Anschlag, Sachsen-Anhalt

Todesfahrer von Magdeburg spricht - aber kaum zur Tat

11.11.2025 - 13:10:55

Die Betroffenen des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt erhoffen sich im Prozess Antworten. Der Angeklagte spricht stundenlang - doch wenig von der Todesfahrt.

  • Das temporĂ€re GerichtsgebĂ€ude des Landgerichtes Magdeburg. - Foto: Jan Woitas/dpa

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  • Der Angeklagte Taleb al-Abdulmohsen sitzt zu Beginn des zweiten Prozesstages in einem kugelsicheren Glaskasten. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

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  • Der Konvoi mit Taleb al-Abdulmohsen fĂ€hrt vor das temporĂ€re GerichtsgebĂ€ude in Magdeburg. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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  • Der AttentĂ€ter vom Magdeburger Weihnachtsmarkt kommt am temporĂ€ren GerichtsgebĂ€udes an. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

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Das temporÀre GerichtsgebÀude des Landgerichtes Magdeburg. - Foto: Jan Woitas/dpaDer Angeklagte Taleb al-Abdulmohsen sitzt zu Beginn des zweiten Prozesstages in einem kugelsicheren Glaskasten. - Foto: Hendrik Schmidt/dpaDer Konvoi mit Taleb al-Abdulmohsen fÀhrt vor das temporÀre GerichtsgebÀude in Magdeburg. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpaDer AttentÀter vom Magdeburger Weihnachtsmarkt kommt am temporÀren GerichtsgebÀudes an. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Der Todesfahrer von Magdeburg hat versucht, den zweiten Prozesstag zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt zur Selbstdarstellung zu nutzen. Dabei setzte der Angeklagte Taleb al-Abdulmohsen seine Aussage fort, ohne wirklich auf den Anschlag am 20. Dezember 2024 mit sechs Toten und ĂŒber 300 Verletzten einzugehen. Die Anklage wirft dem Mann aus Saudi-Arabien unter anderem vollendeten Mord in sechs FĂ€llen und versuchten Mord an weiteren 338 Menschen vor.

Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg ermahnte den 51-JĂ€hrigen zu Beginn, zum Geschehen und der Vorgeschichte auszusagen - statt in politische Äußerungen abzuschweifen. Zudem warnte er den Angeklagten, einen zur VerfĂŒgung gestellten Laptop wĂ€hrend der Verhandlung zu nutzen, um politische Aufrufe zu formulieren. 

Am ersten Prozesstag hatte al-Abdulmohsen diesen hochgehalten und «Sept. 2026» war zu lesen. «Da ist die nÀchste politische Wahl in Sachsen-Anhalt», erklÀrte der Angeklagte, der als Islamkritiker bekannt ist. Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewÀhlt. 

Angeklagter kĂŒndigt Hungerstreik an

Unbeeindruckt zeigte sich das Gericht zunĂ€chst von der AnkĂŒndigung des Angeklagten, erneut Nahrung zu verweigern. «Sie haben es nicht in der Hand, durch Hunger- oder Durststreik die Verhandlung zu verzögern oder zu torpedieren», betonte Richter Sternberg. Da die Anklage verlesen sei und al-Abdulmohsen Gelegenheit hatte auszusagen, könne die Verhandlung auch ohne ihn fortgesetzt werden, erklĂ€rte Sternberg. 

Der Todesfahrer sagte vor Gericht: «Jetzt mache ich den Hungerstreik seit gestern. Ich will das drei Wochen machen. Man erwartet keine körperlichen SchÀden.» 

Am Montag hatte der 51-JĂ€hrige zugegeben, am Steuer gesessen zu haben. «Ich bin derjenige, der das Auto gefahren hat», sagte al-Abdulmohsen. Weitere konkrete Angaben machte er nicht, auch von Reue war keine Rede. Stattdessen kĂŒndigte er zuvor an, sich «stundenlang, vielleicht tagelang» Ă€ußern zu wollen. 

Gutachter verfolgt Aussage

Dabei wird der Angeklagte, der selbst als Psychiater im Maßregelvollzug Bernburg psychisch erkrankte StraftĂ€ter behandelte, von einem psychiatrischen Gutachter beobachtet. Er wird an vielen Verhandlungstagen dabei sein und soll sich ein Bild von al-Abdulmohsen machen, der GesprĂ€che mit dem SachverstĂ€ndigen bislang verweigerte. 

Dabei geht es vor allem um die SchuldfÀhigkeit des Angeklagten zum Tatzeitpunkt. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung auch eine lebenslange Sicherungsverwahrung. 

Von Galileo Galilei, Hawking und Einstein

Teils wirren Äußerungen am ersten Prozesstag folgten bei der Fortsetzung vergleichbare Aussagen zu vermeintlichen Vertuschungsaktionen von Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften in Deutschland sowie Korruption. 

Der Angeklagte erwĂ€hnte Forscher wie Galileo Galilei, Stephen Hawking, Albert Einstein, schimpfte ĂŒber deutsche Behörden und mangelnde Hilfe fĂŒr saudische Frauen. Er habe aufklĂ€ren und warnen wollen. Er habe Strafanzeigen gestellt und sei aber nicht gehört worden. Stattdessen wurde er selbst angezeigt, etwa weil er den Notruf 112 missbrauchte. 

Al-Abdulmohsen hatte sehr viel Kontakt zu verschiedenen Behörden und wurde als sogenannter Vielschreiber eingestuft, wie der parlamentarische Untersuchungsausschuss im Landtag herausgearbeitet hat.

Inmitten der oft zusammenhanglos wirkenden Aussagen sagte der 51-JÀhrige SÀtze wie: «HÀtte man uns verstanden, hÀtte ich niemanden getötet und niemanden verletzt». Als der Todesfahrer das Wort direkt an die Eltern eines getöteten neunjÀhrigen Jungen richten wollte, schritt Richter Sternberg ein. 

Weniger NebenklÀger vor Ort

Betroffene, die die Verhandlung persönlich verfolgten, wirkten angespannt. Rund 180 NebenklĂ€gerinnen und NebenklĂ€ger sind im Verfahren vertreten. Am zweiten Tag kamen etwa 30 Menschen - weniger als zum Prozessauftakt. Die Zuschauerreihen mit 100 PlĂ€tzen waren jedoch besser gefĂŒllt. 

Der Angeklagte wurde auch am zweiten Prozesstag mit einem Hubschrauber von der Haftanstalt Burg nach Magdeburg und dann in den temporÀren Gerichtssaal gebracht. Der Prozess lÀuft unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Das Landgericht Magdeburg hat bislang knapp 50 Verhandlungstage bis zum 12. MÀrz 2026 geplant. 

Streit um diesjÀhrigen Weihnachtsmarkt

Unterdessen gibt es Streit um den diesjĂ€hrigen Magdeburger Weihnachtsmarkt. OberbĂŒrgermeisterin Simone Borris (parteilos) teilte am Montagabend ĂŒberraschend mit, dass es vorerst keine Genehmigung fĂŒr den Weihnachtsmarkt geben werde. 

Hintergrund sei ein Schreiben des Landesverwaltungsamtes, in dem es Kritik am aktuellen Sicherheitskonzept gebe. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, werden unter anderem gravierende MĂ€ngel am Zufahrtsschutz und an der Organisation des Sicherheitspersonals genannt.

@ dpa.de