Fraktionsspitzen, EU-Parlament

Fraktionsspitzen im EU-Parlament einigen sich auf neue EU-Kommission

20.11.2024 - 21:51:35

Die Fraktionsspitzen der konservativen EuropĂ€ische Volkspartei (EVP), der Sozialdemokraten (S&D/SPE) und der Liberalen (Renew/ALDE) im EU-Parlament haben sich am Mittwochabend auf die VorschlĂ€ge von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen (CDU/EVP) fĂŒr die Besetzung der 26 Kommissarsposten geeinigt.

Wenn die Abgeordneten der neuen Kommission formell zustimmen, kann diese am 1. Dezember ihre Arbeit aufnehmen. Von der Leyen plant, dass insgesamt sechs der Kommissare als VizeprĂ€sidenten fungieren soll, darunter auch der Italiener Raffaele Fitto von den postfaschistischen Fratelli d`Italia (EKR). Die Sozialdemokraten hatten mit Verweis auf die Abgrenzung nach rechts ("Cordon sanitaire") Widerstand gegen die Ernennung Fittos angekĂŒndigt.

Daraufhin wollte die EVP-Fraktion die Spanierin Teresa Ribera (SPE) blockieren, die fĂŒr ihren Umgang als Umweltministerin mit der Flutkatastrophe in Valencia in der Kritik steht. Ebenfalls umstritten ist der offiziell parteilose Ungar Oliver VĂĄrhelyi, der als Vertrauter von Victor OrbĂĄn (PfE) gilt. Er hatte 2023 die EU-Parlamentarier als "Idioten" bezeichnet und sich anschließend dafĂŒr entschuldigt. Im Vorfeld der Einigung auf die Annahme aller Nominierten hatte es Überlegungen gegeben, dass die Freigabe erstmals an eine formelle Koalitionsvereinbarung gekoppelt werden könnte. Als Basis fĂŒr die Zusammenarbeit der Fraktionen im EU-Parlament mit der Kommission gelten bislang die politischen Leitlinien der KommissionsprĂ€sidentin. Von der Leyen hatte diese fĂŒr ihre zweite Amtszeit in einem rund 40-seitigen Dokument dargelegt. Sie plant beispielsweise Erleichterungen fĂŒr Unternehmen, eine Senkung des CO2-Ausstoßes um 90 Prozent bis 2040, eine engere VerstĂ€ndigung im Verteidigungsbereich und eine Verdreifachung der Mitarbeiterzahl der EuropĂ€ischen Grenz- und KĂŒstenwache. Von der Leyens Personaltableau sieht vor, dass Teresa Ribera RodrĂ­guez (Spanien, SPE) "VizeprĂ€sidentin fĂŒr einen sauberen, gerechten und wettbewerbsfĂ€higen Übergang" werden soll. Henna Virkkunen (Finnland, EVP) ĂŒbernimmt voraussichtlich das Portfolio als "Exekutiv-VizeprĂ€sidentin fĂŒr technische SouverĂ€nitĂ€t, Sicherheit und Demokratie". StĂ©phane SĂ©journĂ© (Frankreich, ALDE) soll das Amt als "Exekutiv-VizeprĂ€sident fĂŒr Wohlstand und Industriestrategie" erhalten. Hohe Vertreterin fĂŒr Außen- und Sicherheitspolitik und VizeprĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Kommission soll Kaja Kallas (Estland, ALDE) werden. Roxana Minzatu (RumĂ€nien, SPE) soll sich als Exekutiv-VizeprĂ€sidentin um "Menschen, Kompetenzen und Vorsorge" kĂŒmmern. Raffaele Fitto (Italien, EKR) soll Exekutiv-VizeprĂ€sident fĂŒr KohĂ€sionspolitik und Reformen werden. Ihnen will von der Leyen die ĂŒbrigen Kommissare unterordnen: Maros Sefcovic (Slovakei, SPE-nah), Valdis Dombrovskis (Lettland, EVP), Dubravka Suica (Kroatien, EVP), OlivĂ©r VĂĄrhelyi (Ungarn, PfE-nah), Wopke Hoekstra (Niederlande, EVP), Andrius Kubilius (Litauen, EVP), Marta Kos (Slovenien, Renew), Jozef SĂ­kela (Tschechien, EVP), Costas Kadis (Zypern, EVP), Maria LuĂ­s Albuquerque (Portugal, EVP), Hadja Lahbib (Belgien, ALDE), Magnus Brunner (Österreich, EVP), Jessika Roswall (Schweden, EVP), Piotr Serafin (Polen, EVP), Dan Jorgensen (DĂ€nemark, SPE), Ekaterina Zaharieva (Bulgarien, EVP), Michael McGrath (Irland, ALDE), Apostolos Tzitzikostas (Griechenland, EVP), Christophe Hansen (Luxemburg, EVP) und Glenn Micallef (Malta, SPE).

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