Rekord bei politisch motivierter KriminalitÀt
06.06.2026 - 05:00:00 | dts-nachrichtenagentur.de15 BundeslĂ€nder stellten ihre Daten auf Anfrage der "Welt am Sonntag" zur VerfĂŒgung, nur Rheinland-Pfalz fehlt. Dort verzögert sich nach den Landtagswahlen und dem Wechsel des Innenministers die Bereitstellung. Damit könnte sich die Gesamtzahl noch erhöhen.
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) warnte vor einer gefĂ€hrlichen Entwicklung. Besonders besorgniserregend sei die wachsende Bereitschaft, politische Auseinandersetzungen nicht mehr mit Argumenten, sondern mit EinschĂŒchterung, Hass und Gewalt auszutragen, sagte er der Zeitung. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklĂ€rte: "Die Zahlen sind ein Alarmruf: Politisch motivierte KriminalitĂ€t ist lĂ€ngst keine FuĂnote mehr, sondern ein HĂ€rtetest fĂŒr unsere Demokratie. Wir erleben mehr Straftaten, mehr Gewalt und so viele Verfassungsfeinde wie noch nie."
Baden-WĂŒrttembergs neuer Innenminister Manuel Hagel (CDU) kĂŒndigte eine entschlossene staatliche Antwort an. Man trete verfassungsfeindlichen Bestrebungen - gleich aus welcher Richtung - mit geballten KrĂ€ften entgegen. Die TĂ€ter sollten sich nicht zu geschĂŒtzt fĂŒhlen.
Besonders alarmiert die Sicherheitsbehörden die anhaltend hohe Gewaltbereitschaft. Bundesweit stieg die Zahl politisch motivierter Gewalttaten um 1,2 Prozent von 4.107 auf 4.156 Delikte. Dazu zĂ€hlen Straftaten wie Körperverletzung, Brand- und Sprengstoffdelikte sowie Landfriedensbruch. 1.598 Delikte ordnen die Ermittler Rechtsextremen zu, 1.087 Taten der linken Szene. Der Rest verteilte sich auf die PhĂ€nomenbereiche "auslĂ€ndisch", "religiös" und "sonstige". Der innenpolitische Sprecher der SPD, Sebastian Fiedler, sagte der Zeitung, politisch motivierte Gewalt greife den Rechtsstaat an und mĂŒsse konsequent verfolgt werden.
Ermittler fĂŒhren die Entwicklung vor allem auf den polarisierten Bundestagswahlkampf 2025 und internationale Krisen wie den Nahost-Konflikt zurĂŒck. Auch ein verĂ€ndertes Anzeigeverhalten spiele eine Rolle, insbesondere bei Hasskommentaren im Netz und Beleidigungen von Politikern.
Rechtsextremisten bleiben der gröĂte Treiber politisch motivierter KriminalitĂ€t. Rund die HĂ€lfte aller Straftaten ordnen die Ermittler dem Bereich "PMK-rechts" zu. Von den mehr als 42.000 Delikten entfĂ€llt ein groĂer Teil auf Propaganda-Straftaten. GrĂŒnen-Innenexpertin Irene Mihalic sagte, die gröĂte Gefahr fĂŒr die Demokratie gehe weiterhin vom Rechtsextremismus aus.
Den stÀrksten Zuwachs gab es bei linksextremen Straftaten. Ihre Zahl stieg um rund 35 Prozent auf mehr als 13.000 FÀlle. Linksextreme Gewalttaten legten um 42,6 Prozent auf 1.087 FÀlle zu.
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