Branchenvertreter: Halbleiter-Ziel der EU ist 'utopisch'
30.08.2025 - 09:19:53"Das Ziel schaffen wir nicht mehr, wenn wir ehrlich sind", sagte der operative GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Halbleiterelemente-Produzenten Nexperia der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Dort befindet sich ein wichtiger Standort von Nexperia.
Ein Weltmarktanteil der EU von 20 Prozent sei "utopisch", sagte Kempe. Die EU sei davon meilenweit entfernt. In den USA, China, Taiwan und SĂŒdkorea sei zu viel Geld investiert worden, um den RĂŒckstand aufholen zu können.
Zudem sei der Montage-und-Test-Bereich am Ende der Produktionskette aus KostengrĂŒnden nahezu ausschlieĂlich in Asien angesiedelt. "Und ich sehe nicht, dass sich das in naher Zukunft Ă€ndert", sagte Kempe. Nexperia ist mit Werken in China, Malaysia und auf den Philippinen vertreten.
Kempe ist mit Bedenken nicht allein
Im Dezember hatte bereits der Verband der Elektro- und Digitalindustrie gewarnt, das Ziel der EU sei ohne deutlich mehr Förderung nicht zu schaffen. Dem Verband zufolge lag der EU-Marktanteil zu dem Zeitpunkt bei 8,1 Prozent.
Im April Ă€uĂerte dann der EuropĂ€ische Rechnungshof die EinschĂ€tzung, dass die EU das 20-Prozent-Ziel verfehlen werde. Der Rechnungshof begrĂŒndete die EinschĂ€tzung unter anderem mit unzureichenden Investitionen.
Nexperia-Manager lobt heimische Industrie
Trotz der Zweifel am EU-Ziel lobte Kempe die Halbleiter- und Chipindustrie in Deutschland. Diese sei gut aufgestellt. Er verwies unter anderem auf die im Bau befindlichen Fabriken in und bei Dresden. "Im Vergleich zu anderen LĂ€ndern in Europa sind wir mit Sicherheit das Land, dessen Chipindustrie in Europa mit Abstand am fortgeschrittensten ist", sagte Kempe. Die Industrie werde aber global ausgerichtet bleiben.
Die alte Bundesregierung habe fĂŒr die Halbleiterindustrie eine Menge erreicht, sagte Kempe. "Wir sind hoffnungsvoll, dass die neue Regierung diesen Kurs weiterverfolgt."
Nexperia hat seinen Hauptsitz im niederlÀndischen Nimwegen und gehört dem chinesischen Unternehmen Wingtech. Wegen seiner chinesischen Konzernmutter ist Nexperia 2023 von EU-Förderung ausgeschlossen worden.

