Kassen warnen vor Aufweichung der Klinikreform
21.08.2025 - 07:32:15"Mit dem gerade diskutierten Krankenhausreformanpassungsgesetz sollen die BundeslĂ€nder weitreichende Ausnahmeregelungen erhalten", sagte Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Statt wirklich verbindlicher, in ganz Deutschland geltender Mindeststandards, wie zum Beispiel die Mindestanzahl an Ărztinnen und Ărzten je nach Fachgebiet, sollen die BundeslĂ€nder solche relativ frei unterschreiten können."
Stoff-Ahnis mahnte: "Eine Aufweichung der geplanten QualitĂ€tsvorgaben wĂŒrde die zentralen Ziele der Reform, also eine bundesweit einheitliche und hohe BehandlungsqualitĂ€t fĂŒr mehr Patientensicherheit, grundlegend gefĂ€hrden." Die BundeslĂ€nder sollten von einheitlichen QualitĂ€tskriterien abweichen können. Die Folge wĂ€re, dass KrankenhĂ€user auch zukĂŒnftig Leistungen anbieten könnten, "fĂŒr die sie nicht die notwendige personelle und technische Ausstattung oder ausreichende Erfahrung vorhalten".
Reform soll Kliniknetz verkleinern
An diesem Donnerstag findet laut Verband im Ressort von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Anhörung zum entsprechenden Referentenentwurf statt. Um die Reform vor Ort umsetzbar zu machen, sollen den LĂ€ndern mehr Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand gegeben werden. Warken und die LĂ€nder hatten sich im Juli dazu abgestimmt, die noch von der Ampel-Koalition gegen Proteste durchgesetzte Reform nachzubessern. Sie trat Anfang 2025 in Kraft und soll bis 2029 umgesetzt werden. Das Netz der 1.700 Kliniken dĂŒrfte damit kleiner werden.
Kassenverband warnt vor Versorgung nach Gelegenheit
Die Kassenverbandsvize forderte: "Die QualitÀt einer Behandlung darf nicht davon abhÀngen, in welchem Bundesland jemand ins Krankenhaus kommt, doch genau das droht nun." Statt mehr Erfahrung und Routine gerade bei komplizierten Operationen bekÀmen Deutschland wieder hÀufiger eine Gelegenheitsversorgung - "zulasten der QualitÀt", so Stoff-Ahnis. "Darunter leiden die Patientinnen und Patienten mitunter ihr Leben lang."
Als "völlig unverstĂ€ndlich" kritisierte sie die geplante Streichung von bundeseinheitlichen Erreichbarkeitsvorgaben fĂŒr Ausnahmen. Hierbei geht es laut Experten um eine Mindesterreichbarkeit: GĂ€be es sie nicht, dann könnte ein Bundesland praktisch immer erklĂ€ren, dass die flĂ€chendeckende Versorgung gefĂ€hrdet ist - auch wenn Voraussetzungen wie genug Personal nicht gegeben sind. Bereits die GrĂŒnen hatten vor einer Entkernung der Reformprinzipien gewarnt.

