MilitÀrhistoriker, Ehrlichkeit

MilitĂ€rhistoriker fordert mehr Ehrlichkeit gegenĂŒber Soldaten

30.12.2023 - 08:31:31

Der MilitÀrhistoriker Sönke Neitzel wirft dem Verteidigungsministerium und dem Bundestag einen unaufrichtigen Umgang mit Soldaten vor.

"Wir erwarten von unseren Soldaten, dass sie kriegstĂŒchtig werden, aber auf der Webseite des Verteidigungsministeriums hat man sich bislang nicht getraut, die Namen der TrĂ€ger des Ehrenkreuzes fĂŒr Tapferkeit zu nennen", sagte er dem "Spiegel". "Auch der Verteidigungsausschuss des Bundestags hĂ€tte in seinen RĂ€umen eine Plakette mit den Namen aufhĂ€ngen können - will er nicht", so Neitzel weiter.

Der an der UniversitĂ€t Potsdam lehrende Historiker kritisiert: "Politiker schicken Soldaten in lebensgefĂ€hrliche EinsĂ€tze, fĂŒhren Tapferkeitsauszeichnungen ein, trauen sich dann aber nicht, die Geehrten zu nennen." Er wolle Soldaten nicht glorifizieren. "Ich bin fĂŒr Ehrlichkeit", so Neitzel. "Wir können die Bundeswehr auch abschaffen. Wenn wir aber weiterhin irrsinnig viel Geld fĂŒr sie ausgeben, mĂŒssen wir ihren Auftrag anerkennen. Der Wesenskern des Soldatenberufs - der Kampf - muss raus aus der Tabuzone." Auch die Spitzen der Bundeswehr hĂ€tten ein "verdruckstes VerhĂ€ltnis" zum Soldatenberuf. "Seit zwei Jahren gibt es ein Liederbuch der Bundeswehr als App - gut gemacht, historisch ĂŒberprĂŒft - dennoch ist es nicht veröffentlicht worden", sagte Neitzel. Offenbar aus Angst, "wieder eine Diskussion um Traditionen loszutreten". Zugleich weigere sich die BundeswehrfĂŒhrung, neue Lieder zu verfassen, etwa ĂŒber den Einsatz in Afghanistan. Dabei seien solche Lieder nötig, um eine "soldatische IdentitĂ€t" zu stiften. "Das Heer will jetzt Soldaten fĂŒr Litauen gewinnen, da muss doch als Erstes ein Wappen her, da muss es Rituale geben, ein Lied ĂŒber diese besondere Aufgabe", fordert er. "Es ist bizarr: Die Bundeswehr schickt ihre Soldaten in womöglich tödliche EinsĂ€tze, traut sich aber nicht an ein Liederbuch."

@ dts-nachrichtenagentur.de