US-Notenbank, Zinserhöhungen

US-Notenbank lÀsst weitere Zinserhöhungen offen

02.11.2023 - 05:42:03

Der US-Leitzins ist auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren - aber die Verbraucher geben trotzdem munter Geld aus. Die Notenbank Fed setzt ihre Zinserhöhungen aus und will bis Dezember die Lage beobachten.

Die US-Notenbank Federal Reserve signalisiert, dass sie am Ende ihrer steilen Serie von Preiserhöhungen angekommen sein könnte. Sie ließ den Leitzins bei der zweiten Entscheidung in Folge unverĂ€ndert. Notenbankchef Jerome Powell bekrĂ€ftigte zwar abermals, dass weitere Anhebungen möglich seien, um die weiterhin hohe Inflation zu bĂ€ndigen. Doch zugleich sagte er, allmĂ€hlich werde das Risiko, die Geldpolitik zu sehr zu verschĂ€rfen, Ă€hnlich hoch, wie zu wenig zu unternehmen. In den vergangenen eineinhalb Jahren sei man eher nur besorgt gewesen, die Zinsen nicht schnell genug zu erhöhen.

Der Leitzins bleibt damit in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent - dem höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Powell betonte zugleich, dass die Frage von Zinssenkungen sich aktuell nicht stelle. Die Federal Reserve frage sich eher, ob sie weiter erhöhen sollte. Man habe aber noch nichts zu kĂŒnftigen Zinsschritten entschieden. Powell verwies darauf, dass es bis dahin neue Daten zum Arbeitsmarkt und zur Inflation geben werde.

Die Federal Reserve (Fed) hatte den Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation innerhalb von 16 Monaten elf Mal angehoben - zuletzt im Juli um 0,25 Prozentpunkte. Es ist eine der schnellsten und schÀrfsten Zinsanhebungsperioden in ihrer Geschichte.

Die Notenbanker legten dann im September aber eine Pause ein - so wie zuvor schon im Juni. Mit der Entscheidung vom Mittwoch ist es das erste Mal seit Anfang vergangenen Jahres, dass die Fed den Leitzins bei zwei Sitzungen nacheinander unverÀndert lÀsst.

AbwĂ€gen zwischen Inflationsrisiko und AbkĂŒhlung der Konjunktur

Die Federal Reserve wĂ€gt bei ihren Entscheidungen zwischen dem Inflationsrisiko und der Gefahr einer zu starken AbkĂŒhlung der Konjunktur ab. Höhere Zinsen bremsen den Preisanstieg - aber auch die Verbraucherausgaben, die die tragende SĂ€ule der US-Wirtschaft sind. Denn damit wird es unter anderem teurer, HĂ€user oder Autos auf Kredit zu kaufen.

Seit MĂ€rz 2022 hob die Fed den Leitzins um mehr als fĂŒnf Prozentpunkte an. Die rasante Inflation war unter anderem vom Anstieg der Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst worden. Powell bekrĂ€ftigte, dass es weiterhin ein zentrales Ziel der Fed sei, die Teuerung langfristig auf die Marke von zwei Prozent zu bringen. Hohe Inflation höhle die Kaufkraft aus und schade den Verbrauchern, sagte er.

JĂŒngste Wirtschaftsdaten zeigten, dass die Inflation zwar weiter höher als von der Fed angepeilt ist, sich aber abschwĂ€cht - und das Wirtschaftswachstum zugleich hoch ist. Das ist aus Sicht einiger Experten eine eher ungewöhnliche Situation. Powell nannte die US-Wirtschaft Â«ĂŒberraschend robust». Dass man Fortschritte im Kampf gegen die Inflation ohne einen fĂŒr Zinsanhebungen ĂŒblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit erzielt habe, sei ein «historisch ungewöhnliches Ergebnis».

BIP stieg im Sommer um 4,9 Prozent

Die Erholung der Wirtschaft von der Corona-Pandemie habe neue Faktoren ins Spiel gebracht, was diesen wirtschaftlichen Zyklus einzigartig mache, sagte Powell. Die Menschen gĂ€ben weiter Geld aus, betonte er. Es seien viele neue Jobs geschaffen worden, die frei verfĂŒgbaren Einkommen stiegen, das steigere auch die Ausgaben, was weitere ArbeitsplĂ€tze finanziere.

Ungeachtet der hohen Zinsen stieg das Bruttoinlandsprodukt im Sommer im Vergleich zum Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet um 4,9 Prozent. Das war das stĂ€rkste Wachstum der weltgrĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft seit sieben Quartalen. Volkswirte hatten im Schnitt nur ein Wachstum um 4,5 Prozent erwartet.

Der Boom der US-Wirtschaft birgt das Risiko, dass die Inflation wieder Fahrt aufnehmen könnte. Die Frage fĂŒr die Zukunft ist nun, ob die Fed spĂ€ter weitere Zinsanhebungen fĂŒr notwendig hĂ€lt. Noch im September hatte sie fĂŒr dieses Jahr eine weitere Erhöhung angepeilt, jetzt ließ Powell das offen.

Zuletzt stiegen wieder die AusfĂ€lle bei der Bedienung von Krediten und in Umfragen sprachen mehr Verbraucher von enger werdenden Finanzen. Das könnte darauf hinweisen, dass die Konsumenten-Ausgaben sich möglicherweise auch ohne weitere Zinserhöhungen abkĂŒhlen.

@ dpa.de