«PalÀstina-Kongress» endet: Berliner Polizei im Einsatz
13.04.2024 - 00:24:54 | dpa.de
Nach der Auflösung eines umstrittenen, fĂŒr drei Tage geplanten «PalĂ€stina-Kongress» in Berlin rechnet die Polizei an diesem Wochenende mit spontanen Protestveranstaltungen. EinsatzkrĂ€fte werden weiterhin am Veranstaltungsort in Tempelhof bleiben, wie eine Polizeisprecherin sagte. Auch im Stadtgebiet seien zahlreiche Polizistinnen und Polizisten in dem Kontext unterwegs und beobachteten die Lage, so die Sprecherin. UrsprĂŒnglich sollten rund 900 Beamte den zweiten Kongresstag am Samstag begleiten. «Mit welchem KrĂ€fteeinsatz wir nun am Samstag unterwegs sind, hĂ€ngt von der Situation ab», erklĂ€rte sie. ZunĂ€chst war unklar, ob die Veranstalter juristisch gegen die Auflösung vorgehen.Â
Die Polizei hatte die Veranstaltung am Freitag rund zwei Stunden nach Beginn aufgelöst. Die bis zu 250 Kongressteilnehmern wurden am frĂŒhen Abend aufgefordert, den Saal zu verlassen. Als Grund nannte die Versammlungsbehörde eine per Video ĂŒbertragene Rede eines Mannes, fĂŒr den in Deutschland wegen Hasstiraden gegen Israel und gegen Juden ein politisches BetĂ€tigungsverbot gilt. Als der Mann sprach, schritt die Polizei mit etlichen Beamten ein, kappte die Ăbertragung und schaltete den Strom zeitweise ab.Â
Nach Angaben einer Polizeisprecherin sah die Behörde die Gefahr, «dass solche antisemitischen, gewaltverherrlichenden und den Holocaust verleugnenden RedebeitrĂ€ge sich bei der Veranstaltung wiederholen könnten». Die Entscheidung gilt demnach nicht nur fĂŒr den Freitag, sondern auch fĂŒr Samstag und Sonntag.  Â
Reaktionen der Teilnehmer des Treffens
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens reagierten auf die offizielle Beendigung durch die Polizei mit lautstarken Unmutsbekundungen. Sie skandierten unter anderem «schĂ€mt euch» auf Englisch. SchlieĂlich verlieĂen sie nach und nach den Saal, teils begleitet von Polizisten. Ein Sprecher des Polizei-Lagezentrums sagte am spĂ€ten Abend, dass es danach keine weiteren Proteste mehr gegeben habe, die Lage sei ruhig.Â
Bundesinnenministerin Nancy Faeser lobte den Einsatz der Polizei auf der Plattform X, vormals Twitter. «Es ist richtig und notwendig, dass die Berliner Polizei hart durchgreift beim sogenannten PalĂ€stina-Kongress. Wir dulden keine islamistische Propaganda und keinen Hass gegen JĂŒdinnen und Juden», schrieb sie. Auch die Gewerkschaft der Polizei nannte das Durchgreifen der Beamten «starkes Zeichen in Richtung derer, die unsere Demokratie ausnutzen oder an der Durchsetzungskraft der Hauptstadtpolizei zweifeln».  «Wer unsere demokratischen Möglichkeiten nutzen möchte, der muss sich auch an Auflagen und Gesetze halten», sagte Landeschef Stephan Weh laut Mitteilung.Â
Aufruf von Initiativen und Aufgebot der Polizei
Zu dem internationalen Treffen unter dem Motto «Wir klagen an» hatten diverse propalĂ€stinensische Gruppen und Initiativen eingeladen. Darunter sind vor allem solche, die nach EinschĂ€tzung von Sicherheitsbehörden und Berliner Innenverwaltung dem israelfeindlichen «Boykott-Spektrum» zuzurechnen seien. Die Organisatoren hatten den Kongress schon vor lĂ€ngerer Zeit angekĂŒndigt, den genauen Ort aber lange geheim gehalten und erst am Freitag mitgeteilt.Â
Die Polizei war mit einem massiven Aufgebot vor Ort und verfolgte die als öffentliche Versammlung gewertete Veranstaltung zum Teil auch direkt im Saal. Politik und Polizei hatten vor Beginn des Treffens ein konsequentes Eingreifen angekĂŒndigt, sollte es zu antisemitischen ĂuĂerungen oder Straftaten kommen. Schon im Vorfeld hatte es Proteste gegen die Veranstaltung gegeben, unter anderem des Zentralrats der Juden. Am Freitag selbst gab es einige Protestaktionen in der Stadt gegen den Kongress.  Â
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