Fan-Eklat in Dresden: Innenminister will «kein Pardon mehr»
06.04.2026 - 10:38:28 | dpa.deDer Schock bei Dynamo Dresden sitzt tief, die Folgen des Fan-Platzsturms im Spiel gegen Hertha BSC könnten fĂŒr den gesamten deutschen FuĂball gravierend sein. Die massiven Ausschreitungen beim Zweitligaspiel sind eine schwere Belastung im Ringen von Fan-Vertretungen, VerbĂ€nden und Politik um Stadionsicherheit.
«Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es fĂŒr die weiteren Verhandlungen oder GesprĂ€che kein Pardon mehr geben. Meine Geduld hat hier endgĂŒltig ein Ende», sagte Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorkommnisse stĂŒnden symbolisch fĂŒr eine «Gewaltfolklore» in deutschen FuĂballstadien und stellten den gesamten bisherigen Verhandlungsweg mit dem Deutschen FuĂball-Bund (DFB) und der Deutschen FuĂball Liga (DFL) infrage, erklĂ€rte Schuster weiter.
Krawalle sind Thema der nÀchsten Innenministerkonferenz
«Die Ergebnisse einer prĂ€zisen Aufarbeitung dieses Spiels durch die Vereine und die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei lasse ich mir persönlich vorlegen», betonte Schuster. Der Charakter einer kommenden Innenministerkonferenz werde auch maĂgeblich davon geprĂ€gt sein, «wie drakonisch die Konsequenzen sind, die aus diesen Krawallexzessen gezogen werden», betonte Schuster.
Er sah in der Vergangenheit Rechnungen an die Clubs fĂŒr Polizeikosten als den falschen Weg an, doch der Druck steigt immer weiter. Die Minister treffen sich im Juni wieder, doch schon bei der vergangenen Runde Mitte MĂ€rz auf Norderney hatten die LĂ€nder-Sportminister ein stĂ€rkeres Entgegenkommen von DFB und DFL verlangt.
Am Samstagabend verhinderten 750 Polizisten aus Bayern und ThĂŒringen sowie der Bereitschaftspolizei Sachsen Schlimmeres, auch einen möglichen Abbruch in der ersten HĂ€lfte. Das Spiel wurde fortgesetzt, die GĂ€ste aus Berlin gewannen 1:0. Bei der Polizei sind mehrere Ermittlungsverfahren gegen Fans anhĂ€ngig. Der DFB kĂŒndigte an, nach den Osterfeiertagen Ermittlungsverfahren gegen die Clubs einzuleiten.
Dynamo: Schwer, fĂŒr Faninteressen einzustehen
Dynamos Sport-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Sören Gonther reagierte geschockt. «Es torpediert, was wir uns rundherum erarbeiten, mit Fanvertretern, Vereinsvertretern, DFL, Polizei und so weiter. Alle arbeiten seit Monaten daran, ein sicheres Stadionerlebnis zu garantieren. Und das nimmt uns als Verein jegliche Argumentation, fĂŒr Faninteressen einzustehen», sagte Gonther im Sport1-«Doppelpass».Â
FĂŒr seinen kaufmĂ€nnischen GeschĂ€ftsfĂŒhrer-Kollegen Stephan Zimmermann sind die «Bilder nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten FuĂball in Deutschland massiv. Da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor», betonte er.Â
Bei dem Spiel wurde zunĂ€chst von beiden Seiten Pyrotechnik gezĂŒndet. Danach kletterten AnhĂ€nger beider Teams ĂŒber die ZĂ€une. Dresdner AnhĂ€nger rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock. Dabei kam es zu einem kurzen Aufeinandertreffen beider Fangruppen, bei dem es zum Einsatz von Pyrotechnik als Wurfgeschossen kam.
Hertha: «Wasser auf die MĂŒhlen der groĂen Kritiker»
Schiedsrichter Sven Jablonski musste die Zweitliga-Begegnung ein zweites Mal unterbrechen und schickte die Teams nach den Krawallen in die Kabine. Eine Hundertschaft Polizisten drĂ€ngte dann die Dynamo-AnhĂ€nger zurĂŒck in ihren Block. Dort wurde eine Hertha-Fahne abgebrannt.Â
Auch das Fehlverhalten der Berliner Fans, die ĂŒber die Absperrungen sprangen und zuerst Pyrotechnik zĂŒndeten, war offenkundig. «Das ist natĂŒrlich Wasser auf die MĂŒhlen der groĂen Kritiker. Das ist uns bewusst», sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Peter Görlich. Die Geschehnisse entsprĂ€chen nicht seinem «WertegerĂŒst». Hertha-Trainer Stefan Leitl bezeichnete die Vorkommnisse als «Schande fĂŒr den deutschen FuĂball».
Dynamo-Fans immer wieder auffÀllig
Schwere Ausschreitungen gab es bei Dynamo Dresden auch schon in der Vergangenheit. 1991 wurde das Europapokalspiel gegen Roter Stern Belgrad abgebrochen. Damals hatten Fans im alten Rudolf-Harbig-Stadion Steine Richtung Spielfeld geworfen. Im Relegations-RĂŒckspiel beim VfL OsnabrĂŒck im Mai 2011 drohte am Ende der VerlĂ€ngerung ein Abbruch, damals stand die Polizei stand bereits auf dem Rasen, um Dresdner AnhĂ€nger aufzuhalten.
Ebenfalls nach dem Aufstieg in die 2. Liga gab es im Mai 2021 Krawalle am Rande des Spiels Dynamo gegen TĂŒrkgĂŒcĂŒ MĂŒnchen. Damals wurden 185 Polizeibeamte verletzt. Auch beim Relegations-RĂŒckspiel ein Jahr spĂ€ter gegen Kaiserslautern (0:2) kam es zu Ausschreitungen.
Dresdens Coach Stamm enttÀuscht
Dynamos Cheftrainer Thomas Stamm war sichtlich niedergeschmettert am Samstagabend, der eigentlich wĂŒrdevoll mit einer Schweigeminute fĂŒr den gestorbenen EhrenspielfĂŒhrer Hans-JĂŒrgen Kreische begonnen hatte. «Keiner hat irgendeinen Mucks gegeben», sagte Stamm. «Dann stehen nachher leider andere Dinge im Vordergrund, die nichts zu suchen haben im FuĂball.»
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