Pflegereform: VdK unterstützt Linnemanns 5,2-Milliarden-Plan
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 00:03 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Sozialverband VdK begrüßt die Vorschläge von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zur Pflegereform. VdK-Präsidentin Verena Bentele fordert, dass die Bundesregierung das geplante Paket vor allem auf die 5,7 Millionen Pflegebedürftigen ausrichtet, die zu Hause versorgt werden.
VdK unterstützt Rückzahlung von Corona-Mitteln
Der Verband spricht sich insbesondere dafür aus, 5,2 Milliarden Euro an die soziale Pflegeversicherung zurückzuzahlen. Das Geld war während der Corona-Pandemie für zusätzliche Belastungen der Pflegeversicherung verwendet worden.
Der VdK fordere diese Rückzahlung schon lange, erklärte Bentele. Sie wertet Linnemanns Vorschlag deshalb als Schritt in die richtige Richtung.
Rentenbeiträge für Angehörige sollen erhalten bleiben
Unterstützung erhält auch die Zusicherung, die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige nicht zu kürzen. Bentele bezeichnete dies als wichtig, weil viele Familien die Versorgung Pflegebedürftiger zu Hause übernehmen.
„Es ist gut, dass die Debatte rund um die Pflegereform noch einmal Fahrt aufnimmt. Die Bundesregierung muss sich jetzt darauf konzentrieren, eine echte Verbesserung zu erwirken“, sagte die VdK-Präsidentin. Das Reformpaket müsse in erster Linie den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen helfen.
Die Pflegeversicherung steht vor einem doppelten Problem: Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, während die Einnahmen mit der Ausgabenentwicklung nicht Schritt halten. Nach aktuellen Angaben aus der politischen Debatte wird für 2026 ein Milliardendefizit erwartet; für 2027 wird eine noch größere Finanzierungslücke befürchtet.
In diesem Umfeld konzentrieren sich die Vorschläge von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann zunächst auf kurzfristige Entlastung der Pflegekassen. Dazu gehören die Rückzahlung pandemiebedingter Mittel und der Verzicht auf eine Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für Angehörige, die Pflege leisten. Für den VdK ist entscheidend, dass eine Reform nicht primär bei Pflegebedürftigen und Familien ansetzt.
Belastung für Familien wächst
Besonders relevant ist die häusliche Pflege: 5,7 Millionen Menschen werden nach Angaben des VdK zu Hause versorgt. Angehörige übernehmen dabei häufig dauerhaft organisatorische, körperliche und finanzielle Verantwortung. Werden ihre sozialrechtlichen Absicherungen eingeschränkt, kann das die Bereitschaft zur häuslichen Pflege schwächen und den Druck auf professionelle Angebote erhöhen.
Parallel streitet die Koalition über einen möglichen Deckel für Eigenanteile im Pflegeheim und über die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen. Ein solcher Deckel könnte stationär Pflegebedürftige unmittelbar entlasten, löst aber allein nicht die strukturelle Unterfinanzierung. Für Betroffene und Angehörige wird deshalb entscheidend sein, ob der angekündigte kurzfristige Schritt mit einer dauerhaft tragfähigen Reform der Pflegeversicherung verbunden wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Linnemann lehnt von SPD geforderten "Pflegedeckel" ab“ (27.09.2026)
Der Beitrag bestätigt Linnemanns Vorschlag, die Rentenversicherungszuschüsse für pflegende Angehörige nicht zu kürzen, und verweist ebenfalls auf die Rückzahlung pandemiebedingter Mittel. Anders als der VdK legt er den Schwerpunkt auf den Streit über den Pflegedeckel und die strukturelle Unterfinanzierung.
ntv: „Nun streitet die Koalition über die Pflegereform“ (28.09.2026)
ntv beschreibt die gegensätzlichen Positionen von Union und SPD sowie Linnemanns geplante Kommissionslösung. Der Bericht stellt stärker die stationären Eigenanteile und die kurzfristige Stabilisierung der Beiträge heraus, während beim VdK die häusliche Pflege und die Angehörigen im Mittelpunkt stehen.
Übereinstimmung besteht darin, dass die Pflegeversicherung kurzfristig finanziell stabilisiert werden muss. Offen bleibt, wie die Rückzahlung der pandemiebedingten Mittel, die Absicherung pflegender Angehöriger und eine dauerhafte Strukturreform miteinander finanziert werden.
