Studie zu Ukraine-Krieg: Mentale Gesundheit kollektiv eingebrochen
20.02.2024 - 11:08:52 | dpa.deDas ist das Ergebnis einer Studie eines internationalen Forscherteams unter der Leitung der Psychologen Julian Scharbert und Mitja Back von der UniversitĂ€t MĂŒnster. Das Ergebnis wurde laut Mitteilung der Uni am Dienstag im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlicht.
Der Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor fast zwei Jahren habe verbreitet zu einem kollektiven Einbruch des Wohlbefindens gefĂŒhrt - unabhĂ€ngig von Alter, Geschlecht, politischer Orientierung oder sonstigen Eigenschaften der befragten Personen, teilt die Uni MĂŒnster ĂŒber das Ergebnis mit.
Die von Ende 2021 bis Sommer 2022 durchgefĂŒhrte Studie ermöglichte eine Untersuchung der tĂ€glichen StimmungsverlĂ€ufe in den Wochen des Kriegsausbruchs. "Normalerweise ist es nicht möglich, derart einschneidende Ereignisse in einem prĂ€zisen Zeitfenster bei gleichzeitiger geografischer Breite zu untersuchen", sagte Professor Back. Die Daten seien einzigartig. Die Forscher konzentrierten sich auf Menschen in Europa und einen zweimonatigen Zeitrahmen um den Kriegsausbruch am 24. Februar 2022.
Die genutzten Daten stammen aus dem Projekt "Coping with Corona", bei dem weltweit das Wohlbefinden der Menschen in der Corona-Pandemie abgefragt wurde. Dabei wurden von Oktober 2021 bis August 2022 in Zusammenarbeit mit 50 Wissenschaftlern Daten erhoben.
Das Ergebnis zeige, dass die Menschen in Europa im Vergleich zum Rest der Welt ein deutlich niedrigeres Wohlbefinden gehabt hÀtten. Dabei gab es keinen direkten Zusammenhang zwischen starker Betroffenheit und aktiver SolidaritÀt wie Spendenbereitschaft oder Teilnahme an Demonstrationen. Wenn der Krieg in der Ukraine in den sozialen Medien besonders stark prÀsent war, gab es eine durchschnittlich schlechtere mentale Verfassung bei den Befragten.
"Neben den offensichtlichen Folgen des Krieges wie Flucht oder unterbrochenen Versorgungsketten gibt es eine weniger offensichtliche Dimension: die Auswirkungen der tĂ€glichen Nachrichten und Bilder auf die Psyche", sagte Scharbert laut Mitteilung. "Unsere Daten weisen darauf hin, dass politische und gesellschaftliche Akteure in Krisenzeiten auch die mentale Gesundheit in den Fokus nehmen sollten- besonders von Menschen, die ohnehin anfĂ€lliger fĂŒr Belastungensind."
Ein Hinweis der Studienautoren: Menschen in der Ukraine und Russland seien psychisch vermutlich ungleich gröĂer belastet - Daten zu diesen LĂ€ndern liegen allerdings nicht vor.
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