Deutschland, Gesundheit

LÀnder-EinwÀnde gegen Sparpaket - Protest von HausÀrzten

03.06.2026 - 15:07:32 | dpa.de

Die immer weiter steigenden Ausgaben der Krankenkassen sollen unter Kontrolle kommen. Die Koalition plant dazu ein großes Spargesetz. Der Gegenwind fĂŒr die Bundesgesundheitsministerin wird stĂ€rker.

  • Der HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband plant eine Protestkampagne. (Archivbild) - Bild: Stephan Jansen/dpa
    Der HausÀrztinnen- und HausÀrzteverband plant eine Protestkampagne. (Archivbild) - Bild: Stephan Jansen/dpa
  • Das Sparpaket von Ministerin Warken stĂ¶ĂŸt auf EinwĂ€nde unter den LĂ€ndern. (Archivbild) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Das Sparpaket von Ministerin Warken stĂ¶ĂŸt auf EinwĂ€nde unter den LĂ€ndern. (Archivbild) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Aus den Bundesrats-AusschĂŒssen kommen Warnungen vor einem «Kliniksterben» (Archivbild)   - Bild: Marijan Murat/dpa
    Aus den Bundesrats-AusschĂŒssen kommen Warnungen vor einem «Kliniksterben» (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
Der HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband plant eine Protestkampagne. (Archivbild) - Bild: Stephan Jansen/dpa Das Sparpaket von Ministerin Warken stĂ¶ĂŸt auf EinwĂ€nde unter den LĂ€ndern. (Archivbild) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Aus den Bundesrats-AusschĂŒssen kommen Warnungen vor einem «Kliniksterben» (Archivbild)   - Bild: Marijan Murat/dpa

Gegen die Milliarden-SparplĂ€ne bei den Gesundheitsausgaben formiert sich wachsender Widerstand - nun auch unter den LĂ€ndern und bei HausĂ€rzten. Wenn der Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in der nĂ€chsten Woche erstmals in den Bundesrat kommt, liegen zahlreiche Kritikpunkte von AusschĂŒssen der LĂ€nderkammer vor. Gefordert wird die Streichung mehrerer Ausgabenbremsen bei Kliniken, Praxen, Apotheken und Pharmabranche. Der HausĂ€rzteverband macht mit einer Protestaktion mobil.

«Die angedachten KĂŒrzungen sind vollkommen plan- und wahllos», kritisierte die Co-Vorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth. «Damit legt man die Axt ohne RĂŒcksicht auf Verluste an die Wurzel der hausĂ€rztlichen Versorgung.» Sie warnte vor negativen Folgen wie weniger Praxen, schlechterer Versorgung und lĂ€ngeren Wartezeiten. Der Verband plant eine E-Mail-Aktion, bei der Patienten sich an ihre jeweiligen Bundestagsabgeordneten wenden können. 

Mails an Abgeordnete - Gesperrte WartezimmerplÀtze

DafĂŒr sollen die knapp 50.000 Hausarztpraxen Plakate und Informationsmaterial zugeschickt bekommen. In einem Muster-Text fĂŒr die E-Mails heißt es unter anderem: «Bereits jetzt arbeitet meine Praxis stĂ€ndig am Limit. Durch die nun geplanten KĂŒrzungen wird sich die Situation weiter verschĂ€rfen.» In Baden-WĂŒrttemberg ruft der Verband Praxen auf, wĂ€hrend der ganzen kommenden Woche jeden zweiten Platz im Wartezimmer symbolisch zu sperren.

Das vom Kabinett auf den Weg gebrachte Sparpaket soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten, um ein erwartetes Defizit auszugleichen und höhere ZusatzbeitrĂ€ge zu vermeiden. Warken plant dafĂŒr Ausgabenbremsen bei allen Leistungserbringern - aber etwa auch höhere Zuzahlungen fĂŒr die Versicherten fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte als Vorgabe formuliert, dass der Spar-Puffer nicht kleiner werden dĂŒrfe. 

Warnung vor «Kliniksterben»

Der Entwurf soll am 12. Juni in den Bundesrat kommen und voraussichtlich auch in den Bundestag. Die LĂ€nderkammer nimmt zunĂ€chst Stellung - und stimmt dafĂŒr ab, welche Ausschussempfehlungen sie sich zu eigen macht. Das Gesetz ist dann nicht zustimmungsbedĂŒrftig, die LĂ€nder könnten es aber ausbremsen. 

