RĂ€uberin vor Gericht? Was den Klette-Prozess besonders macht
25.05.2026 - 04:30:07 | dpa.deDie mutmaĂliche SerienrĂ€uberin und ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette steht seit MĂ€rz 2025 vor dem Landgericht Verden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr bewaffnete RaubĂŒberfĂ€lle mit Millionenbeute vor. An diesem Mittwoch könnte vor dem Landgericht Verden das Urteil gesprochen werden. Zeit fĂŒr einen Blick auf das, was dieses Verfahren auĂergewöhnlich machte:
Angeklagte mit besonderer Vergangenheit und Botschaft
Daniela Klette und ihre mutmaĂlichen Komplizen bei den RaubĂŒberfĂ€llen, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg, waren Mitglieder der linksextremistischen Gruppe Rote Armee Fraktion (RAF), die sich im Jahr 1998 auflöste. Mehr als 30 Jahre lang lebte Klette im Untergrund - mit falschen IdentitĂ€ten. Sie gehörte zu den meistgesuchten Frauen Deutschlands. Ihre Festnahme im Februar 2024 in Berlin war eine Sensation. In ihrer Wohnung fanden Ermittler Waffen, Munition, Geld und eine tĂ€uschend echt aussehende Panzerfaust.
Im Gerichtssaal sah Klette aus wie eine freundliche Nachbarin. Wenn sie den Saal betrat, lĂ€chelte sie und winkte UnterstĂŒtzern im Publikum zu. Das VerhĂ€ltnis zu ihrem Anwalt Lukas Theune und ihrer AnwĂ€ltin Undine Weyers wirkte innig. Sie umarmten sich zur BegrĂŒĂung und schauten sich freundschaftlich an. Klette trug schlichte, gepflegte Kleidung. Auf ihrem Stuhl im Gerichtssaal machte sie einen entspannten Eindruck, zog mitunter ihre Schuhe aus, lehnte sich zurĂŒck oder drehte sich mit ihrem Stuhl hin und her.Â
Den Prozess nutzte die 67-JĂ€hrige immer wieder fĂŒr politische Botschaften. Sie kritisierte den Kapitalismus, das Vorgehen Israels im Gazastreifen und den US-MilitĂ€reinsatz in Venezuela. Ungewöhnlich war auch, dass die Angeklagte eine eigene Verteidigungsrede hielt. Mehr als eine Stunde lang schilderte sie ihre Sicht auf die ihr vorgeworfenen Taten, die politische Weltlage und die Notwendigkeit fĂŒr ihr frĂŒheres Leben im Untergrund. Nur in der IllegalitĂ€t hĂ€tten sie und andere die Möglichkeit gehabt, als radikale Linke weiterzubestehen, sagte sie. Eine Beteiligung an den ihr zur Last gelegten Taten rĂ€umte sie nicht direkt ein. Dass einige Betroffene der RaubĂŒberfĂ€lle bis heute leiden, tue ihr leid, sagte sie.Â
Wo frĂŒher Pferde trabten - auĂergewöhnlicher Verhandlungsort
FĂŒr den Prozess wurde eine Reithalle am Stadtrand von Verden in einen Gerichtssaal umgebaut. Dass das GelĂ€nde frĂŒher eine Reitanlage war, ist sichtbar. Wer zum Gerichtssaal lĂ€uft, geht an eingezĂ€unten AuslaufflĂ€chen fĂŒr Pferde vorbei. Der frĂŒhere Reiterhof ist nun ein Hochsicherheitstrakt: SicherheitszĂ€une, Stacheldraht und Sichtschutz sichern die Einfahrten, Kameras ĂŒberwachen das GelĂ€nde, bewaffnete Polizisten und Justizbeamte ĂŒberprĂŒfen, wer das GelĂ€nde und den Gerichtssaal betritt. Dort sitzt das Publikum hinter einer Sicherheitsscheibe.
Die Miete der Anlage inklusive der Ausgaben fĂŒr den Umbau kostet laut niedersĂ€chsischem Justizministerium rund 3,6 Millionen Euro. Der Vertrag lĂ€uft bis Ende Mai 2027 und kann bei Bedarf verlĂ€ngert werden. Ob die Halle nach dem Urteil weiter genutzt wird, ist unklar.
Warum brauchte es diese teure Halle? Dem Justizministerium zufolge gibt es im Landgericht Verden und auch an keinem anderen Gerichtsstandort in Niedersachsen einen passenden Saal mit Platz fĂŒr all die Richter, AnwĂ€lte, Zeugen, SachverstĂ€ndige, Medien und das Publikum. Theoretisch hĂ€tten sich mehr als 20 Betroffene und deren AnwĂ€lte als NebenklĂ€ger am Prozess beteiligen können, dafĂŒr sollte ausreichend Platz sein.Â
Auch das Publikum wird genau kontrolliertÂ
Die Angeklagte und das GerichtsgelĂ€nde werden streng bewacht. Ein Konvoi aus gepanzerten Polizeifahrzeugen bringt Klette von der Haftanstalt zum Gericht und wieder zurĂŒck. Nur im Gerichtssaal selbst darf sich die Angeklagte etwas frei bewegen und ohne Hand- oder FuĂfesseln zu ihrem Platz laufen.Â
Wer den Prozess im Zuschauerraum verfolgen möchte, wird streng kontrolliert und abgetastet. Der Ausweis wird fotografiert, alle mĂŒssen die Schuhe fĂŒr eine ĂberprĂŒfung ausziehen und durch eine Sicherheitsschleuse laufen. Auch Journalistinnen und Journalisten dĂŒrfen nur wenige Dinge wie Block und Stift, eine Plastiktrinkflasche und etwas Essen mit in den Saal nehmen. Technische GerĂ€te mĂŒssen im SchlieĂfach bleiben.
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