massiver und aggressiver
21.07.2025 - 06:35:03"Wir reden ĂŒber einen starken Anstieg der FĂ€lle im Bereich der Spionage und hybrider MaĂnahmen. Das Vorgehen ist massiver und auch aggressiver", sagte Martina Rosenberg, PrĂ€sidentin des MilitĂ€rischen Abschirmdienstes (MAD), der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Sie stellt mit Blick auf russische Geheimdienste fest: "Sie gehen vor, wie wir es im Kalten Krieg kannten, und erweitern ihren Instrumentenkasten darĂŒber hinaus."
FĂŒr Aufregung sorgten zuletzt unter anderem das mögliche Auskundschaften militĂ€rischer Liegenschaften sowie wichtiger Teile der Infrastruktur in Deutschland, Sabotage an Versorgungsleitungen, Cyberangriffe ĂŒber das Internet und auch das Ăberfliegen mit hochmodernen und gegen Störungen geschĂŒtzten Drohnen. Oft ist auch gezielte Desinformation im Spiel - als Teil verschiedener und auch deswegen als hybrid bezeichneter Taktiken zur Destabilisierung.
Zahl der beobachteten FĂ€lle nimmt deutlich zu
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat sich die Zahl der VerdachtsfĂ€lle binnen Jahresfrist praktisch verdoppelt. Weiterhin reisen russische Agenten zudem ĂŒber Drittstaaten nach Deutschland ein.
Russische Geheimdienstler nutzen fĂŒr ihre Kontaktnetzwerke dann auch die direkte Ansprache. "Sie versuchen, eine Beziehung oder Vertrauensbasis zu schaffen. Es besteht auch die Gefahr, dass Personen mit russischen Wurzeln, SpĂ€taussiedler oder Menschen mit Beziehungen nach Russland gezielt angesprochen werden", warnt Rosenberg.
Eine besondere GefĂ€hrdung kann entstehen, wenn deutsche Soldaten oder Doppelstaatler im Urlaub nach Russland oder in mit Russland verbĂŒndete Staaten einreisen. Sie könnten dort unter Druck gesetzt oder zur Zusammenarbeit gezwungen werden.
Deutschland "fest im Blickfeld auslÀndischer Nachrichtendienste"
ZusĂ€tzliche Aufgaben hat der MAD mit dem laufenden Aufbau der Brigade Litauen, eines spĂ€ter bis zu 5.000 MĂ€nner und Frauen zĂ€hlenden deutschen Kampfverbandes in dem baltischen Nato-Staat. Der MilitĂ€rgeheimdienst erhĂ€lt dafĂŒr erweiterte Befugnisse.
"Es ist kein Geheimnis - Deutschland ist als logistische Drehscheibe fĂŒr die Nato-Truppenbewegungen und als aktiver Nato-Partner fest im Blickfeld auslĂ€ndischer Nachrichtendienste", sagte Rosenberg. Und: "Der beste Schutz gegen Spionage ist, diese Bedrohung ernst zu nehmen, aufmerksam auf Anzeichen zu reagieren sowie rechtzeitig die zustĂ€ndigen Behörden zu informieren."
Abwehr von Spionage und Sabotage wieder Hauptaufgabe
Der MAD ist mit dem Schutz der StreitkrĂ€fte, der Abwehr von Extremisten sowie SicherheitsĂŒberprĂŒfungen von Soldaten und ZivilbeschĂ€ftigten beauftragt. Er ist der kleinste der deutschen Nachrichtendienste, untersteht dem Verteidigungsministerium und hat seinen Sitz in Köln. Die Abwehr von Spionage und Sabotage ist wie in Zeiten der Ost-West-Konfrontation wieder zentrale Aufgabe.
Mehrfach waren in den vergangenen Monaten Schiffe der Marine Ziel mutmaĂlicher Sabotageaktionen: Mal waren es durchtrennte KabelbĂ€ume, mal MetallspĂ€ne in einem Antrieb, dann Ăleintrag im Trinkwassersystem.
Russische Geheimdienste haben ihre AktivitÀten in oder gegen Deutschland aber bereits seit Jahren hochgefahren. So wird russischen Stellen etwa ein Hackerangriff auf den Bundestag 2015 zugeschrieben, zudem die Ermordung eines Georgiers durch einen russischen Geheimdienstler im Kleinen Tiergarten 2019 in Berlin. Der als TÀter verurteilte russische Agent Wadim Krassikow kam im vergangenen August bei einem Gefangenenaustausch zwischen Russland, Belarus und mehreren westlichen LÀndern frei.

