Mehr rechtsextremistische VorfÀlle an Schulen in Brandenburg
15.07.2023 - 16:09:38 | dpa.de
Die Zahl rechtsextremistischer VorfÀlle an Schulen in Brandenburg hat sich im Schuljahr 2022/2023 deutlich erhöht.
Die vier staatlichen SchulĂ€mter meldeten bis Anfang Juni 70 solcher ĂuĂerungen oder VorfĂ€lle, wĂ€hrend 30 im gesamten Schuljahr 2021/2022 gezĂ€hlt wurden, wie das Bildungsministerium mitteilte. Zuvor berichtete die «Welt am Sonntag». Die Gesellschaft Wirtschaftsregion Lausitz zeigte sich besorgt ĂŒber die Entwicklung.
Nach der Auflistung, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wurden bis Juni im Bereich des Schulamts Cottbus mit 27 die meisten rechtsextremistischen FĂ€lle gemeldet, im gesamten Schuljahr 2021/2022 waren es dort 3. Das Ministerium verwies darauf, dass das Schuljahr 2021/2022 noch unter dem Zeichen der Corona-Krise stand.
In Brandenburg wurden im Schuljahr 2021/2022 auch 15 antisemitische und 14 fremdenfeindliche sowie 4 weitere extremistische ĂuĂerungen und VorfĂ€lle gezĂ€hlt. Im Schuljahr 2022/2023 meldeten die SchulĂ€mter 6 antisemitische, 15 fremdenfeindliche und ebenfalls 4 weitere extremistische ĂuĂerungen und VorfĂ€lle.
An ThĂŒringens Schulen stieg die Zahl der Verwendung verbotener verfassungswidriger Symbole und von Volksverhetzung laut Bildungsministerium auf 91 FĂ€lle im Jahr 2022 nach 55 im Corona-Jahr 2021. Nach Ansicht des Ministeriums ist der Zuwachs Ausdruck des gesellschaftlichen Klimas, das sich teilweise zuspitze, extremistische VorfĂ€lle prĂ€gten aber nicht das schulische Leben.
Anfeindungen nach Brandbrief
Die LehrkrĂ€fte Max Teske und Laura Nickel aus Burg im Spreewald in Brandenburg hatten im April in einem Brandbrief tĂ€gliche rechtsextremistische VorfĂ€lle an ihrer Schule öffentlich gemacht. Danach waren sie zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Der Staatsschutz ermittelt im Fall von Aufklebern. Beide Lehrer kĂŒndigten am Mittwoch an, die Schule wechseln zu wollen. Seit Bekanntwerden des Briefes nahmen die Meldungen solcher VorfĂ€lle an Schulen zu.
Der Lehrer Teske kritisierte die Schulbehörden. «Niemand hat sich vor uns gestellt und ganz offen gesagt, dass sie uns unterstĂŒtzen und alles Mögliche dafĂŒr tun werden, dass Rechtsextremismus keinen Platz an Schulen hat», sagte er der «MĂ€rkischen Allgemeinen» (Samstag) mit Blick auf das Schulamt in Cottbus und das Bildungsministerium. «Stattdessen gab es zahlreiche Lippenbekenntnisse. Aber das reicht nicht aus.» Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD) hatte Kritik zurĂŒckgewiesen und erklĂ€rt, das Schulamt sei nach dem anonymen Brandbrief in der Schule sofort tĂ€tig geworden.
Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hĂ€lt ein konsequentes Vorgehen fĂŒr nötig. «Die VorgĂ€nge an der Brandenburger Schule sind ein Alarmzeichen», sagte sie der «Welt am Sonntag». Freiheit, Demokratie, Toleranz und PluralitĂ€t mĂŒssten wenn nötig von allen verteidigt werden. Brandenburgs Verfassungsschutzchef Jörg MĂŒller sagte der Zeitung, die Entwicklung in Burg mĂŒsse mit groĂer Sorge betrachtet werden. Er gehe aber davon aus, dass es sich dabei nicht um eine Brandenburger Besonderheit handle.
Extremismus auch Gefahr fĂŒr ökonomische Entfaltung
Der Rechtsextremismus ist nach Ansicht der Entwicklungsgesellschaft Wirtschaftsregion Lausitz eine der gröĂten Gefahren fĂŒr die ökonomische Entfaltung der aufstrebenden Region. «Wir sind jetzt schon nicht mehr in der Lage, die offenen Stellen zu besetzen», sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Heiko Jahn der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist in unserem Interesse, dass wir weltoffen auftreten, um wirtschaftlich eine Zukunft zu haben.» Jahn warnte: «Ohne auslĂ€ndische FachkrĂ€fte werden wir unseren Lebensstandard gar nicht halten können.»
Nicht nur an Schulen kommt es zu rechten VorfĂ€llen. In einer Ferienanlage in Heidesee (Landkreis Dahme-Spreewald) meldete die Polizei im Mai mutmaĂlich rassistische Anfeindungen gegen SchĂŒler aus Berlin. Unbekannte TĂ€ter warfen in Spremberg (Landkreis Spree-NeiĂe) im Juni einen Brandsatz auf eine Regenbogenfahne - ein Zeichen fĂŒr Vielfalt -, die am Glockenstuhl einer Kirche hing.
In Brandenburg wird im nĂ€chsten Jahr ein neuer Landtag gewĂ€hlt. Die AfD ist in SĂŒdbrandenburg stark. Die Landespartei wird vom Verfassungsschutz seit 2020 als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft, die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative seit vergangenem Mittwoch als gesichert rechtsextremistische Bestrebung.
Auch MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (SPD) hatte davor gewarnt, dass Rechtsextremismus und Rassismus eine Gefahr fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung sein könnten. Das «BĂŒndnis fĂŒr Brandenburg», das fĂŒr eine Willkommenskultur fĂŒr Zuwanderer wirbt, erneuerte seinen Appell gegen Rechtsextremismus am Freitag.
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