EZB geht mit stabilen Leitzinsen in ein unsicheres Jahr
05.02.2026 - 14:54:01Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) tastet die Leitzinsen auch im neuen Jahr zunĂ€chst nicht an. Der fĂŒr Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte.Â
Seit nunmehr fĂŒnf Sitzungen in Folge hat der EZB-Rat die Leitzinsen unverĂ€ndert gelassen. Bis Juni hatte es eine Serie von Senkungen gegeben: Noch im FrĂŒhjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei 4,0 Prozent.
Lagarde: Sind in einer guten Position
«FĂŒr den weiteren Jahresverlauf rechne ich nicht mit gröĂeren ZinsverĂ€nderungen», prognostiziert der Chefvolkswirt des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Andreas Bley. «Wertet der Euro stĂ€rker auf, fĂ€llt die Inflation schneller oder verliert die Konjunktur an Tempo, dĂŒrfte sich die Debatte ĂŒber weitere Zinssenkungen verstĂ€rken.»
EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde bekrĂ€ftigte nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt: «Wir sind in einer guten Lage und die Inflation ist in einer guten Lage.» Die Aufwertung des Euro gegenĂŒber dem Dollar kommentierte die Französin betont gelassen: Der Eurokurs sei seit MĂ€rz 2025 gestiegen, dies sei in den Szenarien der EZB eingepreist.
Das Erstarken des Euro belastet Europas Exporteure, nicht zuletzt deutsche Firmen, da ihre Waren auf den WeltmĂ€rkten teurer werden. Zugleich verbilligt der starke Euro Importe, die in Dollar gehandelt werden. Das dĂ€mpft die Inflation, die 2026 das mittelfristige EZB-Ziel von 2,0 Prozent ohnehin leicht unterschreiten könnte. Lagarde versicherte: «Wir behalten die Wechselkurse stets genau im Auge.» Ein spezielles Wechselkursziel hat die Notenbank nicht.Â
Inflation im Griff
Die EZB hat gute GrĂŒnde abzuwarten. Die Inflation, die nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine 2022 nach oben geschnellt war, ist eingedĂ€mmt. Und der Wirtschaft tun niedrigere Leitzinsen gut: Kredite fĂŒr Firmen und Verbraucher werden tendenziell gĂŒnstiger, was bei gröĂeren Anschaffungen helfen und das Wachstum anschieben kann.Â
Im Januar ging die Teuerungsrate im Euroraum zurĂŒck und erreichte einer ersten Eurostat-SchĂ€tzung zufolge mit 1,7 Prozent den tiefsten Stand seit September 2024. Die EZB strebt stabile Preise fĂŒr den WĂ€hrungsraum bei mittelfristig 2,0 Prozent Inflation an. Die Euro-WĂ€hrungshĂŒter wollen zu stark steigende Preise vermeiden, aber auch dauerhaft sinkende Preise: Rechnen Verbraucher und Unternehmen mit NachlĂ€ssen, könnten sie Anschaffungen verschieben, was die Wirtschaft bremst.
Zudem hĂ€lt sich die Konjunktur in der Eurozone trotz des Zollstreits mit den USA robust, sodass es auch hier vorerst keinen Druck fĂŒr die EZB gibt, die Wirtschaft mit weiteren Zinssenkungen zu stĂŒtzen.Â
Etwas mehr Zinsen fĂŒr Sparer
Von der verlĂ€ngerten Zinspause und gestiegenen Kapitalmarktzinsen profitieren Sparer etwas, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt (Stand 2.2.2026). Demnach stiegen die Zinsen bei Festgeld mit zehn Jahren Laufzeit auf im Schnitt 2,49 Prozent. Das ist ein Viertelprozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim Tagesgeld bekommen Sparer etwas bessere Konditionen. In den ersten Wochen des Jahres seien die Sparzinsen ĂŒber alle Laufzeiten gestiegen.
Das Ratgeberportal «Finanztip» berichtet ebenfalls ĂŒber verbesserte Konditionen fĂŒr Tagesgeld: 2,92 Prozent Zinsen seien im besten Fall fĂŒr die kommenden sechs Monate fĂŒr Sparerinnen und Sparer drin, kurzfristig sogar 3,2 Prozent. Mit solchen Angeboten wollen Anbieter im hart umkĂ€mpften deutschen Markt neue Kundschaft locken. Experten raten jedoch, vor allem darauf zu achten, ob das Geld bei der jeweiligen Bank wirklich sicher ist.
Trumps Politik schwĂ€cht DollarÂ
«Der jĂŒngste RĂŒckgang der Inflation unter zwei Prozent gibt derzeit keinen Anlass zu geldpolitischem Handeln», sagt Florian Heider, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts fĂŒr Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt. Dies sei vor allem auf niedrige Energiepreise zurĂŒckzufĂŒhren, ein Effekt, der sich im Jahresverlauf wohl nicht fortsetzen werde. «Jedoch sollte der starke Euro aufmerksam beobachtet werden», rĂ€t Heider.
Der Euro hatte jĂŒngst zeitweise die Marke von 1,20 Dollar ĂŒbersprungen - erstmals seit 2021. Mit der unberechenbaren Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den FinanzmĂ€rkten gelitten, was den Dollar-Kurs sinken und den Euro aufwerten lĂ€sst.
Manche Notenbanker wie das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin Kocher sehen bei einem weiteren Aufwerten des Euro Handlungsdruck fĂŒr eine Zinssenkung. EZB-VizeprĂ€sident Luis de Guindos hatte einen Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar als kritische Marke dargestellt.













