Anwerbeabkommen: Pawlik kritisiert Rassismus nach 65 Jahren
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDeutsch-türkische Geschichte prägt den Alltag
- Natalie Pawlik kritisiert fortdauernden Rassismus gegenüber türkischen Menschen in Deutschland.
- Das Anwerbeabkommen mit der Türkei wurde vor 65 Jahren geschlossen.
- Friedrich Merz und Gökhan Turan halten bei der Berliner Festveranstaltung Reden.
Pawlik sieht anhaltende Benachteiligung
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik, kritisiert auch 65 Jahre nach dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen Rassismus und Diskriminierung gegenüber türkischen Menschen in Deutschland. Kurz vor der Festveranstaltung zum Jubiläum sagte sie der „Rheinischen Post“, viele Betroffene erlebten Benachteiligungen bei der Wohnungssuche, bei Bewerbungen und in der Schule.
Leistung türkischer Menschen gewürdigt
Pawlik betonte, türkische Menschen hätten Deutschland wirtschaftlich mit aufgebaut, Familien gegründet und die Gesellschaft über Generationen geprägt. Ihre Geschichte sei deutsche Geschichte.
Nach Darstellung der Integrationsbeauftragten habe die Integrationspolitik aus früheren Fehlern gelernt. Heute beginne Integration am ersten Tag, unter anderem mit Sprach- und Integrationskursen, der Anerkennung von Berufsabschlüssen und Bildungsangeboten.
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Festveranstaltung in Berlin
Am Dienstag findet in Berlin die Festveranstaltung zum 65. Jubiläum des Anwerbeabkommens statt. Neben Pawlik halten Bundeskanzler Friedrich Merz und der türkische Botschafter Gökhan Turan Festreden.
Auf dem Programm steht außerdem eine Diskussion mit Vertretern der ersten Generation und deren Nachkommen. Pawlik forderte, die etablierten Integrationsstrukturen zu erhalten und nachhaltig zu finanzieren.
Das deutsch-türkische Anwerbeabkommen markierte einen zentralen Schritt der Arbeitsmigration in die Bundesrepublik. Es wurde am 30. Oktober 1961 unterzeichnet und führte dazu, dass zahlreiche Menschen aus der Türkei zeitweise oder dauerhaft nach Deutschland kamen. Aus der zunächst als vorübergehend gedachten Beschäftigung entwickelte sich eine dauerhafte Einwanderungsgeschichte.
Die von Natalie Pawlik angesprochenen Erfahrungen verweisen auf ein strukturelles Problem: Integration hängt nicht allein von Sprachkenntnissen, Bildungsabschlüssen oder beruflicher Leistung ab, sondern auch davon, ob Menschen gleichberechtigten Zugang zu Wohnungen, Arbeitsplätzen und Bildung erhalten. Diskriminierung kann damit Aufstiegschancen begrenzen und das Zugehörigkeitsgefühl über Generationen hinweg beeinträchtigen.
Vom Arbeitsaufenthalt zur Einwanderungsgesellschaft
Die Nachkommen der angeworbenen Arbeitskräfte sind heute in vielen Bereichen der Gesellschaft präsent. Zugleich bestehen Herausforderungen bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen, bei Bildungschancen und beim Schutz vor rassistischer Benachteiligung fort. Die Debatte über das Jubiläum verbindet deshalb historische Anerkennung mit der Frage, wie integrationspolitische Angebote dauerhaft finanziert und gleiche Teilhabe praktisch gesichert werden können.
