AmtsĂ€rzte fĂŒrchten PersonallĂŒcken in GesundheitsĂ€mtern
11.04.2024 - 01:00:00In vielen StĂ€dten und Gemeinden liefen etliche der neu geschaffenen Stellen schon Ende 2026 wieder aus oder seien von vornherein nur befristet besetzt worden. "Gerade in den kleinen GesundheitsĂ€mtern auf dem Land ist die Gefahr groĂ, dass hier schon bald wieder LĂŒcken entstehen", warnte Böhm. Bund, LĂ€nder und Kommunen mĂŒssen die GesundheitsĂ€mter langfristig stĂ€rken. Bei der Digitalisierung gebe es ebenfalls noch Probleme: Die Ămter arbeiteten etwa immer noch mit FaxgerĂ€ten, was daran liege, dass viele Arztpraxen Patientendaten immer noch per Fax schickten. Es gebe nicht einmal eine einheitliche Software, um die Faxe digital weiterzuverarbeiten. "In diesem Punkt sind wir ĂŒberhaupt noch nicht da, wo wir sein sollten", kritisierte Böhm. Mit Laboren und Kliniken dagegen laufe die DatenĂŒbermittlung inzwischen komplett digital. Böhm forderte darĂŒber hinaus ein neues GrundverstĂ€ndnis ĂŒber den Umgang mit Krisen. "Damit wir fĂŒr kĂŒnftige Pandemien gerĂŒstet sind, mĂŒssen wir deutlich mehr Material und Personal in Reserve haben." Viele Politiker scheuten jedoch die hohen Vorhaltekosten, "aber nur so kann man sich auf einen plötzlichen Krisenfall vorbereiten". Es sei auch gar nicht nötig, immer wieder Material nach Ablauf des Verfallsdatums wegzuwerfen, so die Potsdamer AmtsĂ€rztin, nötig sei vielmehr ein rollierendes System, bei dem das Material rechtzeitig in den Gebrauch komme und die Reserve gleichzeitig neu aufgefĂŒllt werde. Der Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen (GrĂŒne) sieht das Land ebenfalls nicht genĂŒgend auf kĂŒnftige Pandemien vorbereitet. "Wir haben zwar seit der Corona-Pandemie in vielen Bereichen einiges verbessert, aber das reicht noch nicht", sagte Dahmen den Funke-Zeitungen. Bei SchutzausrĂŒstung, Test-Kits oder Arzneimitteln sei Deutschland immer noch zu abhĂ€ngig von globalen Lieferketten. Um besser fĂŒr Krisen gerĂŒstet zu sein, mĂŒssten dringend die Vorratshaltung im Gesundheitswesen angepasst werden. "Die Materialreserven beim GroĂhandel der Apotheken, in den Arztpraxen und KrankenhĂ€usern mĂŒssen auf ein Niveau hochgefahren werden, das auf eine plötzliche weltweite Notlage reagieren kann", forderte Dahmen. Das gleiche gelte fĂŒr die deutschen Produzenten: Sie mĂŒssten in der Lage sein, ihre Produkte weiter herzustellen, auch wenn die Lieferketten durch Kriege und Krisen unterbrochen werden. "Zeitwende im Gesundheitswesen heiĂt auch, dass Deutschland in der Lage sein muss, fĂŒr einige Monate den Bedarf fĂŒr sein Gesundheitswesen aus eigener Kraft zu decken."


