Bafög, Studienfinanzierung

Bafög: Bundesregierung erwartet 2027 nur noch 278.000 Geförderte

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Bundesregierung erwartet 2027 einen weiteren Rückgang der Zahl der Bafög-Geförderten, trotz einer jüngsten Reform. Damit verschärft sich die Debatte um die soziale Durchlässigkeit des Hochschulzugangs und die Sicherung von Fachkräften.

Bafög-Abwärtstrend hält an - 2027 nur 278.000 Geförderte erwartet
Studenten in einer Bibliothek (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Zahl der Bafög-Empfänger soll nach Einschätzung des Bundesforschungsministeriums im kommenden Jahr erneut sinken. Für das Jahr 2027 rechnet das Ressort von Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) im Jahresschnitt nur noch mit 278.000 Studierenden, die eine Bafög-Förderung erhalten.

Ministerium stützt Prognose auf Fraunhofer-Berechnungen

Die Zahlen gehen aus Antworten des Ministeriums auf Fragen der Grünen-Bundestagsabgeordneten Paula Piechotta hervor, über die die „Rheinische Post“ berichtet. Grundlage der erwarteten Entwicklung sind Prognosen des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT), das die künftige Zahl der Geförderten auf Basis verschiedener Annahmen zur Studienbeteiligung und Anspruchsvoraussetzungen modelliert.

Ohne die jüngste Bafög-Novelle läge die erwartete Zahl der Geförderten nach Angaben des Ministeriums 2027 nur bei 256.000 Studierenden. Die Reform führt demnach dazu, dass einige zusätzliche Studierende die Förderung erhalten, ändert aber nichts daran, dass die Gesamtzahl deutlich unter früheren Werten bleibt.

Fortsetzung eines langfristigen Abwärtstrends

Nach den Angaben des Ministeriums setzte der Rückgang bereits in den vergangenen Jahren ein. 2025 lag die durchschnittliche Zahl der Geförderten noch bei knapp 300.000, 2024 sogar bei über 326.000 Studierenden. Auch im Jahr 2003, dem ersten vollen Wirkungsjahr einer damaligen Bafög-Reform, wurden 325.000 Studierende unterstützt, obwohl die Gesamtzahl der Studierenden bundesweit deutlich niedriger war als heute.

Für das laufende Jahr 2026 liegt die endgültige Zahl der Geförderten noch nicht vor. Klar ist aber, dass die nun veröffentlichten Prognosen für 2027 den Trend sinkender Empfängerzahlen fortschreiben. Bafög bleibt damit zwar ein wichtiges Instrument der Studienfinanzierung, erreicht aber längst nicht mehr so viele Studierende wie früher.

Kritik der Grünen an fehlendem Fokus auf Bildungsaufstieg

Paula Piechotta betont in ihren Fragen und Stellungnahmen die Bedeutung einer starken Bildungsförderung für Forschung und Wirtschaft. Kluge Forschungsförderung bringe Erkenntnis und Innovationen, doch dafür müssten auch genügend kluge Menschen vorhanden sein, die entsprechende Qualifikationen erwerben.

Nach ihren Worten müsse die Förderung von Bildungsaufstieg bei Ministerin Dorothee Bär endlich zum Schwerpunkt und „Herzensthema“ werden. Nur dann könne das Land ausreichend Fachkräfte für ambitionierte Projekte wie Mondmissionen oder den Erwerb von Technologieführerschaften hervorbringen.

Appell für verlässliche Studienfinanzierung in schwierigen Zeiten

Piechotta verweist darauf, dass gerade in wirtschaftlich angespannten Phasen viele junge Menschen vor der Entscheidung stehen, ob sie sich ein Studium leisten können. Das Bafög müsse so ausgestaltet sein, dass ein Hochschulbesuch nicht am Geld scheitere. Eine verlässliche Unterstützung sei aus ihrer Sicht Voraussetzung dafür, dass talentierte Jugendliche unabhängig von der finanziellen Lage ihrer Eltern studieren und später als Fachkräfte zur Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beitragen.

Das erwartete weitere Sinken der Zahl der Bafög-Geförderten reiht sich in einen langjährigen Trend ein, bei dem immer weniger Studierende staatliche Unterstützung erhalten. Jahrzehntelang galt das Bafög als zentrales Instrument, um Jugendlichen aus nicht wohlhabenden Familien den Zugang zur Hochschule zu ermöglichen. Der nun absehbare Rückgang auf 278.000 Geförderte im Jahr 2027 wirft die Frage auf, ob das Instrument seine ursprüngliche Breitenwirkung noch entfaltet.

Strukturelle Ursachen des Rückgangs

Zu den Gründen für die schrumpfende Zahl der Bafög-Beziehenden gehören typischerweise die Einkommensentwicklung in den Familien, steigende Lebenshaltungskosten sowie Veränderungen der Fördergrenzen und Bedarfssätze. Wenn Mieten und Ausgaben für den Lebensunterhalt schneller steigen als die Förderbeträge, verliert die Unterstützung real an Wert. Gleichzeitig kann eine zu niedrig angesetzte Einkommensgrenze dazu führen, dass viele Studierende formal keinen Anspruch haben, obwohl ihre Familien das Studium nur schwer finanzieren können.

Hinzu kommt, dass politische Reformen der vergangenen Jahre zwar teils höhere Fördersätze gebracht haben, aber nicht grundsätzlich dafür gesorgt haben, dass deutlich mehr Studierende anspruchsberechtigt werden. Die nun angeführte Bafög-Novelle erhöht laut Ministerium die Zahl der Geförderten im Vergleich zur Situation ohne Reform, kann den grundsätzlichen Abwärtstrend aber offenbar nicht brechen.

Bedeutung für Fachkräftesicherung und Innovation

Die Kritik der Grünen-Abgeordneten Paula Piechotta verweist auf die Verbindung zwischen Bildungszugang und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit. Für stark forschungs- und technologieorientierte Branchen sind Hochschulabsolventen und wissenschaftlich qualifizierte Fachkräfte entscheidend. Wenn weniger Studierende durch Bafög abgesichert sind, kann dies dazu beitragen, dass junge Menschen angesichts unsicherer finanzieller Perspektiven gegen ein Studium oder für einen weniger kostenintensiven Bildungsweg entscheiden.

Für Leserinnen und Leser bedeutet die Entwicklung, dass die finanzielle Planung eines Studiums noch sorgfältiger geprüft werden muss. Zugleich wächst der Druck auf Politik und Verwaltung, das Fördersystem so weiterzuentwickeln, dass es steigende Kosten angemessen abfedert und Bildungsaufstiege breiter unterstützt. Die Debatte um die künftige Ausrichtung des Bafög wird damit zu einem zentralen Thema der Fachkräftepolitik.

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