Kirchen, Merz

Kirchen warnen Merz vor Schaden fĂŒr die Demokratie

29.01.2025 - 10:20:20

Die C-Parteien machen Druck fĂŒr eine hĂ€rtere Migrationspolitik. Kurz vor wichtigen Abstimmungen im Bundestag stellen sich die Kirchen gegen den Kurs des Unionskanzlerkandidaten.

Die beiden großen Kirchen warnen Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz mit ungewöhnlich scharfen Worten davor, fĂŒr einen hĂ€rteren Kurs in der Migrationspolitik AfD-Stimmen in Kauf zu nehmen. Die Fraktionen hĂ€tten sich mit der Auflösung der Ampel-Koalition verstĂ€ndigt, keine Abstimmungen herbeizufĂŒhren, in der die Stimmen der AfD ausschlaggebend seien, erklĂ€ren die Berliner Vertreter der katholischen Bischöfe und des Rats der Evangelischen Kirche zu entsprechenden UnionsantrĂ€gen. 

«Wir befĂŒrchten, dass die deutsche Demokratie massiven Schaden nimmt, wenn dieses politische Versprechen aufgegeben wird», schreiben PrĂ€latin Anne Gidion fĂŒr die Evangelische Kirche und PrĂ€lat Karl JĂŒsten fĂŒr die Katholische Kirche an die Abgeordneten. Über die AntrĂ€ge soll am Nachmittag im Bundestag abgestimmt werden, ĂŒber den Entwurf des sogenannten Zustrombegrenzungsgesetzes der Unionsfraktion am Freitag. Alle Unionsvorhaben dĂŒrften im Parlament nur Mehrheiten bekommen, wenn auch die AfD zustimmt. 

Kirchen: VerschĂ€rfungen nicht zielfĂŒhrend

Zeitpunkt und Tonlage der Debatte seien zutiefst befremdlich, kritisieren die Kirchen weiter. «Sie ist dazu geeignet, alle in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten zu diffamieren, Vorurteile zu schĂŒren und trĂ€gt unserer Meinung nach nicht zur Lösung der tatsĂ€chlich bestehenden Fragen bei.» Die vorgeschlagenen VerschĂ€rfungen seien zudem «nicht zielfĂŒhrend, vergleichbare Taten zu verhindern und tragfĂ€hige Antworten auf das öffentliche SicherheitsbedĂŒrfnis zu geben». 

In den AntrĂ€gen wie im Gesetzentwurf seien Punkte enthalten, «die unserer Auffassung nach rechts- bzw. verfassungswidrig sind oder geeignet erscheinen, die Grundpfeiler der EuropĂ€ischen Union zu erschĂŒttern». Als Beispiele fĂŒr einen Verstoß gegen EU-Recht werden die von Merz geplanten dauerhaften Grenzkontrollen und eine Abweisung von Schutzsuchenden an den deutschen Grenzen genannt. «Nationale AlleingĂ€nge zerstören auf Dauer das Fundament der EuropĂ€ischen Union.»

AusfĂŒhrliche Stellungnahme zum Unions-Gesetzentwurf

In einer ausfĂŒhrlicheren gemeinsamen Stellungnahme schreiben die Kirchen, die Union bringe ihren Entwurf zum Zustrombegrenzungsgesetz «im Zuge einer aufgeheizten öffentlichen Debatte ĂŒber die Möglichkeiten der Begrenzung von Fluchtmigration» ein. Mit Blick auf den Anlass fĂŒr die Initiative der Union - eine Reihe tödlicher Attacken, bei denen Migranten unter Tatverdacht stehen, heißt es: «Die beiden großen Kirchen weisen hiermit darauf hin, dass die nun vorgeschlagenen GesetzesĂ€nderungen nach aktuellem Wissensstand keinen der AnschlĂ€ge verhindert hĂ€tten.» 

Die Todesfahrt ĂŒber den Magdeburger Weihnachtsmarkt und der Messerangriff von Aschaffenburg vor einer Woche seien offensichtlich von psychisch Kranken begangen worden. «Die Taten zeigen aus Sicht der Kirchen daher ein Defizit hinsichtlich des Informationsaustausches unterschiedlicher Behörden und einen eklatanten Mangel an adĂ€quater Versorgung psychisch Kranker auf.»

«Familiennachzug rechtlich unerlÀsslich»

Abgelehnt wird besonders das Ziel der Union, den Familiennachzug zu GeflĂŒchteten mit eingeschrĂ€nktem Schutzstatus zu stoppen. «Aus Sicht der beiden Kirchen ist es rechtlich unerlĂ€sslich, den Familiennachzug zu subsidiĂ€r 
Schutzberechtigen unter erfĂŒllbaren Bedingungen zuzulassen, da Art. 6 Abs. 1 GG (Grundgesetz) auch das tatsĂ€chliche Zusammenleben der Familienmitglieder schĂŒtzt und es sich nicht um ein Deutschengrundrecht handelt.» Das Zusammenleben als Familie gehöre zu den sozialen GrundbedĂŒrfnissen. «Dies gilt auch und besonders unter den Bedingungen von Flucht und Vertreibung.»

Die Kirche sehen nach eigenen Worten außerdem einen Widerspruch zwischen dem Ziel der Begrenzung des Zuzugs und der auch gesetzlich angestrebten Erleichterung des Zuzugs von ArbeitskrĂ€ften auf allen Qualifikationsstufen. 

CDU-Vize Prien verteidigt Kurs von Merz

FĂŒr die CDU verteidigte die Vizevorsitzende Karin Prien den Kurs von Merz. Die CDU mĂŒsse nicht «immer eins zu eins mit den Kirchen einer Meinung» sein, sagte sie im Deutschlandfunk. «Wir machen Politik auf Grundlage unseres christlichen Menschenbildes.» Menschen, die Schutz brauchten und die in Not seien, wolle die CDU auch weiter Aufnahme gewĂ€hren. «Aber das, was wir im Moment machen, ist doch ein Asylsystem, was auf europĂ€ischer Ebene, auf deutscher Ebene, auf Verwaltungsebene schlicht nicht funktioniert.» Deshalb sei ein Politikwechsel notwendig.

@ dpa.de