Langzeit-Visa für Russen sinken bis 2026 auf 4.500
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVisawege für russische Antragsteller
- Deutschland erteilte 2022 rund 13.000 nationale Visa an russische Staatsangehörige.
- Für Ende 2026 erwartet die Bundesregierung etwa 4.500 Genehmigungen für Aufenthalte von mehr als 90 Tagen.
- Arbeits- und Familiennachzugsvisa sanken von rund 4.550 im Jahr 2022 um mehr als 90 Prozent.
Deutschland reduziert Langzeit-Visa für Russen
Deutschland erteilt seit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich weniger Langzeit-Visa für russische Staatsangehörige. Die Zahl der Genehmigungen für Aufenthalte von mehr als 90 Tagen soll von rund 13.000 im Jahr 2022 auf voraussichtlich etwa 4.500 Ende 2026 sinken.
Arbeits- und Familiennachzug besonders betroffen
Die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berufen sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Frage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger. Besonders stark ging demnach die Zahl der Visa für Russen zurück, die in Deutschland arbeiten oder zu Familienangehörigen ziehen wollen.
In diesem Bereich sank die Zahl von rund 4.550 Genehmigungen im Jahr 2022 um mehr als 90 Prozent. Bei den Visa für russische Studenten rechnet die Bundesregierung mit einem Rückgang von rund 40 Prozent.
Unterschied zwischen Visaarten
Die Angaben schließen Visa im Rahmen der humanitären Aufnahme und für besonders Schutzbedürftige aus. Grundsätzlich ermöglichen Schengen-Visa Aufenthalte von bis zu 90 Tagen, während nationale Visa für längere Aufenthalte vorgesehen sind.
Bünger kritisiert restriktive Praxis
Bünger sagte, sie vermute, dass die deutsche Botschaft in Moskau aufgrund des Ukraine-Kriegs deutlich restriktiver über Anträge russischer Staatsbürger auf nationale Visa entscheide. Diesen Ansatz halte sie für grundfalsch.
Sie habe in den vergangenen Jahren unzählige Zuschriften von Menschen aus Russland erhalten, die den Krieg ablehnten und es dort aufgrund des restriktiven Klimas nicht mehr aushielten. Diesen Menschen müsse man die Türe öffnen, statt sie für die verbrecherische Politik ihrer Regierung zu bestrafen.
Die Entwicklung markiert eine deutliche Verschiebung bei den längerfristigen Einreisemöglichkeiten russischer Staatsangehöriger nach Deutschland. Während nationale Visa Aufenthalte von mehr als 90 Tagen ermöglichen, gelten Schengen-Visa für kurzfristige Aufenthalte bis zu 90 Tagen. Die dts-Meldung bezieht sich ausschließlich auf nationale Visa und schließt humanitäre Aufnahmen sowie Visa für besonders Schutzbedürftige aus.
Besonders aussagekräftig ist der Einbruch bei Arbeits- und Familiennachzugsvisa: Von rund 4.550 Genehmigungen im Jahr 2022 soll die Zahl bis Ende 2026 um mehr als 90 Prozent sinken. Damit betrifft der Rückgang nicht nur Geschäfts- oder Ausbildungsentscheidungen, sondern auch dauerhaftere Lebensperspektiven und familiäre Verbindungen.
Politischer Zielkonflikt
Die Zahlen stehen im Spannungsfeld zwischen sicherheits- und außenpolitischen Erwägungen einerseits sowie dem Anspruch, Kriegsgegnern und besonders gefährdeten Menschen Schutz- und Ausreisemöglichkeiten offenzuhalten, andererseits. Clara Bünger kritisiert deshalb eine aus ihrer Sicht zu restriktive Praxis gegenüber Antragstellern aus Russland.
Für Betroffene können längere Bearbeitungszeiten, strengere Prüfungen oder geringere Genehmigungsquoten die Entscheidung über Arbeit, Studium und Familienzusammenführung erheblich beeinflussen. Zugleich bleibt die Unterscheidung zwischen nationalen Visa, kurzfristigen Schengen-Visa und humanitären Aufnahmewegen entscheidend, weil die Kategorien unterschiedlichen rechtlichen Voraussetzungen und politischen Zielsetzungen folgen.
