AufklÀrung, Steuerbetrug

AufklÀrung von Steuerbetrug: Ermittlerin mahnt Klingbeil zur Eile

04.05.2025 - 14:27:18

Die frĂŒhere OberstaatsanwĂ€ltin Anne Brorhilker hat von der neuen Bundesregierung Tempo im Kampf gegen Steuerbetrug gefordert und zugleich das Vorgehen der Ampel-Regierung kritisiert.

"Der neuen Bundesregierung - und vor allem dem Finanzminister - lĂ€uft die Zeit davon", sagte sie der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung" mit Blick auf Steuerdelikte wie Cum-Cum-Aktiendeals. Neuer Finanzminister im Kabinett des wohl kĂŒnftigen Kanzlers Friedrich Merz (CDU) soll SPD-Chef Lars Klingbeil werden.

FĂŒr Brorhilker ist in den vergangenen vier Jahren im Kampf gegen FinanzkriminalitĂ€t nicht genug passiert. Sie kritisierte zudem das BĂŒrokratieentlastungsgesetz der frĂŒheren Regierung aus SPD, GrĂŒnen und FDP als "katastrophale Fehlentscheidung", weil es eine Senkung der Aufbewahrungsfristen fĂŒr Buchungsbelege und Rechnungen von zehn auf acht Jahre ermögliche.

Brorhilker fĂŒrchtet RĂŒckschlĂ€ge im Kampf gegen SteuerkriminalitĂ€t

Brorhilker sagte: "Die Regelung bringt keine Entlastung fĂŒr ehrliche Unternehmen, erlaubt Banken und anderen Cum-Cum-TĂ€tern aber, wichtige Beweismittel zu vernichten und so SteuerrĂŒckforderungen zu verhindern." Da die VerkĂŒrzung fĂŒr Banken aber erst Anfang 2026 in Kraft trete, bleibe dem Finanzminister noch ein gutes halbes Jahr Zeit, "die AufklĂ€rung in Schwung zu bringen, bis die TĂ€ter ihre Schredder anwerfen dĂŒrfen."

Als OberstaatsanwĂ€ltin in Köln hatte Brorhilker jahrelang selbst in Cum-Ex- und Cum-Cum-FĂ€llen ermittelt, bevor sie den Staatsdienst verließ. Cum-Cum-GeschĂ€fte sind eine Variante der Cum-Ex-Deals, mit denen Banken den Fiskus geschĂ€tzt um einen zweistelligen Milliardenbetrag prellten. WĂ€hrend es bei Cum-Ex um die Erstattung gar nicht gezahlter Steuern ging, generierten Banken bei Cum-Cum-Deals Steuervorteile fĂŒr auslĂ€ndische Inhaber deutscher Aktien.

Brorhilker lobte die designierte Regierung aus Union und SPD fĂŒr ihr "klares Bekenntnis zum Kampf gegen Steuerhinterziehung und fĂŒr wirksamen Steuervollzug" im Koalitionsvertrag, blieb aber insgesamt skeptisch: "Die Frage ist jetzt, wie ernst es der Koalition mit diesen Versprechen ist, und das werden wir sehr schnell sehen."

@ dpa.de