«Jetzt richtig feiern»: Frankreich ist Europameister
28.01.2024 - 20:05:30Frankreichs Handballer sanken auf das Parkett und schlugen unglĂ€ubig die HĂ€nde vor das Gesicht. Dann schnappten sich die neuen Europameister um Star-Spieler Nikola Karabatic Fahnen aus ihrem Fanblock und starteten ihre EM-Party. Von der TribĂŒne hallte es noch «Allez les Bleus», da gönnten sich einige Spieler in der Kabine schon ihr erstes Kölsch.
Europas Handball-Könige kommen erstmals seit zehn Jahren wieder aus Frankreich. Der Olympiasieger setzte sich nach einer Nervenschlacht im EM-Finale am Sonntag gegen Weltmeister DĂ€nemark mit 33:31 (27:27, 14:14) nach VerlĂ€ngerung durch und machte den vierten Triumph bei dem Kontinentalwettbewerb nach 2006, 2010 und 2014 perfekt.Â
«Es ist zehn Jahre her, dass wir den Titel holen konnten. Wir haben die Dinge zurechtgerĂŒckt. Jeder in diesem Team hat seine Rolle gefunden. Es macht unheimlich viel SpaĂ, mit den Jungs zusammenzuspielen», sagte Frankreichs langjĂ€hriger Bundesliga-Profi Kentin MahĂ© in der ARD.
Karabatic erweitert Titel-Sammlung
Bronze ging vor 19 750 Zuschauern in Köln an Titelverteidiger Schweden, der beim 34:31 die deutschen TrĂ€ume vom ersten Edelmetall bei einem groĂen Turnier seit Olympia-Bronze 2016 beendete. Bester Werfer fĂŒr die Ăquipe Tricolore, die nun auch im Sommer Top-Favorit auf die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen im eigenen Land ist, war Ludovic Fabregas mit acht Treffern. Bei den Skandinaviern, die gegen Deutschland im Halbfinale gewonnen hatten, war Mikkel Hansen mit neun Toren am erfolgreichsten.
Frankreich, das in der Vorrunde die DHB-Auswahl geschlagen hatte, blieb als einziges Team im gesamten Turnierverlauf ungeschlagen. FĂŒr den dreimaligen Welthandballer Karabatic ist der Erfolg ein krönender Abschuss auf europĂ€ischer BĂŒhne. Der 39-JĂ€hrige, der im Sommer seine Karriere beenden wird, feierte seinen vierten EM-Titel. Dreimal Olympia-Gold und vier WM-Triumphe komplettieren seine TrophĂ€en-Sammlung. «Ich kann es noch nicht glauben, dass wir Gold geholt haben. Jetzt will ich richtig feiern», kĂŒndigte Karabatic an.
DĂ€nen-Keeper Nielsen brilliertÂ
Beide Mannschaften nahmen den Kampf um die Goldmedaille von Beginn an voll an und demonstrierten mit sehenswerten Einzelaktionen eindrucksvoll, dass sie sich den Platz im Finale verdient hatten. Die Franzosen wirkten wacher und nutzten die technischen Fehler der NordeuropĂ€er, um auf 6:4 davonzuziehen.Â
Dass das Nationalteam von Erfolgstrainer Guillaume Gille seine FĂŒhrung nicht noch weiter ausbauen konnte, lag an DĂ€nemarks Lebensversicherung Emil Nielsen. Der 26-JĂ€hrige, an dem auch schon die DHB-Profis im Halbfinale verzweifelt waren, parierte allein in der Anfangsviertelstunde 7 von 13 WĂŒrfen des Gegners.
Bittere Quote fĂŒr Bellahcene
Angestachelt von der Leistung ihres Keepers und den Anfeuerungen der ĂŒberwiegend skandinavischen Fans steigerten sich die DĂ€nen im Angriff - und zogen auf 9:6 davon. Im Gegensatz zu Nielsen erwischte Frankreichs TorhĂŒter Samir Bellahcene von Rekordmeister THW Kiel einen katastrophalen Start und hielt in den ersten 17 Minuten keinen Wurf.Â
In der Folge entwickelte sich auf dem Parkett ein dynamisches und hoch spannendes Spiel, in dem sich kein Team vor der Halbzeit entscheidend absetzen konnte. Das Momentum wechselte fast minĂŒtlich und vieles deutete auf eine VerlĂ€ngerung hin.
Gidsel ist ĂŒberall
Die Mannschaft von Trainer Nikolaj Jacobsen erwischte den deutlich besseren Start in die zweiten 30 Minuten und agierte im Angriff nun deutlich variabler. Immer wieder suchten die DĂ€nen Zielspieler Gidsel, der gefĂŒhlt auf jeder Position herumwuselte und sein Team mit 17:14 in FĂŒhrung brachte. Hinten hielt Nielsen im Tor weiter stark.Â
Doch Frankreich kam wieder zurĂŒck. Beide Teams fĂŒhrten das Duell weiter Ă€uĂerst intensiv und der Kampf um die Goldmedaille blieb bis zum Schluss offen. In der VerlĂ€ngerung hatten die Franzosen die besseren Nerven und sicherten sich die europĂ€ische Krone.Â









