Bundespolizei, Schlag

Bundespolizei gelingt Schlag gegen Schleuser – Festnahmen

21.05.2025 - 15:46:59

Die Behörden gehen gegen eine Gruppe vor, die Chinesen zur Einreise nach Deutschland verholfen haben soll. Neun BundeslÀnder sind betroffen, drei Personen werden festgenommen.

  • Die Behörden gehen gegen eine Gruppe vor, die Chinesen zur Einreise nach Deutschland verholfen haben soll. - Foto: --/Bundespolizei/dpa

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  • Der Schwerpunkt lag in Schleswig-Holstein. - Foto: Mike MĂŒller/dpa

    Mike MĂŒller/dpa

Die Behörden gehen gegen eine Gruppe vor, die Chinesen zur Einreise nach Deutschland verholfen haben soll. - Foto: --/Bundespolizei/dpaDer Schwerpunkt lag in Schleswig-Holstein. - Foto: Mike MĂŒller/dpa

Der Bundespolizei ist ein Schlag gegen eine Schleusergruppe gelungen. Rund 750 Beamte durchsuchten 38 Objekte in neun BundeslĂ€ndern, wie die zustĂ€ndige Staatsanwaltschaft Flensburg und die Bundespolizei mitteilten. Bei den Objekten handelte es sich um Wohnungen und GeschĂ€ftsrĂ€ume in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin, Hamburg, Bayern, Hessen, Baden-WĂŒrttemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. 

Drei VerdÀchtige wurden demnach festgenommen. Laut Bundespolizei lief etwa die HÀlfte der Durchsuchungen in Schleswig-Holstein, hier gab es auch alle Festnahmen, darunter zwei in Husum und eine in Harrislee. Ein Beschuldigter aus Husum ist laut Staatsanwaltschaft Flensburg bereits in Untersuchungshaft. Ein Sprecher sagte, er gehe davon aus, dass auch die anderen beiden in U-Haft kommen.

Bis zu 230.000 Euro pro Geschleusten

Die Maßnahmen richten sich gegen eine Schleusergruppierung aus Schleswig-Holstein. Diese soll ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg mehrere Dutzend chinesische Staatsangehörige gegen Bezahlung zur Einreise und zum dauerhaften Aufenthalt in Deutschland verholfen und sich hierdurch eine nicht nur vorĂŒbergehende Einnahmequelle verschafft haben. Pro Geschleusten hĂ€tten die Hauptbeschuldigten bis zu 230.000 Euro verlangt.

Hintergrund der umfangreichen Durchsuchungsmaßnahmen der Bundespolizeiinspektion KriminalitĂ€tsbekĂ€mpfung Rostock ist demnach ein seit Oktober 2023 gefĂŒhrtes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Flensburg wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmĂ€ĂŸigen Einschleusens von AuslĂ€ndern.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen waren Erkenntnisse eines Dokumenten- und Visumberaters der Bundespolizei im deutschen Generalkonsulat Shanghai Ursprung der Ermittlungen.

Schleuser hatten online geworben

Online hĂ€tten die Schleuser mit der Immigration nach Deutschland im Rahmen des beschleunigten FachkrĂ€fteverfahrens geworben. Ziel war es, chinesische Klienten anzuwerben, um fĂŒr diese eine deutsche Niederlassungserlaubnis zu erlangen.

Als Fachkraft in einem deutschen Unternehmen mit unbefristeten ArbeitsvertrÀgen erhielten die finanzkrÀftigen chinesischen Staatsangehörigen zunÀchst die Blaue Karte EU und somit einen nahezu bedingungslosen Aufenthalt von vier Jahren im Bundesgebiet. Ein tatsÀchliches BeschÀftigungsverhÀltnis habe allerdings zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Chinesische Staatsangehörige unterzeichneten Darlehensvertrag

Die chinesischen Staatsangehörigen unterzeichneten einen Einwanderungsdienstleistungs- und einen Darlehensvertrag, die die Geschleusten zur Zahlung einer sechsstelligen stillen Einlage als Investoren in die Firma der Beschuldigten beziehungsweise an die Firmen von eingeweihten GeschÀftspartnern verpflichteten.

Die Gehaltszahlungen fanden stets zugunsten von Bankkonten statt, die zwar den Geschleusten gehörten, auf die aber die Beschuldigten Zugriff hatten. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sollen so rund 100 Menschen – vermeintliche Arbeitnehmer und ihre Angehörigen – nach Deutschland geschleust worden sein. Dabei wurden dem Vernehmen nach auch weitere falsche Dokumente vorgelegt, etwa in Bezug auf angeblich vorhandene Sprachkenntnisse.

100 Menschen sollen nach Deutschland geschleust worden sein

Die zwei Beschuldigten aus Husum, eine 52-jÀhrige Frau und ein 67-jÀhriger Mann, organisierten nach der Anwerbung der chinesischen Investoren alle weiteren Schritte bis zum Erhalt der deutschen Niederlassungserlaubnis. 

Der 44-jĂ€hrige Hauptbeschuldigte aus Harrislee verantwortete in dem Unternehmen die Bereiche MitarbeiterfĂŒhrung, Finanzplanung, Investment, Rechnungswesen und BuchfĂŒhrung. So konnte der Schein der BeschĂ€ftigung gewahrt werden, hieß es. Die Beamten konnten bei der Razzia umfangreiche analoge und digitale Beweismittel sowie grĂ¶ĂŸere Mengen an Bargeld sicherstellen. Zudem konnten Vermögensarreste in Höhe von mehr als fĂŒnf Millionen Euro vollstreckt werden.

In Nordrhein-Westfalen gibt es seit lĂ€ngerem Ermittlungen gegen eine Schleuserbande. Sie soll vermögenden Chinesen und reichen Menschen aus dem Oman Aufenthaltserlaubnisse fĂŒr Deutschland beschafft haben. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass Schleuser AmtstrĂ€ger in Behörden bestochen haben könnten, um fĂŒr ihre auslĂ€ndischen Klienten gegen sechsstellige BetrĂ€ge die gewĂŒnschte Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Auf eine etwaige Beteiligung von AmtstrĂ€gern an den Schleusungen, mit denen sich das neue Ermittlungsverfahren beschĂ€ftigt, deutet bislang nichts hin.

@ dpa.de