Bearbeitungsdauer fĂŒr SteuererklĂ€rungen weiter angestiegen
13.01.2024 - 01:00:00In die Auswertung gingen alle Ămter ein, bei denen mindestens 50 ErklĂ€rungen ĂŒber die Plattform eingereicht wurden. Das waren 488. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 550 FinanzĂ€mter. Die Bearbeitungszeiten unterscheiden sich bundesweit deutlich. Am langsamsten arbeiteten die FinanzĂ€mter in Brandenburg. Hier vergingen im Durchschnitt 69 Tage, bis der Bescheid vorlag. Fast so lange mussten auch Steuerpflichtige in Bremen warten. Bereits nach 50 Tagen kam dagegen die Post von FinanzĂ€mtern in Rheinland-Pfalz, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Das schnellste Finanzamt 2023 sitzt der Erhebung zufolge in der Ruhrgebietsstadt Herne. Hier brauchten die Beamten lediglich 30 Tage, also etwas mehr als vier Wochen, fĂŒr die PrĂŒfung. Am Ende der Rangliste steht das Finanzamt Hameln-Holzminden in Niedersachsen mit einer Bearbeitungszeit von 115 Tagen oder gut 16 Wochen. Die Deutsche Steuergewerkschaft erklĂ€rt das Ergebnis der Analyse unter anderem mit einem erhöhten Arbeitsaufwand in den Ămtern, der durch politische Entscheidungen verursacht worden sei. "Die Politik zwingt seit Jahren immer mehr Leute in die Steuerpflicht, gleichzeitig geht die Digitalisierung in der Finanzverwaltung nur schleppend voran", sagte Gewerkschaftschef Florian Köbler der "Welt am Sonntag". Der Bearbeitungsstau, der nicht zuletzt durch die vielen GrundsteuererklĂ€rungen fĂŒr die Reform im kommenden Jahr entstanden sei, löse sich nur langsam wieder auf. Zudem hĂ€tten die staatlichen Hilfen wĂ€hrend der Corona- und der Energie-Krise vielfach dazu gefĂŒhrt, dass BĂŒrger erstmals eine SteuererklĂ€rung abgeben mussten. FĂŒr dieses Jahr geht er davon aus, dass die Geschwindigkeit gehalten werden kann. "Ich erwarte eine Stabilisierung der Bearbeitungszeiten auf dem 2023er-Niveau", sagte er. Reiner Holznagel, PrĂ€sident des Bundes der Steuerzahler, hĂ€lt den Digitalisierungsprozess in der Steuerverwaltung "immer noch" fĂŒr einen "Scherz". Er forderte, das Geschwindigkeitsthema ernsthaft anzugehen. "Nach wie vor können beispielsweise Handwerkerrechnungen nicht digital eingereicht werden. Von der vorausgefĂŒllten SteuererklĂ€rung wie in anderen LĂ€ndern sind wir in Deutschland immer noch Lichtjahre entfernt", sagte Holznagel. Wenn die Politik es mit dem Abbau von BĂŒrokratie ernst meine, mĂŒsse sie endlich den politischen Willen an den Tag legen. VorschlĂ€ge aus der Politik, wie das Tempo nachhaltig beschleunigt werden könnte, gibt es. FĂŒr Rentner und die FinanzĂ€mter "wĂ€re es eine enorme Erleichterung, die Steuer wĂŒrde analog zur Lohnsteuer direkt von der Rentenversicherung einbehalten", sagte Antje Tillmann (CDU), finanzpolitische Sprecherin der Union im Bundestag. Markus Herbrand, finanzpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, sagte, man mĂŒsse "weg von der zeitfressenden und hochkomplexen Einzelfallgerechtigkeit und hin zu mehr pauschalen Lösungen". Ziel mĂŒsse es sein, dass nur die wirklich schweren FĂ€lle auf den Schreibtischen der Finanzverwaltung landeten. Auch der GrĂŒnen-Finanzpolitiker Sascha MĂŒller plĂ€dierte fĂŒr höhere Pauschalen. So gebe es den Vorschlag, den Arbeitnehmerpauschbetrag, auch als Werbungskostenpauschale bekannt, von aktuell 1.230 Euro auf 1.500 Euro anzuheben. Die Zahl der eingereichten ErklĂ€rungen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach Zahlen des Bundesfinanzministeriums erhöhte sie sich zwischen 2019 und 2022 von 29,64 Millionen auf 31,63 Millionen. FĂŒr das vergangene Jahr rechnet das Ministerium mit einem leichten Anstieg auf rund 32 Millionen FĂ€lle. Um dem steigenden Arbeitsaufkommen zu begegnen, werden von Jahr zu Jahr mehr SteuererklĂ€rungen vollautomatisch vom Computer bearbeitet. Wurden 2020 erst 2,5 Millionen auf diese Weise geprĂŒft, waren es 2022 immerhin 3,5 Millionen. FĂŒr 2023 geht das Bundesfinanzministerium erneut von einem "leichten Anstieg" aus.


