Deutschland, Berlin

Interesse an Justiz - mehr Bewerbungen als Stellen

09.07.2023 - 06:10:24

Die Justiz steht vor einem Umbruch: Etliche Richterinnen und StaatsanwÀlte gehen in Pension. Tausende NachwuchskrÀfte werden gebraucht.

Ungeachtet einer zunehmend schlechteren Bezahlung als in Unternehmen oder bei Anwaltskanzleien sind Gerichte und Staatsanwaltschaften bei jungen Juristen gefragt. Zu diesem Ergebnis kommt die «Deutsche Richterzeitung» nach einer Umfrage im Mai und Juni bei den Justizverwaltungen der BundeslĂ€nder. Demnach ist die Bewerberlage gut und ĂŒbersteigt die Anzahl der Neueinstellungen. Die Zeitung wird vom Deutschen Richterbund herausgegeben.

«FĂŒr viele Bewerberinnen und Bewerber sind die UnabhĂ€ngigkeit und die relativ freie Arbeitsgestaltung im Richterberuf nach wie vor wichtige Pluspunkte, die fĂŒr den Weg zur Justiz sprechen», sagte der BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Richterbundes, Sven Rebehn, der Deutschen Presse-Agentur.

Justiz muss «wettbewerbsfÀhig und attraktiv» bleiben

In den vergangenen fĂŒnf Jahren wurden nach den Angaben der LĂ€nder rund 6750 Juristinnen und Juristen neu eingestellt. An der Spitze lag das bevölkerungsreichste Nordrhein-Westfalen mit 1588 Menschen. Nach den Umfrageergebnissen gab es in den vergangenen fĂŒnf Jahren auch in BundeslĂ€ndern, die jedes Jahr vergleichsweise viele Interessenten fĂŒr die Justiz gewinnen mĂŒssen, durchgĂ€ngig mindestens zwei Bewerber oder Bewerberinnen auf eine Stelle, in Niedersachsen war das VerhĂ€ltnis demnach sogar vier zu eins.

FĂŒr das Jahr 2022 verzeichnete das Justizministerium in Hannover beispielsweise 381 Bewerbungen, besetzt wurden 108 Stellen. Berlin gibt laut Richterzeitung in der Umfrage ein VerhĂ€ltnis von drei zu eins an. 2022 seien in der Hauptstadt 62 Richterinnen und StaatsanwĂ€lte eingestellt worden - beworben hatten sich 163 Juristen.

«Bislang gelingt es in allen BundeslĂ€ndern noch, gut qualifizierten Nachwuchs fĂŒr die Rechtsprechung zu gewinnen und verfĂŒgbare Stellen zĂŒgig zu besetzen», meinte Rebehn. Die Justiz mĂŒsse aber «wettbewerbsfĂ€hig und attraktiv fĂŒr die besten Köpfe» bleiben. Mit Blick auf SpitzengehĂ€lter in Unternehmen und Kanzleien sei eine gute Bezahlung wichtig, betonte er. «Auch die EU hat mit Blick auf die Pensionierungswelle in ihrem Rechtsstaatlichkeitsbericht 2023 fĂŒr Deutschland erneut angemahnt, die Richterbesoldung auf ein angemessenes Niveau anzuheben.»

Personeller Umbruch

Wegen der anstehenden Pensionierungen steht die Justiz vor einem personellen Umbruch. Insbesondere in den ostdeutschen BundeslĂ€ndern und in Berlin steige die Zahl der RuhestĂ€ndler ab diesem Jahr deutlich an, so Rebehn. Ein weiteres Problem ist, dass Strafgerichte und Staatsanwaltschaften schon jetzt oft dĂŒnn besetzt sind - die Anforderungen aber wachsen. Aus Sicht des Richterbundes mĂŒssen deshalb mehr Stellen geschaffen werden. Derzeit fehlten in diesem Bereich bundesweit etwa 1000 Juristen.

Genug Interesse an der TĂ€tigkeit scheint es zu geben: In den vergangenen fĂŒnf Jahren ist laut Umfrage die Zahl der bestandenen erforderlichen zweiten StaatsprĂŒfungen in den meisten LĂ€ndern gestiegen oder stabil geblieben - lediglich in Berlin und Brandenburg war das nicht der Fall. Einen besonders starken Anstieg gab es demnach in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich die Zahl der abgeschlossenen Referendariate mit 101 fast verdreifacht (2018: 37) hat. In Sachsen-Anhalt hat sie sich laut Ministerium fast verdoppelt (2022: 102; 2018: 55).

Probleme gibt es allerdings laut Justizverwaltungen, Stellen jenseits des Richter- oder Staatsanwaltsberufs zu besetzen. Um genĂŒgend Menschen fĂŒr den Servicebereich zu haben, stellen die LĂ€nder demnach vermehrt Quereinsteiger ein, setzen die Notenanforderungen herab und locken mit einer höheren Bezahlung oder flexibleren Arbeitszeiten.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

BGH-Urteil: Horrende AufschlÀge bei Untervermietung verboten. Kein Einzelfall - zum Leid vieler auf dem Wohnungsmarkt. Der Bundesgerichtshof hat das nun untersagt. Ein Berliner Mieter kassierte 962 Euro Untermiete, zahlte selbst aber nicht mal halb so viel. (Politik, 28.01.2026 - 14:51) weiterlesen...

Durchsuchung bei Deutscher Bank: Verdacht auf GeldwĂ€sche. Die Ermittlungen betreffen frĂŒhere GeschĂ€ftsbeziehungen. Der Zeitpunkt der Razzia ist pikant. Erneut Ärger wegen möglicher GeldwĂ€sche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. (Politik, 28.01.2026 - 14:33) weiterlesen...

Regierung will Ausschreibung von Nordsee-FlĂ€chen verschieben. An zwei FlĂ€chen gab es allerdings zuletzt kein Interesse. Anfang Juni sollen sie eigentlich erneut versteigert werden. Die Bundesnetzagentur bietet regelmĂ€ĂŸig WindkraftflĂ€chen an. (Wirtschaft, 28.01.2026 - 14:08) weiterlesen...

Verdacht auf GeldwĂ€sche: BKA durchsucht Deutsche Bank. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit frĂŒheren GeschĂ€ftsbeziehungen. Erneut Ärger wegen möglicher GeldwĂ€sche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. (Politik, 28.01.2026 - 13:36) weiterlesen...

BGH untersagt «gewinnbringende» Untervermietung. Wegen des Berliner Falls ist nun eine offene Frage im Mietrecht höchstrichterlich geklĂ€rt. Die Untermiete war mehr als doppelt so hoch wie seine eigene Miete: Daher kĂŒndigte eine Vermieterin dem Mann. (Politik, 28.01.2026 - 12:22) weiterlesen...

Oma-Look oder Upcycling: Gebrauchte Pelze feiern Comeback. Da geht es um neue Trends. Vintage-Freunde setzen dagegen auf einen alten Klassiker, ein Thema, das immer wieder polarisiert: Pelz. In Berlin steht die Fashion Week an. (Unterhaltung, 28.01.2026 - 07:00) weiterlesen...