Kritik an UN-Posten fĂŒr Baerbock â Heusgen: «Auslaufmodell»
19.03.2025 - 20:48:41 | dpa.deDie scheidende Bundesregierung hat die Nominierung von AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) fĂŒr den Vorsitz der UN-Generalversammlung gegen scharfe Kritik verteidigt. Baerbock sei «hoch qualifiziert fĂŒr diesen Job» und hoch anerkannt, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin. Daher habe sich das Kabinett «auch im Einvernehmen mit der kĂŒnftigen potenziellen Bundesregierung darauf verstĂ€ndigt, Frau Baerbock zu nominieren».Â
Der frĂŒhere Vorsitzende der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, hatte die Personalie scharf kritisiert. «Es ist eine UnverschĂ€mtheit, die beste und international erfahrenste deutsche Diplomatin durch ein Auslaufmodell zu ersetzen», sagte Heusgen dem «Tagesspiegel». Der «Rheinischen Post» sagte er, die Nominierung werfe ein schlechtes Licht auf die deutsche AuĂenpolitik.
UrsprĂŒnglich war die deutsche Top-Diplomatin Helga Schmid fĂŒr das Amt vorgesehen. Nun soll die Position aber politisch besetzt und Baerbock als deutsche Kandidatin fĂŒr die Sitzungsperiode 2025/26 benannt werden. Ein entsprechender Kabinettsbeschluss im Umlaufverfahren ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen auf den Weg gebracht.Â
Heusgen: Baerbock ist «polarisierende Politikerin»Â
Heusgen kommentierte Baerbocks Wechsel nach New York mit der Bemerkung «Aktion Abendrot» und hob die Leistungen Schmids hervor. «Helga Schmid war BĂŒroleiterin von Joschka Fischer, GeneralsekretĂ€rin des EuropĂ€ischen AuswĂ€rtigen Dienstes, die das Iranische Nuklearabkommen verhandelt hat und dann GeneralsekretĂ€rin der OSZE, die sie vor dem Auseinanderfallen geschĂŒtzt hat», so der frĂŒhere Diplomat im «Tagesspiegel». «Ist das feministische AuĂenpolitik?»
In der «Rheinischen Post» bezeichnete er Baerbock als «polarisierende Politikerin, die sich mehr durch markige PresseerklÀrungen profiliert hat als durch hartnÀckige KÀrrnerarbeit».
Ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts sagte dagegen in Berlin, die Kandidatur auf hoher politischer Ebene unterstreiche Deutschlands Bekenntnis zu den Vereinten Nationen und die Bereitschaft, in schwierigen Zeiten besondere Verantwortung fĂŒr dieses multilaterale System zu ĂŒbernehmen.Â
Der Sprecher des AuĂenministeriums hob hervor, dass Schmid eine hoch qualifizierte und angesehene Diplomatin sei. Sie solle als stellvertretende PrĂ€sidentin des Stiftungsrats der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz gemeinsam mit dessen PrĂ€sident Wolfgang Ischinger vorerst die operativen GeschĂ€fte fĂŒhren - bis der kĂŒnftige Konferenz-Vorsitzende, Ex-Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg, seinen Posten antreten könne. Schmid leitet seit Dezember 2024 auch ein Fachforum der Sicherheitskonferenz zu Nahost («Middle East Consultation Group»).
UnterstĂŒtzung bekam Baerbock von der GrĂŒnen-Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge. «Gerade in dieser Zeit, in der auĂenpolitisch so viel auf dem Spiel steht, sollte man die StĂ€rkste dann auch schicken», sagte sie im «Spiegel»-«SpitzengesprĂ€ch». Sie griff zudem Heusgen fĂŒr Fehler aus der Vergangenheit an: «Herr Heusgen ist ja derjenige, der die Russlandpolitik der vergangenen CDU-Regierung beraten hat und sehr, sehr viele Fehler mit Blick auf eine naive Russlandpolitik zu verantworten hat.»
Baerbock soll Posten im September antreten
Baerbock soll im Juni gewÀhlt werden und im September ihre einjÀhrige Amtszeit antreten. Ihre Wahl gilt nach internen Absprachen bei den Vereinten Nationen als Formsache.
Die scheidende AuĂenministerin hatte Anfang MĂ€rz mitgeteilt, dass sie aus persönlichen GrĂŒnden keine FĂŒhrungsrolle in der kĂŒnftigen GrĂŒnen-Bundestagsfraktion einnehmen werde. Sie war zuvor als neue Co-Fraktionschefin gehandelt worden. «Nach Jahren auf Highspeed» habe sie ein paar Tage nachdenken wollen, «was dieser Moment fĂŒr meine Familie und mich bedeutet», schrieb die Mutter zweier minderjĂ€hriger MĂ€dchen damals an die GrĂŒnen-Bundestagsfraktion und ihren GrĂŒnen-Landesverband Brandenburg.
Baerbock hatte ihre Partei 2021 als erste Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf gefĂŒhrt. Im November hatten Baerbock und ihr Ehemann Daniel Holefleisch ihre Trennung bekanntgegeben.
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