Deutschland, Hamburg

Ukrainer wegen Nord-Stream-AnschlÀgen ab Oktober vor Gericht

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 15:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die AnschlÀge auf die Nord-Stream-Pipelines werden in Hamburg vor Gericht aufgearbeitet. Das Hanseatische Oberlandesgericht hat das Verfahren eröffnet.

  • Der Prozess gegen Serhij K. soll am 14. Oktober in Hamburg beginnen. (Archivbild) - Bild: Uli Deck/dpa
    Der Prozess gegen Serhij K. soll am 14. Oktober in Hamburg beginnen. (Archivbild) - Bild: Uli Deck/dpa
  • Die  SprengsĂ€tze explodierten nach Angaben der Bundesanwaltschaft am 26. September 2022 in 80 Meter Tiefe. (Archivbild) - Bild: -/Danish Defence Command/dpa
    Die SprengsÀtze explodierten nach Angaben der Bundesanwaltschaft am 26. September 2022 in 80 Meter Tiefe. (Archivbild) - Bild: -/Danish Defence Command/dpa
Der Prozess gegen Serhij K. soll am 14. Oktober in Hamburg beginnen. (Archivbild) - Bild: Uli Deck/dpa Die  SprengsÀtze explodierten nach Angaben der Bundesanwaltschaft am 26. September 2022 in 80 Meter Tiefe. (Archivbild) - Bild: -/Danish Defence Command/dpa

Der Prozess um die AnschlÀge auf die Nord-Stream-Gasleitungen soll am 14. Oktober am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnen. Das Gericht habe die Anklage gegen den ukrainischen Staatsangehörigen Serhij K. zur Hauptverhandlung zugelassen, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Es seien 16 Prozesstermine bis zum 17. Dezember bestimmt worden. Weitere Termine sollen im Januar und Februar 2027 folgen.

«Der Staatsschutzsenat ist nach vorlĂ€ufiger Tatbewertung zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte des Kriegsverbrechens des Einsatzes verbotener Methoden der KriegsfĂŒhrung durch Angriff gegen zivile Objekte, des HerbeifĂŒhrens einer Sprengstoffexplosion, der Zerstörung von Bauwerken sowie der Störung öffentlicher Betriebe nach den Ergebnissen des vorbereitenden Verfahrens als MittĂ€ter hinreichend verdĂ€chtig erscheint», teilte die Sprecherin weiter mit.

Explosionen nahe Bornholm im September 2022

Mehrere Sprengungen in der NÀhe der dÀnischen Ostseeinsel Bornholm hatten die beiden Nord-Stream-Pipelines im September 2022 so sehr beschÀdigt, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Durch Nord Stream 1 floss vorher russisches Erdgas nach Deutschland, Nord Stream 2 war noch nicht in Betrieb.

Allerdings war in den Monaten zuvor - nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine - die Durchleitung von Gas durch Nord Stream 1 von russischer Seite bereits mehrfach stark gedrosselt oder ganz gestoppt worden. 

Festnahme in Italien

Bislang wurde fĂŒr die AnschlĂ€ge niemand zur Rechenschaft gezogen. Ende August 2025 konnte dann der mutmaßliche Drahtzieher auf Grundlage eines EuropĂ€ischen Haftbefehls an der Adria-KĂŒste im Urlaub mit seiner Familie gefasst werden. Über Monate wehrte Serhij K. sich gegen seine Auslieferung nach Deutschland.

Drei Monate nach seiner Festnahme wurde er schließlich am 27. November nach Deutschland ĂŒberstellt. Einen Tag spĂ€ter setzte ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe den Haftbefehl gegen ihn in Vollzug. Serhij K. sitzt seitdem in deutscher Untersuchungshaft. Anfang Juli wurde gegen ihn Anklage erhoben. 

SprengsÀtze in 80 Meter Tiefe platziert

In dem damaligen Beschluss des Bundesgerichtshofs ist auch beschrieben, wie die folgenreiche Operation in der Ostsee nach EinschĂ€tzung der Ermittler ablief. Serhij K. begab sich demnach spĂ€testens am 8. September 2022 mit sechs MittĂ€tern - einem SchiffsfĂŒhrer, einem Sprengstoffexperten und vier Tiefseetauchern - im Hafen von Wiek auf RĂŒgen auf die Segelyacht Andromeda, die ein Mittelsmann fĂŒr mehrere Wochen gechartert hatte.

Die Gruppe soll nahe Bornholm bei TauchgĂ€ngen in bis zu 80 Metern Tiefe am Meeresboden vier mit ZeitzĂŒndern versehene SprengsĂ€tze an den Gaspipelines befestigt haben. Es handelte sich dabei den Angaben nach um im MilitĂ€rbereich verwendete Hochleistungssprengstoffe mit massiver Zerstörungskraft, die auch in großen Wassertiefen explosionsfĂ€hig sind. Die SprengsĂ€tze detonierten am 26. September 2022. Serhij K. soll damals Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen StreitkrĂ€fte gewesen sein. 

Mutmaßlicher MittĂ€ter in Kroatien in Auslieferungshaft

Ein mutmaßlicher MittĂ€ter sitzt in Kroatien in Untersuchungshaft. Der Ukrainer Wolodymyr Z. war am 19. August aufgrund eines von Deutschland ausgestellten EuropĂ€ischen Haftbefehls in der KĂŒstenstadt Pula festgenommen worden. Es sei ein Verfahren zu seiner drohenden Auslieferung nach Deutschland eingeleitet worden, berichtete das kroatische Fernsehen HRT. 

Die Bundesanwaltschaft wirft Z. unter anderem das gemeinschaftliche HerbeifĂŒhren einer Sprengstoffexplosion vor. Der Ukrainer soll einer der Taucher gewesen sein, die die Sprengladungen an den Pipelines in der Nordsee angebracht hatten.

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