Richterbund, StaatsanwÀlte

Richterbund: StaatsanwĂ€lte mĂŒssen unabhĂ€ngiger werden

19.07.2025 - 11:39:57

Die Justiz soll unabhĂ€ngig entscheiden in einem Rechtsstaat. StaatsanwĂ€lte mĂŒssen in Deutschland allerdings möglichen Anweisungen etwa von Ministern folgen. Ein Unding, meint der Richterbund.

Die Staatsanwaltschaften in Deutschland mĂŒssen nach Ansicht des Deutschen Richterbunds (DRB) besser vor politischer Einflussnahme geschĂŒtzt werden. «Gerade in einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien quer durch Europa im Aufwind sind und vielfach die Machtprobe mit der Justiz suchen, darf es keine Einfallstore fĂŒr einen politischen Missbrauch der Strafverfolgung geben», sagte DRB-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer Sven Rebehn der Deutschen Presse-Agentur. «In den falschen HĂ€nden wĂ€re ein politisches Durchgriffsrecht auf konkrete Strafverfahren fatal.»

Die Staatsanwaltschaften in Deutschland sind per Gesetz nicht unabhĂ€ngig. «Die Beamten der Staatsanwaltschaft haben den dienstlichen Anweisungen ihres Vorgesetzten nachzukommen», heißt es dazu im Gerichtsverfassungsgesetz. FĂŒr den Generalbundesanwalt und die BundesanwĂ€lte liegen Aufsicht und Leitung beim Bundesjustizministerium, fĂŒr die Staatsanwaltschaften bei niederrangigen Gerichten liegen sie bei anderen Behörden. 

«Weisungen können sich mangels gesetzlicher BeschrÀnkung auf jede staatsanwaltschaftliche Aufgabe und jeden Zeitpunkt beziehen. Eine inhaltliche EinschrÀnkung dieses Weisungsrechts ist dem Gesetz nicht zu entnehmen», schreibt der wissenschaftliche Dienst des Bundestags mit Bezug auf einen Experten. Es kann zum Beispiel um die Frage gehen, ob ein Delikt weiterverfolgt oder ob Vermögen eingezogen wird. 

Rebehn: Deutschland steht ziemlich alleine da

Aus Sicht des Richterbunds ein Unding. «Allein der böse Anschein, dass Minister Strafverfahren im Hintergrund politisch steuern könnten, erschĂŒttert das Vertrauen in eine objektive und nur den Gesetzen verpflichtete Strafverfolgung», so Rebehn. «Die Bundesregierung sollte deshalb dem Beispiel Österreichs folgen und Schwachstellen in der Justizarchitektur beseitigen.»

In Österreich hat sich die Regierung aus konservativer ÖVP, sozialdemokratischer SPÖ und liberalen Neos vor kurzem auf die Schaffung einer dreiköpfigen Bundesstaatsanwaltschaft geeinigt, die in Zukunft die oberste Fachaufsicht ĂŒber die StaatsanwĂ€lte ĂŒbernehmen soll. Bisher lag diese Aufgabe bei der Spitze des Justizministeriums. 

Rebehn erklĂ€rte: «Damit steht Deutschland mit seiner antiquierten Rechtslage kĂŒnftig in Europa ziemlich alleine da.» Der EuropĂ€ische Gerichtshof hat die UnabhĂ€ngigkeit deutscher Staatsanwaltschaften in Entscheidungen angezweifelt.

Richterbund sieht NRW als Vorbild

Die Ampel-Koalition aus SPD, GrĂŒnen und FDP hatte den Einfluss auf die Staatsanwaltschaften zumindest einschrĂ€nken wollen. Weisungen der Justizminister von Bund und LĂ€ndern an die Staatsanwaltschaften sollten nach einem Gesetzentwurf von Justizminister Marco Buschmann (FDP) nur noch schriftlich, begrĂŒndet und innerhalb enger Grenzen erlaubt sein. Das Vorhaben wurde aber nicht mehr umgesetzt. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD finden sich keine entsprechenden PlĂ€ne. 

Als Vorbild sieht Rebehn Nordrhein-Westfalen. Der dortige Justizminister Benjamin Limbach (GrĂŒne) hatte Buschmanns PlĂ€ne als unzureichend kritisiert und weiterreichende VorschlĂ€ge gemacht. Nur wenn das Ministerium Rechtsfehler erkennt, der Generalstaatsanwalt aber nicht eingreift, sollte es demnach einschreiten.

@ dpa.de