Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahl

Mecklenburg-Vorpommern Landtagswahl: AfD wird stärkste Kraft – CDU scheitert historisch

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 00:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die AfD wird erstmals stärkste Kraft im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, verfehlt aber eine eigene Mehrheit. Für die CDU endet die Wahl historisch: Sie verpasst den Einzug ins Parlament und erleidet ihr bundesweit schlechtestes Landtagswahlergebnis.

Die AFD mit Leif-Erik Holm landet bei der Landtagswahl vor der SPD um Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
Die AFD mit Leif-Erik Holm landet bei der Landtagswahl vor der SPD um Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

Die AfD hat die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern mit 38,2 Prozent der Stimmen gewonnen und wird erstmals stärkste Fraktion im Schweriner Landtag.

AfD legt deutlich zu und beansprucht Regierungsauftrag

Nach Angaben der Landeswahlleitung erreicht die AfD 38,2 Prozent und liegt damit klar vor der bislang stärksten Regierungspartei SPD, die auf 35,5 Prozent kommt. Gegenüber der Wahl vor fünf Jahren hat die AfD ihr Ergebnis mehr als verdoppelt, damals erzielte sie 16,7 Prozent der Stimmen.

Der AfD-Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Leif-Erik Holm, leitet aus dem Wahlergebnis einen Regierungsauftrag für seine Partei ab. Er kündigt an, mit anderen Parteien über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit sprechen zu wollen. Bislang haben jedoch sämtliche etablierten Parteien mit Ausnahme des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) eine Kooperation mit der AfD ausgeschlossen, das BSW scheiterte nun knapp am Einzug in den Landtag.

SPD trotz Verlusten vor allem im Vergleich zu Umfragen zufrieden

Die SPD muss leichte Verluste hinnehmen und fällt von 39,6 Prozent im Jahr 2021 auf nun 35,5 Prozent. Angesichts vorheriger Umfragen, in denen die Sozialdemokraten lange deutlich unter 30 Prozent gelegen hatten, bewertet die Partei das Abschneiden dennoch positiv.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig spricht von einer „Aufholjagd“ und hebt hervor, dass ihre Partei den Abstand zur AfD geringer halten konnte als zunächst befürchtet. Die SPD bleibt damit zweitstärkste Kraft und potenzielle Führungspartei bei der Regierungsbildung.

CDU verpasst Landtag und erlebt historisches Debakel

Besonders deutlich fällt der Einbruch bei der CDU aus. Die Christdemokraten erreichen lediglich 4,9 Prozent und scheitern damit erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde bei einer Landtagswahl in Deutschland. Damit wird die CDU in Mecklenburg-Vorpommern künftig nicht mehr im Landtag vertreten sein.

Bereits das Ergebnis von 2021 mit 13,3 Prozent war innerhalb der Partei als Niederlage gewertet worden. Nun fällt das Abschneiden auf weniger als die Hälfte dieses Wertes und markiert das schwächste Landtagswahlergebnis der CDU seit Bestehen der Bundesrepublik.

Kleinere Parteien mit unterschiedlichen Ergebnissen

Neben AfD und SPD ziehen die Linke mit 6,5 Prozent sowie die Grünen mit 5,7 Prozent erneut in den Landtag ein. Beide Parteien sichern sich damit eine parlamentarische Präsenz, bleiben aber deutlich hinter den beiden stärksten Kräften zurück.

Das BĂĽndnis Sahra Wagenknecht verpasst mit 4,8 Prozent ebenso wie die CDU knapp den Einzug in das Landesparlament. Trotz der verfehlten FĂĽnf-Prozent-HĂĽrde bleibt offen, welche Rolle diese Parteien kĂĽnftig auĂźerhalb des Landtags in der politischen Debatte des Bundeslandes spielen werden.

Historischer Einschnitt fĂĽr Parteienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Der Wahlausgang in Mecklenburg-Vorpommern markiert einen deutlichen Umbruch in der politischen Struktur des Bundeslandes. Mit 38,2 Prozent der Stimmen wird die AfD zum ersten Mal stärkste Kraft im Schweriner Landtag und verdrängt die bisher führende SPD auf Platz zwei. Zugleich verliert die CDU ihre parlamentarische Präsenz vollständig, was bundesweit einmalig ist und die Schwäche der Union in Ostdeutschland sichtbar macht.

FĂĽr die Regierungsbildung bedeutet das Ergebnis eine hochkomplexe Lage. Zwar leitet AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm einen Regierungsauftrag aus dem Wahlsieg ab, doch alle etablierten Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Da das BĂĽndnis Sahra Wagenknecht den Einzug in den Landtag verpasst, stehen rechnerische Mehrheiten nur ĂĽber Konstellationen ohne AfD zur VerfĂĽgung. Damit dĂĽrfte die SPD trotz Verlusten eine zentrale Rolle bei der Suche nach Koalitionspartnern einnehmen.

Bundespolitische Signalwirkung und Herausforderungen

Bundespolitisch hat der Wahlausgang erhebliche Signalwirkung. Zum einen bestätigt er den Trend, dass die AfD in Teilen Ostdeutschlands deutlich über ihren bundesweiten Umfragewerten liegt. Zum anderen zeigt das historisch schlechte Abschneiden der CDU, dass ihre bisherigen Strategien zur Zurückgewinnung verloren gegangener Wählerschichten im Nordosten nicht greifen. Gleichzeitig gelingt der SPD eine Aufholbewegung gegenüber ihren Umfragewerten, was Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als Erfolg bewertet.

Für die Bürgerinnen und Bürger in Mecklenburg-Vorpommern stehen nun Fragen der Stabilität und politischen Handlungsfähigkeit im Vordergrund. Die zu erwartend schwierigen Koalitionsverhandlungen könnten über Wochen andauern. In dieser Phase wird sich entscheiden, ob das Land auf eine erneute Führung durch die SPD setzt oder ob sich neue Bündniskonzepte etablieren. Klar ist bereits: Die Verschiebung der Kräfteverhältnisse wird die politische Debatte im Bundesland und darüber hinaus nachhaltig prägen.

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