Todesfahrer von Magdeburg spricht - aber kaum zur Tat
11.11.2025 - 13:10:55Der Todesfahrer von Magdeburg hat versucht, den zweiten Prozesstag zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt zur Selbstdarstellung zu nutzen. Dabei setzte der Angeklagte Taleb al-Abdulmohsen seine Aussage fort, ohne wirklich auf den Anschlag am 20. Dezember 2024 mit sechs Toten und ĂŒber 300 Verletzten einzugehen. Die Anklage wirft dem Mann aus Saudi-Arabien unter anderem vollendeten Mord in sechs FĂ€llen und versuchten Mord an weiteren 338 Menschen vor.
Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg ermahnte den 51-JĂ€hrigen zu Beginn, zum Geschehen und der Vorgeschichte auszusagen - statt in politische ĂuĂerungen abzuschweifen. Zudem warnte er den Angeklagten, einen zur VerfĂŒgung gestellten Laptop wĂ€hrend der Verhandlung zu nutzen, um politische Aufrufe zu formulieren.Â
Am ersten Prozesstag hatte al-Abdulmohsen diesen hochgehalten und «Sept. 2026» war zu lesen. «Da ist die nĂ€chste politische Wahl in Sachsen-Anhalt», erklĂ€rte der Angeklagte, der als Islamkritiker bekannt ist. Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewĂ€hlt.Â
Angeklagter kĂŒndigt Hungerstreik an
Unbeeindruckt zeigte sich das Gericht zunĂ€chst von der AnkĂŒndigung des Angeklagten, erneut Nahrung zu verweigern. «Sie haben es nicht in der Hand, durch Hunger- oder Durststreik die Verhandlung zu verzögern oder zu torpedieren», betonte Richter Sternberg. Da die Anklage verlesen sei und al-Abdulmohsen Gelegenheit hatte auszusagen, könne die Verhandlung auch ohne ihn fortgesetzt werden, erklĂ€rte Sternberg.Â
Der Todesfahrer sagte vor Gericht: «Jetzt mache ich den Hungerstreik seit gestern. Ich will das drei Wochen machen. Man erwartet keine körperlichen SchĂ€den.»Â
Am Montag hatte der 51-JĂ€hrige zugegeben, am Steuer gesessen zu haben. «Ich bin derjenige, der das Auto gefahren hat», sagte al-Abdulmohsen. Weitere konkrete Angaben machte er nicht, auch von Reue war keine Rede. Stattdessen kĂŒndigte er zuvor an, sich «stundenlang, vielleicht tagelang» Ă€uĂern zu wollen.Â
Gutachter verfolgt Aussage
Dabei wird der Angeklagte, der selbst als Psychiater im MaĂregelvollzug Bernburg psychisch erkrankte StraftĂ€ter behandelte, von einem psychiatrischen Gutachter beobachtet. Er wird an vielen Verhandlungstagen dabei sein und soll sich ein Bild von al-Abdulmohsen machen, der GesprĂ€che mit dem SachverstĂ€ndigen bislang verweigerte.Â
Dabei geht es vor allem um die SchuldfĂ€higkeit des Angeklagten zum Tatzeitpunkt. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung auch eine lebenslange Sicherungsverwahrung.Â
Von Galileo Galilei, Hawking und Einstein
Teils wirren ĂuĂerungen am ersten Prozesstag folgten bei der Fortsetzung vergleichbare Aussagen zu vermeintlichen Vertuschungsaktionen von Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften in Deutschland sowie Korruption.Â
Der Angeklagte erwĂ€hnte Forscher wie Galileo Galilei, Stephen Hawking, Albert Einstein, schimpfte ĂŒber deutsche Behörden und mangelnde Hilfe fĂŒr saudische Frauen. Er habe aufklĂ€ren und warnen wollen. Er habe Strafanzeigen gestellt und sei aber nicht gehört worden. Stattdessen wurde er selbst angezeigt, etwa weil er den Notruf 112 missbrauchte.Â
Al-Abdulmohsen hatte sehr viel Kontakt zu verschiedenen Behörden und wurde als sogenannter Vielschreiber eingestuft, wie der parlamentarische Untersuchungsausschuss im Landtag herausgearbeitet hat.
Inmitten der oft zusammenhanglos wirkenden Aussagen sagte der 51-JĂ€hrige SĂ€tze wie: «HĂ€tte man uns verstanden, hĂ€tte ich niemanden getötet und niemanden verletzt». Als der Todesfahrer das Wort direkt an die Eltern eines getöteten neunjĂ€hrigen Jungen richten wollte, schritt Richter Sternberg ein.Â
Weniger NebenklÀger vor Ort
Betroffene, die die Verhandlung persönlich verfolgten, wirkten angespannt. Rund 180 NebenklĂ€gerinnen und NebenklĂ€ger sind im Verfahren vertreten. Am zweiten Tag kamen etwa 30 Menschen - weniger als zum Prozessauftakt. Die Zuschauerreihen mit 100 PlĂ€tzen waren jedoch besser gefĂŒllt.Â
Der Angeklagte wurde auch am zweiten Prozesstag mit einem Hubschrauber von der Haftanstalt Burg nach Magdeburg und dann in den temporĂ€ren Gerichtssaal gebracht. Der Prozess lĂ€uft unter starken Sicherheitsvorkehrungen. Das Landgericht Magdeburg hat bislang knapp 50 Verhandlungstage bis zum 12. MĂ€rz 2026 geplant.Â
Streit um diesjÀhrigen Weihnachtsmarkt
Unterdessen gibt es Streit um den diesjĂ€hrigen Magdeburger Weihnachtsmarkt. OberbĂŒrgermeisterin Simone Borris (parteilos) teilte am Montagabend ĂŒberraschend mit, dass es vorerst keine Genehmigung fĂŒr den Weihnachtsmarkt geben werde.Â
Hintergrund sei ein Schreiben des Landesverwaltungsamtes, in dem es Kritik am aktuellen Sicherheitskonzept gebe. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, werden unter anderem gravierende MĂ€ngel am Zufahrtsschutz und an der Organisation des Sicherheitspersonals genannt.









