Baerbock: MĂŒssen Druck auf Russland aufrechterhalten
14.06.2024 - 13:39:40 | dpa.de
AuĂenministerin Annalena Baerbock hat fĂŒr eine rasche Verabschiedung der geplanten neuen Russland-Sanktionen der EuropĂ€ischen Union geworben. «FĂŒr uns als deutsche Bundesregierung ist vollkommen klar: Wir mĂŒssen als EuropĂ€ische Union den Sanktionsdruck gegen Russland weiter aufrechterhalten», sagte die GrĂŒnen-Politikerin beim Treffen der AuĂenminister des Ostseerats im finnischen Porvoo in der NĂ€he der Hauptstadt Helsinki. «Deswegen arbeiten wir im AuswĂ€rtigen Amt mit Hochdruck daran, dass wir jetzt in den unterschiedlichen Teilen des Sanktionspaketes und auch im Blick auf Belarus zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen», ergĂ€nzte sie.
Vor allem mĂŒsse man gegen die Sanktionsumgehung durch Russland, die man in den vergangenen Monaten gesehen habe, stĂ€rker vorgehen, verlangte Baerbock. Das betreffe vor allem auch Belarus. Sie habe beim Ostseerat von allen Partnern gehört, wie zentral diese Frage sei, insbesondere fĂŒr die direkten NachbarlĂ€nder Russlands. Detailliert wollte sich die BundesauĂenministerin nicht zu den aktuell in BrĂŒssel laufenden Verhandlungen ĂŒber das geplante Sanktionspaket Ă€uĂern.Â
Innerhalb der Bundesregierung gibt es Streit ĂŒber die deutsche Positionierung zu geplanten neuen Russland-Sanktion der EU. Nach Informationen der dpa sieht das AuswĂ€rtige Amt Vorbehalte des Kanzleramts gegen das Sanktionspaket mittlerweile als problematisch und imageschĂ€digend an. Hintergrund ist, dass Deutschland damit zuletzt alleine dastand.
Aus dem AuswĂ€rtigen Amt hieĂ es vor heutigen GesprĂ€chen in BrĂŒssel, Baerbock habe in den vergangenen zwei Jahren intensiv daran gearbeitet, bei den europĂ€ischen Partnern verlorenes Vertrauen aufgrund der alten Russlandpolitik wiederherzustellen. Dieses Vertrauen dĂŒrfe nun nicht wieder verspielt werden.
Spitze Bemerkungen von Partnern
Zuvor war bekanntgeworden, dass der stĂ€ndige Vertreter der Bundesrepublik bei der EU bis zuletzt nicht die Erlaubnis aus Berlin hatte, dem nĂ€chsten Paket mit Russland-Sanktionen der EU zuzustimmen. Nach Angaben von Diplomaten in BrĂŒssel waren die deutschen Bedenken und ĂnderungswĂŒnsche ein entscheidender Grund dafĂŒr, dass die Verhandlungen bislang nicht zum Abschluss gebracht werden konnten.
Zuletzt habe es sich angefĂŒhlt, als ob Deutschland das neue Ungarn sei, sagte ein EU-Beamter der dpa in Anspielung darauf, dass die Budapester Regierung von MinisterprĂ€sident Viktor Orban in der Vergangenheit immer wieder Entscheidungen fĂŒr Russland-Sanktionen verzögert hatte.
UrsprĂŒnglich geplant war, dass es bis zum Beginn des G7-Gipfels der fĂŒhrenden demokratischen Industrienationen eine VerstĂ€ndigung auf das neue Sanktionspaket gibt. An dem Treffen nimmt auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) teil. Nun kann es frĂŒhestens heute eine politische Einigung in BrĂŒssel geben.Â
Sanktionsumgehung im Visier
Mit den geplanten neuen EU-StrafmaĂnahmen soll insbesondere gegen die Umgehung von bereits bestehenden Sanktionen vorgegangen werden. Diese fĂŒhrt beispielsweise dazu, dass Russlands RĂŒstungsindustrie noch immer westliche Technologie nutzen kann, um Waffen fĂŒr den Krieg gegen die Ukraine herzustellen. Zudem ist geplant, erstmals scharfe EU-Sanktionen gegen Russlands milliardenschwere GeschĂ€fte mit FlĂŒssigerdgas (LNG) zu verhĂ€ngen.
Die deutschen Vorbehalte gegen die PlĂ€ne beziehen sich nach Angaben von EU-Diplomaten vor allem auf MaĂnahmen, die eine Umgehung von EU-Sanktionen erschweren sollen. Demnach forderte die Bundesregierung unter anderem, dass Unternehmen nicht verpflichtet werden sollen, sich selbst darum zu kĂŒmmern, dass Handelspartner EU-Sanktionsregeln einhalten.
Deutschland alleine
Aus dem AuswĂ€rtigen Amt hieĂ es, grundsĂ€tzlich seien die Bedenken nicht von der Hand zu weisen. Gleichzeitig mĂŒsse anerkannt werden, dass die groĂe Mehrheit der anderen EU-Staaten keine inakzeptablen Probleme sehe. Ein Sprecher der stĂ€ndigen Vertretung der Bundesrepublik bei der EU hatte sich auf Anfrage der dpa nicht zu den Verhandlungen Ă€uĂern wollen. Er verwies darauf, dass die Beratungen im Kreis der Mitgliedstaaten vertraulich seien.
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