Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahl

Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: AfD wird stärkste Kraft, CDU verpasst Landtag

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 00:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern klar und wird erstmals stärkste Fraktion, bleibt aber ohne Mehrheit. Für die CDU endet der Urnengang in einem historischen Tiefpunkt ohne Vertretung im Landtag.

Die AFD mit Leif-Erik Holm landet bei der Landtagswahl vor der SPD um Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
Die AFD mit Leif-Erik Holm landet bei der Landtagswahl vor der SPD um Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

Die AfD hat die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern mit 38,2 Prozent der Stimmen gewonnen und wird damit erstmals stärkste Fraktion im Schweriner Landtag.

Stimmenanteile und Sitzverteilung im neuen Landtag

Nach Angaben der Landeswahlleitung folgt die SPD mit 35,5 Prozent auf dem zweiten Platz. Zudem ziehen die Linke mit 6,5 Prozent und die Grünen mit 5,7 Prozent in den Landtag ein, während CDU und BSW mit 4,9 beziehungsweise 4,8 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Im neuen Parlament kommt die AfD auf 32 Sitze, die SPD auf 29 Mandate. Linke und Grüne sind jeweils mit fünf Abgeordneten vertreten. Damit bleibt die AfD trotz ihres Sieges deutlich von einer Alleinregierung entfernt.

AfD leitet Regierungsanspruch ab

Der AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm erklärte, aus dem Ergebnis ergebe sich ein Regierungsauftrag für seine Partei. Er kündigte an, mit anderen Parteien über mögliche Formen der Zusammenarbeit sprechen zu wollen.

Bislang haben allerdings alle etablierten Parteien im Land eine Kooperation mit der AfD ausgeschlossen. Lediglich das BSW hatte eine Öffnung signalisiert, scheiterte jedoch selbst am Einzug in den Landtag.

SPD stabilisiert sich trotz Verlusten

Die SPD verzeichnet leichte Verluste im Vergleich zur Wahl 2021, als sie 39,6 Prozent erreicht hatte. Angesichts deutlich schlechterer Umfragewerte im Vorfeld der Wahl wertet die Partei das Resultat dennoch als Erfolg.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprach von einer Aufholjagd und verwies darauf, dass die SPD in vielen Erhebungen lange deutlich unter 30 Prozent gelegen hatte. Die Sozialdemokraten beanspruchen nun, trotz AfD-Sieg eine zentrale gestaltende Kraft im Land zu bleiben.

Historisches Debakel für die CDU

Für die CDU bedeutet das Ergebnis ein beispielloser Rückschlag. Erstmals seit Bestehen der Bundesrepublik ist die Partei in keinem Landtag eines Bundeslands vertreten, nachdem sie in Mecklenburg-Vorpommern die Fünf-Prozent-Hürde verfehlte.

Bereits das Resultat von 13,3 Prozent im Jahr 2021 war von den Christdemokraten als Niederlage empfunden worden. Nun erreicht die CDU nicht einmal die Hälfte dieses Werts und verbucht damit ihr schlechtestes Abschneiden bei einer Landtagswahl überhaupt.

Historischer Einschnitt für das Parteiensystem

Der Wahlausgang in Mecklenburg-Vorpommern markiert einen deutlichen Bruch mit bisherigen politischen Kräfteverhältnissen. Erstmals stellt die AfD die stärkste Fraktion in einem west- wie ostdeutschen Flächenland und übertrifft ihr Ergebnis von 2021 deutlich. Gleichzeitig verfehlt sie klar die absolute Mehrheit, sodass sie für eine Regierungsbildung auf Partner angewiesen wäre. Dies trifft auf ein Umfeld, in dem sämtliche etablierten Parteien eine Zusammenarbeit kategorisch ausgeschlossen haben und damit die Frage nach tragfähigen Koalitionsoptionen verschärfen.

Koalitionsbildung und Regierungsfähigkeit

Mit den Sitzverteilungen rückt eine erneute Regierungsbildung unter Führung der SPD in den Mittelpunkt. Rechnerisch kommen unterschiedliche Mehrheitsoptionen in Betracht, politisch realistisch erscheinen vor allem Modelle mit zwei oder drei Parteien, die die AfD und das BSW außen vor lassen. Die SPD kann ihr vergleichsweise stabiles Ergebnis als taktischen Erfolg werten, weil sie sich im Wahlkampf aus einem schwierigen Bundestrend herausgearbeitet hat. Zugleich zwingt das schwache Abschneiden der CDU alle übrigen Parteien, ihre strategische Rolle neu zu definieren, da eine klassische große Koalition im Landtag nicht mehr möglich ist.

Signalwirkung über Mecklenburg-Vorpommern hinaus

Für die Bundespolitik hat der Wahlausgang eine doppelte Signalwirkung: Einerseits zeigt er, wie stark die AfD von Unzufriedenheit mit der Bundesregierung und langjährigen Strukturproblemen profitieren kann. Andererseits wird deutlich, dass ihre wachsende Stimmenzahl nicht automatisch in Regierungsverantwortung mündet, solange andere Parteien an der Abgrenzung festhalten. Das historische Tief der CDU dürfte Debatten über Kurs und Personal verschärfen und könnte den Druck erhöhen, sich programmatisch klarer zu positionieren. Für Wählerinnen und Wähler in anderen Bundesländern wird Mecklenburg-Vorpommern damit zum Testfall, wie Demokratien mit starken rechtspopulistischen Kräften umgehen, ohne ihre eigenen Prinzipien aufzugeben.

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