Der federfĂŒhrende Gesundheitsausschuss mahnt unter anderem: «Die Sparmaßnahmen dĂŒrfen nicht zu einem Kliniksterben fĂŒhren und in einer kalten und ungesteuerten Strukturbereinigung mĂŒnden.» Zum Konsolidieren der Kassen-Finanzen mĂŒsse auch der Krankenhaussektor seinen Beitrag leisten. Die geplanten Maßnahmen seien aber eine ĂŒberproportional starke Belastung.

Die AusschĂŒsse der LĂ€nderkammer fordern daher, mehrere Sparinstrumente zu streichen - etwa, dass Tariflohnsteigerungen, die ĂŒber eine Schwelle hinausgehen, nicht mehr voll von den Kassen getragen werden, sondern nur noch zur HĂ€lfte. Auch ein Limit fĂŒr Anstiege beim «Pflegebudget» solle gestrichen werden. Daraus werden - ausgegliedert aus der generellen KlinikvergĂŒtung - die Kosten fĂŒrs Pflegepersonal finanziert.

EinwĂ€nde gegen KĂŒrzung bei Zahnersatz 

Vorbehalte aus den Bundesrats-AusschĂŒssen werden auch bei weiteren Teilen des Sparpakets deutlich. Wenn FestzuschĂŒsse fĂŒr Zahnersatz von 60 auf 50 Prozent gesenkt wĂŒrden, lasse dies allgemeine Kostensteigerungen etwa fĂŒr Labore außer Betracht. Auf Versicherte kĂ€men Belastungen zu. Dass bestimmte Operationen erst nach dem Einholen einer zweiten Ă€rztlichen Meinung von den Krankenkassen vergĂŒtet werden sollen, fĂŒhre zur Gefahr von Wartezeiten.

Ablehnung kommt auch zur geplanten Abschaffung finanzieller Anreize fĂŒr Praxen fĂŒr schnellere Terminvermittlungen, was Warken mit ausgebliebenen Verbesserungen begrĂŒndet. Ebenfalls abgelehnt werden grĂ¶ĂŸere Preisrabatte, die Apotheken und Arzneimittelhersteller den Kassen gewĂ€hren mĂŒssen.

Auch Regelungen fĂŒr Beamte anpassen 

Die Bundesrats-AusschĂŒsse mahnen eine stĂ€rkere Mitfinanzierung der Krankenkosten von BĂŒrgergeldbeziehern durch Steuergeld aus dem Bundesetat an. Generell mĂŒssten die anstehenden Reformen - aus GrĂŒnden der Akzeptanz - auch Niederschlag in der Beamten-Versorgung finden. Änderungen bei der Einkommensgrenze, bis zu der BeitrĂ€ge fĂ€llig werden, seien danach zu prĂŒfen, dass Belastungen der breiten Mitte der Beitragszahler nicht weiter erhöht werden. Im Gesetzentwurf geplant ist eine zusĂ€tzliche Anhebung 2027. 

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte zu den EinwÀnden aus den LÀndern: «Nina Warken muss endlich erkennen, dass besonders Sozialgesetze nicht in wissenschaftlichen Zirkeln gemacht werden.» Es brauche den politischen Diskurs. Die Chefin des Ersatzkassenverbands, Ulrike Elsner, sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», es sei unseriös, wenn die LÀnder weitere Aufweichungen ohne AlternativvorschlÀge forderten.

Parallel zum Sparkurs kommt fĂŒr die Apotheken eine lange ausgebliebene Erhöhung des Honorars fĂŒr rezeptpflichtige Medikamente. Ein Fix-Bestandteil der VergĂŒtung von 8,35 Euro pro Packung soll zum 1. Juli auf 9,00 Euro steigen, wie eine vom Bundeskabinett zur Kenntnis genommene Verordnung vorsieht. Zum 1. Januar 2027 soll eine Anhebung auf 9,50 Euro folgen. Union und SPD hatten die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung zunĂ€chst zurĂŒckgestellt. FĂŒr die volle Anhebung werden jĂ€hrlich 875 Millionen Euro mehr veranschlagt.

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