VdK-Chefin Bentele wirft Bundesregierung Versagen bei Bildung vor
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Sozialverband VdK wirft der Bundesregierung nach den jüngsten schlechten Pisa-Ergebnissen ein Versagen bei der Herstellung von Bildungsgerechtigkeit vor. VdK-Präsidentin Verena Bentele sieht besonders Kinder in Armut gravierend benachteiligt.
VdK-Präsidentin kritisiert mangelnde Chancengleichheit
„Kinder, die in Armut großwerden, haben schlechtere Bildungschancen. Das ist seit Jahrzehnten bekannt“, sagte Bentele dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Einkommensschwachen Familien fehle häufig Geld für Schulmaterialien, Nachhilfe oder Laptops. Hinzu kämen beengte Wohnverhältnisse und psychischer Stress durch finanzielle Sorgen.
Pisa-Ergebnisse zeigen große Defizite
Die neue Pisa-Studie macht laut VdK die Dimension des Problems sichtbar. In Deutschland erreicht rund jeder dritte 15-Jährige in Mathematik und Lesen nicht die Mindestkompetenz. Der sozioökonomische Status erklärt dabei 19 Prozent der Leistungsunterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern.
Forderungen des VdK an die Bundesregierung
Vor diesem Hintergrund fordert Bentele deutlich mehr Unterstützung für arme Familien. Investitionen in Kitas und Schulen seien wichtig, reichten aber bei weitem nicht aus. Zugleich kritisierte sie die geplante Streichung des monatlichen Sofortzuschlags für von Armut betroffene Kinder und Jugendliche und sprach von einem notwendigen Systemwechsel.
Konkrete Maßnahmen für mehr Bildungsgerechtigkeit
Der VdK fordert unter anderem flächendeckende Ganztagsschulen mit kostenlosem Mittagessen sowie eine kostenlose technische Ausstattung für den Schulunterricht. Aus Sicht des Verbands ist erst damit gewährleistet, dass Herkunft und Einkommen der Eltern den Bildungsweg von Kindern nicht länger entscheidend bestimmen.
Die Kritik des Sozialverbands VdK an der Bundesregierung knüpft an eine seit Jahren geführte Debatte über Bildungserfolg und soziale Herkunft an. Die aktuellen Pisa-Ergebnisse, wonach rund ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland in Mathematik und Lesen nicht einmal die Mindestkompetenz erreicht, markieren einen weiteren Rückschlag für das deutsche Bildungssystem. Besonders deutlich wird, dass soziale Faktoren wie Einkommen und Wohnsituation den Lernerfolg erheblich beeinflussen.
Hintergrund: Soziale Herkunft und Schulleistungen
Der Hinweis, dass der sozioökonomische Status einen erheblichen Teil der Leistungsunterschiede erklärt, bestätigt frühere internationale Vergleichsstudien. Kinder aus einkommensschwachen Familien haben oft schlechteren Zugang zu Lernmaterialien, ruhigen Lernorten und digitaler Ausstattung. Wenn 19 Prozent der Leistungsunterschiede statistisch auf den sozialen Status zurückgeführt werden, zeigt das, dass strukturelle Ursachen über individuelle Anstrengung hinaus entscheidend sind.
Politische Dimension und Sozialpolitik
In diesem Kontext wiegt der Vorwurf des „Versagens“ schwer: Die aktuelle Bundesregierung steht vor der Aufgabe, Bildungsfinanzierung, Armutsbekämpfung und Familienpolitik stärker miteinander zu verzahnen. Die Diskussion um die Streichung eines monatlichen Sofortzuschlags für armutsbetroffene Kinder verweist auf konkurrierende Prioritäten im Haushalt und auf die Frage, ob Einsparungen im Sozialbereich langfristig höhere Kosten durch Bildungsdefizite nach sich ziehen.
Bedeutung für Familien und Schulen
Für betroffene Familien geht es konkret um die Finanzierung von Schulmaterialien, Nachhilfe und digitaler Grundausstattung, aber auch um Entlastung von psychischem Druck durch finanzielle Sorgen. Für Kitas und Schulen wiederum stellt sich die Aufgabe, Ganztagsangebote, Betreuung und individuelle Förderung so auszugestalten, dass Benachteiligungen abgebaut werden. Forderungen nach flächendeckenden Ganztagsschulen mit kostenlosem Mittagessen und technischer Ausstattung zielen daher nicht nur auf Bildung, sondern auch auf soziale Teilhabe und Chancengleichheit.
