehr

30.08.2024 - 18:14:07 | dts-nachrichtenagentur.de

Der MilitÀrhistoriker Sönke Neitzel und der Generalleutnant a.

FeldjĂ€ger (Archiv) - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
FeldjĂ€ger (Archiv) - Foto: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
D. Frank Leidenberger vermissen eine Zukunftsvision fĂŒr die Bundeswehr. "Wenn die Bundeswehr in der Zukunft ohne bewaffnete Drohnen kĂ€mpfen wollte, wĂ€re das so, als ob sich die Kaiserliche Armee der Bewaffnung von Flugzeugen verweigert hĂ€tte", schreiben Neitzel und Leidenberger in einem Gastbeitrag fĂŒr die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". In den zweieinhalb Jahren seit dem russischen Überfall habe sich der Drohnenkrieg schneller verĂ€ndert als in den vergangenen drei Jahrzehnten. "Heute werden nahezu alle Bewegungen an der Front in Echtzeit aufgeklĂ€rt und bekĂ€mpft", schreiben sie.

Drohnen seien dabei aber nur der sichtbarste Teil des digitalen Kampfes. Ohne die Satelliten von Star Link wĂŒrde in der ukrainischen Armee nichts mehr funktionieren - die GefechtsstĂ€nde nicht, die Kommunikation der Soldaten untereinander nicht und die punktgenauen Angriffe mit Raketen erst recht nicht, so Neitzel und Leidenberger. Die Ukraine konnte im Krieg der Digitalisierung bislang mithalten, weil sie sich auf die Zusammenarbeit mit westlichen Technologiefirmen abstĂŒtzte, heißt es in dem Gastbeitrag. Hinzu seien die eigene Start-up- und Innovationskultur gekommen. Die Bundeswehr habe diese enorme technische Dynamik dagegen weitgehend verpasst. Um "kriegstĂŒchtig" zu werden, fordern Neitzel und Leidenberger, heute CEO von BWI, einem IT-Dienstleister der Bundeswehr, mĂŒsse die Bundeswehr gemeinsam mit der RĂŒstungsindustrie vorausdenken. Notwendig sei ein enges und schnelles Zusammenwirken mit RĂŒstungsindustrie, Start-ups, relevanten Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, der Beschaffungsorganisation und vor allem den Nutzern, die auch mit einer gemeinsamen Softwareentwicklungsplattform verbunden sein sollten. Ohne deutlich mehr finanzielle Mittel werde sich eine neue InnovationsfĂ€higkeit nicht erreichen lassen, fĂŒrchten die MilitĂ€rexperten. Die Bundeswehr mĂŒsse es sich leisten können, nicht nur vorhandenes GerĂ€t zu verbessern, sondern parallel deren Vernetzung voranzutreiben, moderne, weitreichende PrĂ€zisionsmunition sowie Drohnen aller Leistungsklassen einzufĂŒhren und darĂŒber hinaus in Neuentwicklungen zu investieren. Schließlich habe Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zugesagt, dass Deutschland jeden Quadratkilometer des Baltikums verteidigen werde. "Man möchte ihm zurufen: Aber wie?", so Neitzel und Leidenberger.

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