MilitÀrhistoriker nennt Verzicht auf Wehrpflicht Katastrophe
21.09.2024 - 12:06:10"Ich möchte einmal ganz deutlich festhalten: Das ist eine Katastrophe. Diese Entscheidung ist gefĂ€llt worden, obwohl die Ampel-Parteien wissen, wie dramatisch die sicherheitspolitische Lage ist." Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) attestiert Neitzel "eine Politik der Diagonalen". Scholz versuche einerseits, die Bundeswehr aufzurĂŒsten und das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen, andererseits die Linke der SPD bei der Stange zu halten. "Scholz macht deshalb drei Schritte vor und geht dann zwei zurĂŒck: Dem Sondervermögen folgt keine nachhaltige Finanzierung, die Waffenlieferungen an die Ukraine erfolgen immer nur zögerlich und manchmal gar nicht", so Neitzel. Das sei ein "gefĂ€hrliches Vabanquespiel". Vielleicht habe Scholz mit seiner EinschĂ€tzung recht, dass die Nato in naher Zukunft nicht gegen Russland werde kĂ€mpfen mĂŒssen. "Man kann nur beten, dass er recht hat", so Neitzel. "Kommt es anders, bleibt nur zu sagen: Dann wird Olaf Scholz an vielen GrĂ€bern stehen mĂŒssen. Diese Verantwortung trĂ€gt der Kanzler." Hart ins Gericht geht der Historiker auch mit der GeneralitĂ€t der Bundeswehr. "Die GeneralitĂ€t der Bundesrepublik Deutschland ist zur absoluten LoyalitĂ€t, ich wĂŒrde sogar sagen, geradezu zur selbstverachtenden LoyalitĂ€t erzogen worden", sagte Neitzel. Die GrĂŒndergeneration der Bundeswehr habe ihren Verteidigungsauftrag noch sehr ernst genommen: "Und wenn sie ihn nicht erfĂŒllen konnten, dann haben sie den Mund aufgemacht." Heute halte sich die GeneralitĂ€t öffentlich zurĂŒck, "selbst wenn die Regierung unsinnige Dinge beschlieĂt". Neitzel forderte die hohen Offiziere zu mehr Mut auf: "Wenn ihr euch in den groĂen Fragen, etwa der Wehrpflicht oder dem Finanzbedarf, mit euren Forderungen bei der Regierung nicht durchsetzen könnt, dann mĂŒsst ihr die Anordnungen der Exekutive natĂŒrlich befolgen. Das ist das Primat der Politik. Aber es ist eure verdammte Pflicht, die Ăffentlichkeit ĂŒber die Folgen dieser BeschlĂŒsse zu informieren. Als BĂŒrger in Uniform ist es eure Aufgabe, die ĂŒbrigen BĂŒrger ins Bild zu setzen. Das geschieht leider nicht."


