Trumps Deal mit der EU: Muss die deutsche Wirtschaft zahlen?
28.07.2025 - 03:45:38Die EU und die USA haben sich nach harten Verhandlungen auf einen Deal zur EntschĂ€rfung des Zollkonflikts geeinigt. Doch kann eine Vereinbarung, die US-PrĂ€sident Donald Trump ĂŒberschwĂ€nglich feiert, gut fĂŒr die Wirtschaft und die Menschen in der EU sein? Fragen und Antworten im Ăberblick:Â
Worauf haben sich die EU und die USA geeinigt?
Die von Trump zum 1. August angedrohten Zölle in Höhe von 30 Prozent auf die Einfuhr europĂ€ischer Produkte in die USA sind abgewendet. Die EU akzeptiert allerdings, dass die USA kĂŒnftig auf die groĂe Mehrheit der Importe aus Europa einen Zoll in Höhe von 15 Prozent erheben. Betroffen sind davon auch europĂ€ische Autoimporte, fĂŒr die bis vor wenigen Monaten noch ein Zollsatz von nur 2,5 Prozent galt. Lediglich auf eine begrenzte Zahl von Waren sollen kĂŒnftig bei der Einfuhr keine Abgaben fĂ€llig werden. Dazu zĂ€hlen nach Angaben von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen zum Beispiel Flugzeuge, bestimmte Chemikalien, Agrarprodukte und kritische Rohstoffe.
Gab es weitere ZugestÀndnisse von EU-Seite?
Die EU sichert Trump zu, bis zum Ende von dessen Amtszeit US-Energie im Wert von 750?Milliarden Dollar zu kaufen. Nach Angaben von KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen sollen FlĂŒssigerdgas (LNG), Ăl und Kernbrennstoffe aus den Vereinigten Staaten die LĂŒcken fĂŒllen, die nach dem geplanten vollstĂ€ndigen Verzicht auf russisches Gas und Ăl entstehen werden. ZusĂ€tzlich verspricht die EU Trump, in den kommenden Jahren weitere 600?Milliarden?US-Dollar in den USA zu investieren. Trump feierte nach der Einigung und sagte: «Ich glaube, das ist der gröĂte Deal, der jemals gemacht wurde.»
Was bedeutet die Einigung fĂŒr die deutsche Wirtschaft und Verbraucher?
Das wird sich vermutlich erst in den nĂ€chsten Monaten genau zeigen. Gut ist, dass sich die Ungewissheit ein StĂŒck weit reduziert. Schlecht ist, dass ein Teil der US-Zölle aufrechterhalten bleibt. Zölle machen Produkte in der Regel teurer und bremsen damit den Handel. Denkbar ist deswegen weiterhin, dass deutsche Unternehmen GeschĂ€fte in den USA verlieren und ArbeitsplĂ€tze abbauen mĂŒssen.
Vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hieĂ es in einer ersten Reaktion, das Ăbereinkommen sei ein unzureichender Kompromiss, der ein fatales Signal an die eng verflochtene Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks sende. Auch ein Zollsatz von 15 Prozent werde immense negative Auswirkungen auf die exportorientierte deutsche Industrie haben. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) werden allein die jĂ€hrlichen Kosten fĂŒr die Unternehmen der deutschen Automobilindustrie auf eine Milliardensumme geschĂ€tzt.
Warum hat die EU den Deal akzeptiert?
WĂ€re es zu keiner Einigung gekommen, hĂ€tten ab dem 1. August US-Zölle in Höhe von 30 Prozent gedroht. Die EU wollte eine Eskalation verhindern, da diese den Handel und ArbeitsplĂ€tze kurzfristig noch mehr bedroht hĂ€tte. Hinzu kam die Sorge, Trump könne im Fall eines verschĂ€rften Konflikts neue Drohkulissen aufbauen - beispielsweise indem er erneut die militĂ€rische Beistandspflicht innerhalb der Nato infrage stellt oder die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine zurĂŒckfĂ€hrt - beides sind Ă€uĂerst sensible Themen angesichts der Bedrohungen durch Russland.
