Studie, Kommunen

Studie: Immer mehr Kommunen mit hohen Grundsteuer-HebesÀtzen

22.11.2024 - 04:00:41

Die Kassen vieler StĂ€dte und Gemeinden sind klamm. Ihre Instrumente fĂŒr mehr Einnahmen sind begrenzt. Eine Studie zeigt, wie sehr die Kommunen zuletzt an einer bestimmten Steuerschraube gedreht haben.

  • Die Grundsteuer ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Kommunen. (Symbolbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa

    Bernd Weißbrod/dpa

  • Wer ein Haus besitzt, muss Grundsteuer zahlen. Das kann teuer werden. (Symbolbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa

    Jens Kalaene/dpa

Die Grundsteuer ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Kommunen. (Symbolbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpaWer ein Haus besitzt, muss Grundsteuer zahlen. Das kann teuer werden. (Symbolbild) - Foto: Jens Kalaene/dpa

StĂ€dte und Gemeinden in Deutschland greifen bei der Grundsteuer immer tiefer in die Taschen der BĂŒrger. Im vergangenen Jahr hatten 53 Prozent der Kommunen einen Hebesatz von 400 oder mehr. Zum Vergleich: 2005 fielen nur fĂŒnf Prozent in diese Hochsteuergruppe. Das zeigt eine Analyse der Beratungs- und PrĂŒfungsgesellschaft EY. Umgekehrt hatten 2005 noch 22 Prozent der Kommunen einen Hebesatz unter der Marke von 300. Vergangenes Jahr waren es drei Prozent.

FĂŒr die Kommunen ist die Grundsteuer eine der wichtigsten Einnahmequellen, aus der zum Beispiel Straßen, SchwimmbĂ€der oder Theater finanziert werden. Es ist eine jĂ€hrliche Steuer auf den Besitz von GrundstĂŒcken und GebĂ€uden. Vermieter können sie auch auf die Mieter umlegen. Wie viel bezahlt werden muss, ist abhĂ€ngig vom GrundstĂŒck, dem GebĂ€ude darauf und dem kommunalen Hebesatz. Dieser ist im Gemeindesteuerrecht festgelegt. Er ist ein Faktor, mit dessen Hilfe die Gewerbesteuer von Unternehmen ermittelt wird. Je höher der Hebesatz ist, desto höher ist auch die Steuer. Die Kommunen legen die HebesĂ€tze selbst fest.

Bei den meisten Wohnungs- oder HauseigentĂŒmern geht es um einige hundert Euro im Jahr, bei EigentĂŒmern von MietshĂ€usern dagegen oft um vierstellige BetrĂ€ge. Von 2025 an muss die Grundsteuer, die auf Immobilien fĂ€llig wird, auf einer neuen Grundlage berechnet werden. Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, wonach die bisherige Bemessungsgrundlage in Deutschland verfassungswidrig war.

Trend zu höheren HebesÀtzen beschleunigt sich

Zahlreiche StĂ€dte und Gemeinden stehen EY-Experte Heinrich Fleischer zufolge finanziell mit dem RĂŒcken zur Wand: «Die anhaltend schlechte Finanzsituation vieler Kommunen erfordert hĂ€ufig eine Anhebung der HebesĂ€tze.» Sie hĂ€tten - wie die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger - mit Kostensteigerungen zu kĂ€mpfen, die sie weitergeben mĂŒssten. Der bundesweite Trend zu immer höheren Grundsteuer-HebesĂ€tzen habe sich dadurch weiter beschleunigt. 

Fleischer zufolge lĂ€sst sich vor dem Inkrafttreten der Grundsteuer-Reform eine «regelrechte Welle an Steuererhöhungen» beobachten. Seiner Ansicht nach wird dies auch im laufenden Jahr anhalten – auch, um das Versprechen einhalten zu können, die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger durch das neue Grundsteuer-Recht nicht zusĂ€tzlich zu belasten. Ob das gelingt, bezweifelte er: «Die Versuchung, im Zuge der Umstellung auf das neue Grundsteuer-Modell zusĂ€tzliche Mehreinnahmen zu generieren, ist sehr groß.» Angesichts der schwachen Wirtschaftslage dĂŒrfte der Spielraum der Kommunen laut Fleischer eher kleiner als grĂ¶ĂŸer werden.

Nur 49 Kommunen senken Hebesatz

2.671 - und damit gut ein Viertel aller StÀdte und Gemeinden - erhöhten der Analyse zufolge den Hebesatz im vergangenen Jahr. 2022 lag der Anteil der Kommunen, die den Satz binnen Jahresfrist heraufgesetzt hatten, bei 13 Prozent, ein weiteres Jahr zuvor bei acht Prozent. Im Gegensatz dazu gab es 2023 quasi keine Senkungen: Nur 49 der knapp 10.800 Kommunen in Deutschland reduzierten der Analyse zufolge den Hebesatz. Das entspricht 0,4 Prozent.

Im bundesweiten Schnitt lag der Hebesatz im vergangenen Jahr bei 409 Prozent - und damit 18 Prozentpunkte höher als 2022. Das sei der mit Abstand stĂ€rksten Anstieg seit Beginn der Untersuchungen 2005 gewesen. Damals lag der Durchschnitt noch bei 317. Der sprunghafte Anstieg gehe vor allem auf eine Entwicklung in Rheinland-Pfalz zurĂŒck: Dort erhöhten 2023 vier von fĂŒnf Kommunen den Grundsteuer-Hebesatz. Nach Angaben von EY lag das an einer Reform des kommunalen Finanzausgleichs. Um Einnahmeverluste zu vermeiden, hĂ€tten viele StĂ€dte und Gemeinden die HebesĂ€tze teils deutlich anheben mĂŒssen, hieß es. 

Das Bundesland mit den höchsten durchschnittlichen HebesĂ€tzen war Nordrhein-Westfalen (577), gefolgt von Hessen (507) und Rheinland-Pfalz (464). Die niedrigsten SĂ€tze hatten im vergangenen Jahr im Durchschnitt die Kommunen in Schleswig-Holstein (348), Bayern (355) und Baden-WĂŒrttemberg (370). Die Grundsteuer B spĂŒlte nach frĂŒheren Angaben des Statistischen Bundesamtes 2023 rund 15,1 Milliarden Euro in die Kassen.

@ dpa.de