Geld, Haushalt

Weniger Geld aus dem Haushalt fĂŒr die Bahn - Sanierung vor Ausbau

02.02.2024 - 18:43:28

Die Deutsche Bahn bekommt nach dem Chaos um den Bundeshaushalt deutlich weniger Geld als zunÀchst vorgesehen - nun zeichnet sich auch ab, an welcher Stelle der bundeseigene Konzern sparen wird.

Die neue Infrastruktur-Gesellschaft DB InfraGo hat sich laut einem Schreiben an den Aufsichtsrat dazu entschieden, zunĂ€chst vor allem die Sanierung des bestehenden Netzes anzugehen. Zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen wurden dagegen in der PrioritĂ€t zurĂŒckgestellt. Das Schreiben lag der Deutschen Presse-Agentur am Freitag vor. Zuvor hatte der "Spiegel" darĂŒber berichtet.

Infolge eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts musste die Bundesregierung im Haushalt 2024 sowie im Klima- und Transformationsfonds Milliardenlöcher stopfen. Durch die aus dem Urteil "entstandenen Unsicherheiten in der Finanzierung bedurfte es einer kurzfristigen Priorisierung der Infrastrukturmaßnahmen", schrieb der Vorstandsvorsitzende der DB InfraGo, Philipp Nagl, Ende Januar in dem Brief an den Aufsichtsrat. Die DB habe im Einklang mit dem Bundesverkehrsministerium "eine Priorisierungsreihenfolge mit Fokus auf das Bestandsnetz festgelegt."

Demnach sind beispielsweise 773 Millionen Euro fĂŒr einen neuen GĂŒterverkehrs-Korridor von Uelzen nach Halle aktuell nicht abrufbar. Die Ampel-Koalition hatte sich ursprĂŒnglich zum Ziel gesetzt, deutlich mehr GĂŒter auf die Schiene zu verlagern. Ebenfalls nicht abrufbar sind laut dem Schreiben rund 16 Millionen Euro fĂŒr die Digitalisierung der S-Bahn in Hamburg. Laut Planung sollte ein digitales Stellwerk kĂŒnftig die KapazitĂ€t der S-Bahn erhöhen. Auch die Verlegung des Bahnhofs Fangschleuse in Brandenburg steht auf der PrioritĂ€tenliste auf den hinteren PlĂ€tzen. Das Projekt sollte helfen, das Tesla US88160R1014-Werk in GrĂŒnheide besser an den GĂŒterverkehr anzuschließen.

Ein Sprecher des Verkehrsministeriums betonte, dass sich aus der Liste keine Streichungen einzelner Projekte ableiten ließen. "Wir halten grundsĂ€tzlich unverĂ€ndert an unseren Neu- und Ausbauvorhaben fest", betonte auch die Bahn. FĂŒr alle weiteren Projekte besteht angesichts des Schreibens aber zumindest die Gefahr einer großen zeitlichen Verschiebung. "Der Fokus bei der Umsetzung liegt, wie mit dem Bund vereinbart, zunĂ€chst auf der Modernisierung und Erneuerung des Bestandsnetzes und auf den Projekten, die bereits im Bau sind", teilte die Bahn mit.

Kritik kam von Dirk Flege, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Allianz Pro Schiene: "Es darf nicht sein, dass angesichts der Einsparungen im Bundeshaushalt nun Geld bei lĂ€ngst sicher geglaubten Ausbauprojekten fehlt", sagte Flege der dpa. "Die Schieneninfrastruktur braucht verlĂ€ssliche Planungs- und Finanzierungsperspektiven." Flege sprach sich fĂŒr einen mehrjĂ€hrigen Infrastrukturfonds wie in der Schweiz aus.

"Ziele der Bundesregierung wie die Verlagerung des SchienengĂŒterverkehrs oder die Elektrifizierung von Bahnstrecken drohen sich mindestens zu verzögern", warnte der GrĂŒnen-Politiker Matthias Gastel. "Wir mĂŒssen in den nĂ€chsten Monaten klĂ€ren, wie erforderliche Investitionen mit lĂ€ngerfristiger ZuverlĂ€ssigkeit finanziert werden. Sonst wird sich an VerspĂ€tungen, unzureichenden Bahnangeboten und den langen Lkw-Kolonnen auf Autobahnen nichts Ă€ndern."

@ dpa.de