Politologe, MĂŒnkler

Politologe MĂŒnkler rĂ€t Israel zu Verzicht auf SchlĂ€ge gegen Iran

19.04.2024 - 01:00:00

Der Politikwissenschaftler Herfried MĂŒnkler rĂ€t Israel, auf militĂ€rische SchlĂ€ge gegen den Iran zu verzichten und stattdessen eine strategische Allianz mit arabischen Staaten gegen das Regime in Teheran zu etablieren.

"Israel hĂ€lt da gerade gute Karten in der Hand. Ein Gegenschlag gegen den Iran wĂŒrde diese Position gefĂ€hrden", sagte MĂŒnkler der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung" (Freitagausgabe). Arabische LĂ€nder hĂ€tten geholfen, den iranischen Angriff abzuwehren.

Die jetzige UnterstĂŒtzung Israels durch arabische Staaten gĂ€be MĂŒnkler zufolge die Grundlage einer strategischen Allianz gegen den Iran. "Die könnte eine Grundlage dafĂŒr sein, das Problem der PalĂ€stinenser in geeigneter Form anzugehen." Der Politikwissenschaftler sprach der iranischen FĂŒhrung ab, am Schicksal der PalĂ€stinenser in Gaza interessiert zu sein. Dem Iran gehe es nur um machtpolitische Interessen. "Der Iran hat sich als Schutzmacht der PalĂ€stinenser installiert, um Zugriff auf den gesamten Raum zu haben. Dem Iran geht es die politische und militĂ€rische Hegemonie", sagte MĂŒnkler. Der Berliner Historiker und Politikwissenschaftler ordnete die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine als Übergangsphase zu einer neuen Weltordnung mit mehreren Machtzentren ein. Die Zeit der USA als Ordnungsmacht gehe ihrem Ende entgegen, so die EinschĂ€tzung MĂŒnklers. "Die USA haben seit geraumer Zeit ein Empfinden dafĂŒr entwickelt, dass sie ĂŒberfordert sind. Obamas Äußerung, man sei nicht zu einem gleichzeitigen machtpolitischen Engagement im atlantischen und pazifischen Raum in der Lage, hat das ja deutlich gemacht", sagte der Experte fĂŒr internationale Politik. MĂŒnkler sieht Europa vor der Notwendigkeit, sich als politischer Akteur neu zu erfinden. "Ich könnte mir vorstellen, dass die fĂŒnf Großen innerhalb der EuropĂ€ischen Union, also das Weimarer Dreieck mit Deutschland, Frankreich und Polen plus Spanien und Italien eine eigene Institution bilden könnten. Diese fĂŒnf Staaten wĂŒrden die Außen- und Sicherheitspolitik an sich ziehen, sich auf ein Mehrheitsprinzip verstĂ€ndigen und entsprechend agieren", so MĂŒnkler.

@ dts-nachrichtenagentur.de