Wenn die EuropĂ€er im Bereich der Verteidigung nicht so abhĂ€ngig von den USA wĂ€ren, hĂ€tten sie den Deal vielleicht nicht akzeptiert. Wirtschaftlich ist die EU nĂ€mlich mit etwa 450 Millionen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern in 27 LĂ€ndern eine echte Marktmacht, die den Vereinigten Staaten in einem Handelskonflikt schwer zusetzen könnte.
Wie erklÀrt die EU den Deal?
Von der Leyen sagte nach dem Treffen mit Trump: «Das heutige Abkommen schafft Sicherheit in unsicheren Zeiten.» EuropÀische Unternehmen brÀuchten in diesen aktuell so turbulenten Zeiten Vorhersehbarkeit, um planen und investieren zu können. Hinter vorgehaltener Hand wird zudem auch in der EU-Kommission eingerÀumt, dass der Vorwurf von Ungleichgewichten in den Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA nicht ganz von der Hand zu weisen war.
So verbuchte die EU im Warenhandel mit den USA 2024 nach jĂŒngsten Zahlen des Statistikamts Eurostat einen deutlichen Ăberschuss in Höhe von rund 198 Milliarden Euro. Im Dienstleistungsbereich sah es zwar fĂŒr die USA besser aus - am Ende blieb fĂŒr die EU aber noch immer ein HandelsĂŒberschuss von 50 Milliarden Euro.
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Was gewinnt Trump?
Der 15-Prozent-Zoll dĂŒrfte jĂ€hrlich Zusatzeinnahmen in Milliardenhöhe in die US-Staatskasse spĂŒlen. Nach EU-Angaben lag der durchschnittliche US-Zollsatz auf Importe aus der EU in der Praxis vor dem Amtsantritt Trumps bei lediglich etwa 1 Prozent und damit ebenso niedrig wie der Zollsatz der EU auf US-Importe - zumindest dann, wenn man nur den tatsĂ€chlichen Warenhandel zwischen der EU und den USA zugrunde legt.Â
Wie kam es zu dem Deal?
Vorausgegangen waren in den vergangenen Monaten zĂ€he Verhandlungen und immer neue Drohungen und Eskalationen durch Donald Trump. Zuletzt lud der US-PrĂ€sident von der Leyen und ihren Handelskommissar Maros Sefcovic dann ein, am Wochenende in sein Luxus-Golfhotel in Turnberry in Schottland zu kommen. Bei einem rund einstĂŒndigen Treffen wurde der Deal dann fix gemacht. Trump argumentierte in den Verhandlungen vor allem mit dem Handelsungleichgewicht zwischen den USA und der EU. Zudem will er mit seinem Kurs unter dem Motto «America First» industrielle Produktion zurĂŒck in die USA holen. Die zusĂ€tzlichen Zolleinnahmen sollten auĂerdem helfen, seine umfangreichen Steuersenkungen gegenzufinanzieren.
Ist der Handelskonflikt nun vollstÀndig beigelegt?
Das bleibt abzuwarten. KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen rĂ€umte nach Bekanntgabe des Deals ein, dass noch nicht alle Details abschlieĂend geklĂ€rt sind. Offen ist unter anderem, wie es mit den US-Stahl- und Aluminiumzöllen weitergeht, die Trump in den vergangenen Monaten auf 50 Prozent erhöht hatte. Die EU hofft, dass bestimmte Mengen davon ausgenommen werden, konkrete Daten wurden allerdings bislang nicht genannt. Unklar war bis zuletzt auch, ob es bei Arzneimitteln wirklich bei einem Zollsatz von 15 Prozent bleiben wird und in welchem Umfang es zur geplanten Anpassung von Standards fĂŒr Autos und andere IndustriegĂŒter kommt.





