Deutschland, Brandenburg

Brosius-Gersdorf hadert noch mit RĂŒckzug

01.10.2025 - 14:32:02

Der Verzicht auf eine Kandidatur fĂŒr das oberste deutsche Gericht nagt noch immer an der Juristin. Und sie kritisiert den Kanzler.

Die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf hat ihren RĂŒckzug von der Kandidatur fĂŒr ein Richteramt am Bundesverfassungsgericht noch nicht verdaut. «Es ist eine Entscheidung, das sage ich ganz ehrlich, mit der ich immer noch hadere, weil sich damit letztlich unsachliche Kampagnen durchgesetzt haben», sagte Brosius-Gersdorf der Wochenzeitung «Die Zeit». 

Die Entscheidung sei trotzdem richtig gewesen, weil irgendwann klar gewesen sei, dass sie nicht gewĂ€hlt werde. «Ich hatte den Eindruck, der Streit innerhalb der Koalition könne sich derart zuspitzen, dass es keinen vernĂŒnftigen Ausweg mehr gibt. Mir war außerdem wichtig, eine BeschĂ€digung des Bundesverfassungsgerichts zu verhindern», sagte die Juristin, die an der Uni Potsdam lehrt. 

Wegen Vorbehalten aus der Union gegen die von der SPD nominierte Brosius-Gersdorf war die Wahl von drei Verfassungsrichtern im Juli abgesagt worden. Im August zog sie schließlich ihre Kandidatur zurĂŒck. Die SPD schickte daraufhin Sigrid Emmenegger ins Rennen. Sie wurde vergangene Woche schließlich im zweiten Anlauf zur Richterwahl zusammen mit Ann-Katrin Kaufhold und GĂŒnter Spinner zu neuen Verfassungsrichtern gewĂ€hlt. 

Merz hat sich nicht bei ihr gemeldet

Sie freue sich, dass die Wahl geklappt habe, sagte Brosius-Gersdorf. «Das ist 
gut fĂŒr das Bundesverfassungsgericht, aber auch fĂŒr unsere Demokratie». Sie sprach in der «Zeit» von einer «Achterbahnfahrt der GefĂŒhle». «Ich werde diesen Sommer nicht so schnell vergessen», sagte die Juristin. 

Brosius-Gersdorf verneinte die Frage, ob sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) je bei ihr gemeldet habe. «Ich kenne ihn aus einer Zusammenarbeit vor vielen Jahren, die ich als angenehm in Erinnerung habe. Ich fand es aber nicht richtig, dass er die Richterwahl im Plenum des Bundestages zu einer Gewissensfrage erklĂ€rt hat», sagte sie. «Das ist keine Gewissensfrage, sondern eine Personalentscheidung, fĂŒr die eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag erforderlich ist und fĂŒr die man auch die Opposition braucht.» 

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) habe sie unmittelbar nach ihrer RĂŒckzugserklĂ€rung angerufen. «Es war ein kurzes Telefonat, in dem er eingerĂ€umt hat, dass einiges nicht so gut gelaufen sei. Und dass er das bedaure.» 

Ruf als Juristin nicht beschÀdigt 

Ihren Ruf als Juristin sieht Brosius-Gersdorf durch die VorgÀnge um die Wahl nicht beschÀdigt. «Ich hatte eine Zeit lang die Sorge, mein Ruf unter Nichtjuristen könne leiden, bei Wirtschaftsunternehmen, SozialverbÀnden, 
einzelnen Menschen.» Die letzten Wochen hĂ€tten aber gezeigt, dass die Sorge unbegrĂŒndet gewesen sei.

Brosius-Gersdorf Ă€ußerte die Hoffnung, dass die «Politisierung der Richterwahl», die man im Sommer erlebt habe, ein einmaliger Fall bleiben könnte. «Wir erleben Gott sei Dank bislang keine Politisierung der Justiz, sie arbeitet unabhĂ€ngig. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz und vor allem in das Bundesverfassungsgericht ist zu Recht hoch», sagte Brosius-Gersdorf.

@ dpa.de

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