Deutschland, Gesundheit

Sparpaket fĂŒr Gesundheitsausgaben in Bundestag und Bundesrat

12.06.2026 - 02:30:06 | dpa.de

Die Koalition will die stark steigenden Kosten fĂŒr die medizinische Versorgung unter Kontrolle bringen – mit einem Spargesetz, fĂŒr das jetzt unter hohem Zeitdruck die konkreten Beratungen beginnen.

Gesundheitsministerin Warken bringt ihr Sparpaket ins parlamentarische Verfahren. (Archivbild)  - Bild: Markus Lenhardt/dpa
Gesundheitsministerin Warken bringt ihr Sparpaket ins parlamentarische Verfahren. (Archivbild) - Bild: Markus Lenhardt/dpa

Das heftig umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition bei den Gesundheitsausgaben startet ins parlamentarische Verfahren. Ministerin Nina Warken (CDU) bringt am Freitag ihren Entwurf in den Bundestag ein, der die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um mindestens 16,3 Milliarden Euro entlasten und damit höhere ZusatzbeitrĂ€ge verhindern soll. Parallel befasst sich auch der Bundesrat mit den PlĂ€nen und dĂŒrfte etliche Kritikpunkte anmelden. 

Vorgesehen sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche. Auf Versicherte kommen unter anderem höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern zu. Die Koalition strebt an, das Gesetz bis zur Sommerpause Mitte Juli zu besiegeln.

Vorgabe des Kanzlers 

Gegen Einschnitte und geplante zusĂ€tzliche Einnahmen gibt es breite Proteste aus dem gesamten Gesundheitswesen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bereits als Vorgabe fĂŒr die Beratungen formuliert, dass der Einspar-Puffer nicht mehr kleiner werden dĂŒrfe. TatsĂ€chlich steht nun sogar noch eine weitere VerschĂ€rfung des Sparziels im Blick. Hintergrund ist ein stĂ€rkerer Anstieg der Ausgaben im ersten Quartal 2026 als fĂŒr das Gesamtjahr 2026 angenommen.

Nach vorlÀufigen Zahlen rechnet Warken deshalb inzwischen damit, dass das Defizit der Kassen im kommenden Jahr um 3,5 Milliarden Euro höher liegt als bisher mit 15,3 Milliarden Euro prognostiziert. In dem vom Kabinett auf den Weg gebrachten Entwurf ist aber vorerst nur ein kleiner Puffer von einer Milliarde Euro angelegt. «Der Rest muss jetzt dann noch zusÀtzlich gehoben werden, um BeitragsstabilitÀt zu bekommen», machte Warken am Donnerstag deutlich.

Neue Milliarden-LĂŒcke

Rechnerisch ergibt sich eine zusĂ€tzliche Sparsumme von 2,5 Milliarden Euro - mindestens, wenn auch noch ein neuer Sicherheitspuffer fĂŒr eine mögliche Zuspitzung der Finanzlage eingebaut werden soll. GeklĂ€rt werden soll dies im parlamentarischen Verfahren, ebenso wie mehrere ausstehende Streitpunkte. In der Kritik steht auch eine geplante KĂŒrzung des regulĂ€ren Bundeszuschusses. 

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte Nachbesserungen fĂŒr eine nachhaltige, solidarische Finanzierung. «Niemand braucht Beitragssatzkosmetik zulasten der Versicherten», sagte Vorstandsmitglied Anja Piel der Deutschen Presse-Agentur. Das parlamentarische Verfahren biete auch die Chance, einen Irrweg zu korrigieren: Was eingespart werden solle, stabilisiere jetzt nicht die gesetzliche Krankenversicherung, sondern vor allem den Bundeshaushalt.

Zahlreiche EinwÀnde im Bundesrat

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, mahnte, um das System zukunftsfĂ€hig zu machen, brauche es einen konsequenten Blick auf die BedĂŒrfnisse der kranken, meist hochbetagten Menschen. Bezahlt wĂŒrden bisher Arzt-Patienten-Kontakte. Ob sich Beschwerden verbessern oder verschlechtern, solle bei der VergĂŒtungshöhe weiter keine Rolle spielen. FĂŒr eine Änderung mĂŒsse das Patientenwohl zum Honorierungsmaßstab werden. 

Unter den LĂ€ndern formieren sich ebenfalls WiderstĂ€nde. Die AusschĂŒsse des Bundesrats fordern die Streichung mehrerer vorgesehener Ausgabenbremsen, insbesondere bei den Kliniken, aber auch bei Arztpraxen, Apotheken und der Pharmabranche. Die LĂ€nderkammer stimmt am Freitag darĂŒber ab, welche der Ausschussempfehlungen sie sich als Forderung zu eigen macht. Zum Thema reden wollen der neue rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Gordon Schnieder (CDU) und gleich elf Ressortchefinnen und Ressortchefs der LĂ€nder.

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