Höhere Sozialabgaben fĂŒr Gutverdiener ab 2026 vorgesehen
06.09.2025 - 16:18:12Menschen mit höheren Einkommen mĂŒssen im kommenden Jahr voraussichtlich mehr Geld an die Sozialversicherungen abfĂŒhren. Konkret geht es um die Anhebung der sogenannten Bemessungsgrenze beim Einkommen, bis zu der SozialbeitrĂ€ge zu entrichten sind. Sie wird jĂ€hrlich an die Lohnentwicklung angepasst. Den entsprechenden Verordnungsentwurf, der die Grenzen fĂŒr 2026 neu festlegt, hat das Bundesarbeitsministerium am Freitag zur Abstimmung an die anderen Ressorts geschickt. Der Entwurf, ĂŒber den zuvor das Portal «Politico» berichtete, liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.Â
Was ist fĂŒr die einzelnen Versicherungsarten vorgesehen?
- In der allgemeinen Rentenversicherung soll die Beitragsbemessungsgrenze dem Entwurf zufolge von derzeit 8.050 Euro im Monat ab dem 1. Januar auf 8.450 Euro steigen.
- In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) soll die Beitragsbemessungsgrenze demnach ebenfalls steigen - von monatlich 5.512,50 Euro in diesem Jahr auf 5.812,50 Euro im kommenden Jahr.
- Die Versicherungspflichtgrenze, also die Grenze, bis zu der Arbeitnehmer in der Regel gesetzlich krankenversichert sein mĂŒssen, soll gemÀà der Planungen 2026 von aktuell 6.150 Euro Bruttomonatseinkommen auf dann 6.450 Euro angehoben werden.Â
Was die Beitragsbemessungsgrenze ist
Die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung ist der Höchstbetrag des Bruttoeinkommens, bis zu dem BeitrĂ€ge zum gesetzlichen System der Alterssicherung, zu dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber beitragen, erhoben werden. Einkommen oberhalb dieser Grenze wird nicht fĂŒr die Berechnung der RentenversicherungsbeitrĂ€ge herangezogen. Um die maĂgebenden Werte der RechengröĂen der Sozialversicherung zu bestimmen, betrachtet man die Entwicklung der Löhne und GehĂ€lter.Â
Weitreichendere politische Forderungen
Der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis hatte im Juni in einem Interview vorgeschlagen, dass Gutverdiener mehr in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Konkret plĂ€dierte er fĂŒr eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze um rund 2.500 Euro, um die angespannte Finanzlage der Versicherungen zu stabilisieren. Der gesundheitspolitische Sprecher der GrĂŒnen, Janosch Dahmen, plĂ€dierte neben Strukturreformen ebenfalls fĂŒr eine Anhebung «stufenweise auf das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung».
Arbeitnehmer endlich entlasten
«Entscheidend ist am Ende doch, was auf dem Lohnzettel ĂŒbrig bleibt», sagte der PrĂ€sident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, nun «Bild» und dpa. «Statt immer nur Grenzen hochzuschrauben, braucht es endlich Einsparungen bei den Sozialleistungen.»
Mit Blick auf den fĂŒr 2026 vorgesehenen Anstieg der Beitragsbemessungsgrenze vollziehe die Bundesregierung die Lohnentwicklung nach und habe «in der Sache wenig Gestaltungsspielraum», sagte dagegen Dennis Radtke (CDU), Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Deutschlands, dem «Tagesspiegel». Er fĂŒgte jedoch hinzu: «Das Dilemma ist: Parallel zur Anhebung der Bemessungsgrenze zeichnet sich die Erhöhung der ZusatzbeitrĂ€ge in der GKV ab.» Somit wĂŒrden viele BeschĂ€ftigte gleich doppelt getroffen statt endlich entlastet. Der Europaabgeordnete sagte der Zeitung: «Viele haben einfach die Nase voll, weil sie trotz harter Arbeit kaum noch vom Fleck kommen.»
ZusatzbeitrÀge stiegen zu Jahresbeginn
Anfang dieses Jahres waren die ZusatzbeitrĂ€ge im Schnitt auf 2,9 Prozent gestiegen. Jeweils im Herbst ermittelt ein SchĂ€tzerkreis einen Orientierungswert fĂŒr den durchschnittlichen Zusatzbeitrag im Folgejahr. Den konkreten Zusatzbeitrag legt dann jede Kasse nach ihrer Finanzsituation fĂŒr ihre Versicherten fest.Â
Zum Gesamtbeitrag fĂŒr die Krankenversicherung, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, gehört daneben der allgemeine Satz von einheitlich 14,6 Prozent des Bruttolohns. Die Leistungsausgaben der rund 90 Krankenkassen waren im ersten Halbjahr um 7,95 Prozent auf 166,1 Milliarden Euro gestiegen, wie aus Kennzahlen des GKV-Spitzenverbands hervorgeht.







