Gesundheit, Studie

Ärzteverband kritisiert Studie zu womöglich vermeidbaren TodesfĂ€llen

24.06.2023 - 01:04:52

Der Verband leitender KrankenhausĂ€rzte hat der Krankenhauskommission Stimmungsmache gegen kleine HĂ€user und eine "unseriöse" Werbung fĂŒr die umstrittene Klinikreform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach vorgeworfen.

"Schrille Kommentare ĂŒber Tausende gerettete Menschenleben sind völlig fehl am Platze. Sie diffamieren die gute Arbeit vieler KrankenhĂ€user", sagte Michael Weber, PrĂ€sident des Verbandes leitender KrankenhausĂ€rzte, der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung" (Samstagausgabe).

"Das ist Stimmungsmache und kein seriöser Beitrag in der wichtigen Diskussion ĂŒber unsere zukĂŒnftigen Krankenhausstrukturen." Die Krankenhaus-Kommission der Regierung hatte am Donnerstag eine Analyse vorgelegt, wonach jĂ€hrlich 5.000 Menschenleben gerettet werden könnten, wenn Schlaganfallpatienten sofort in Kliniken mit Spezialabteilungen gebracht wĂŒrden. Bei Krebspatienten könnten demnach pro Jahr 20.000 Lebensjahre gerettet werden, wĂŒrden Lauterbachs PlĂ€ne umgesetzt. Die Zahlen seien "so nicht zu akzeptieren", sagte VerbandsprĂ€sident Weber. So wĂŒrden schon heute 94 Prozent der Schlaganfallpatienten in sogenannten "Stroke Units" behandelt. Überdies seien die Routinedaten viel zu pauschal und mit einer "erheblichen Bias" ausgewertet worden. Dadurch bestehe die Gefahr, "dass kleine Zentren mit guter QualitĂ€t vom Netz genommen werden, wĂ€hrend große mit schlechter QualitĂ€t ungeschoren davonkommen". Gesundheitsminister Lauterbach nutzte die Zahlen der Krankenhaus-Kommission, um fĂŒr seine Reform zu werben, die eine Konzentration der Krankenhauslandschaft anhand von QualitĂ€tskriterien vorsieht. Eine Zentralisierung bei schwierigen Eingriffen und Behandlungen sei "ein gutes Konzept", sagte der VerbandsprĂ€sident dazu, und Mindestmengen seien ein wichtiges QualitĂ€tsmerkmal, aber mitnichten das einzige. "Rein aus Routinedaten sind solche gravierenden Schlussfolgerungen nicht zulĂ€ssig", so Weber. "Die Kommissionsmitglieder dĂŒrfen nicht der Versuchung unterliegen, die Daten nicht zu hinterfragen, nur weil sie so gut zu ihrem Konzept passen."

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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