Zuckersteuer, Boris Rhein

Zuckersteuer: Rhein nennt Abgabe „Teuer-Steuer“

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 01:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Koalition will eine Abgabe auf gesĂŒĂŸte GetrĂ€nke ab Juli 2027 einfĂŒhren. Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein kritisiert den Plan wegen steigender Lebenshaltungskosten und möglicher Folgen fĂŒr die GetrĂ€nkeindustrie.

  • Die Zuckersteuer soll ab 1. Juli 2027 erhoben werden. (Symbolbild) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
    Die Zuckersteuer soll ab 1. Juli 2027 erhoben werden. (Symbolbild) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
  • Damit wĂŒrden BĂŒrger zur Kasse gebeten fĂŒr Haushaltslöcher des Bundes, sagt Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa
    Damit wĂŒrden BĂŒrger zur Kasse gebeten fĂŒr Haushaltslöcher des Bundes, sagt Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa
Die Zuckersteuer soll ab 1. Juli 2027 erhoben werden. (Symbolbild) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa Damit wĂŒrden BĂŒrger zur Kasse gebeten fĂŒr Haushaltslöcher des Bundes, sagt Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa

SteuersÀtze und Kabinettsplan

  • Die Bundesregierung will die Formulierungshilfe zur Zuckersteuer heute im Kabinett beschließen.
  • Ab 1. Juli 2027 sollen 26 Cent ab fĂŒnf Gramm und 32 Cent ab acht Gramm Zucker je 100 Milliliter gelten.
  • Der Bund erwartet 2027 Einnahmen von 690 Millionen Euro und 2028 von 925 Millionen Euro.

Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein (CDU) hat die geplante Steuer auf zuckergesĂŒĂŸte GetrĂ€nke als „Teuer-Steuer“ bezeichnet.

Rhein kritisiert Belastung der BĂŒrger

Steigende Lebenshaltungskosten seien eines der grĂ¶ĂŸten Probleme in Deutschland, sagte Rhein dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Eine Zuckersteuer halte er deshalb fĂŒr ein falsches Signal.

Rhein argumentierte, bei der Abgabe gehe es nicht um Gesundheitsförderung, sondern darum, BĂŒrger fĂŒr Haushaltslöcher des Bundes zur Kasse zu bitten. Zudem gefĂ€hrde die Steuer ArbeitsplĂ€tze in der meist mittelstĂ€ndisch geprĂ€gten GetrĂ€nkeindustrie.

Koalition legt Streit ĂŒber Ausgestaltung bei

Die schwarz-rote Koalition hatte ihren Streit ĂŒber die Ausgestaltung am Dienstag beigelegt. Die Bundesregierung verstĂ€ndigte sich auf eine Formulierungshilfe fĂŒr die Regierungsfraktionen, die heute im Kabinett beschlossen werden soll.

Rhein Ă€ußerte sich, bevor die Einigung in der Koalition bekannt wurde. Der Kompromiss sieht eine zweistufige Steuer vor: FĂŒr gesĂŒĂŸte GetrĂ€nke mit mindestens fĂŒnf Gramm Zucker pro 100 Milliliter sollen 26 Cent gelten, ab acht Gramm 32 Cent.

Bund rechnet mit hohen Einnahmen

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will mit der Steuer Einnahmen erzielen und GetrÀnkehersteller zugleich zum Senken des Zuckergehalts bewegen. Das Kanzleramt hatte die PlÀne Anfang des Monats zunÀchst gestoppt, weil der Entwurf in Regierungskreisen als nicht mehrheitsfÀhig galt.

Nach der Einigung rechnet die Bundesregierung 2027 mit rund 690 Millionen Euro fĂŒr den Bund, 2028 mit 925 Millionen Euro. FĂŒr Hersteller mit weniger als einer Million Litern gezuckerter GetrĂ€nke pro Jahr soll die Steuer nach Angaben aus der Formulierungshilfe nicht gelten.

Widerstand aus den LĂ€ndern

Gegen die Steuer gab es bis zuletzt erhebliche WiderstÀnde. Neun Agrar- und Verbraucherschutzminister der Union aus den LÀndern hatten sich in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegen die Abgabe ausgesprochen.

Die Ressortchefs kritisierten, eine Zuckersteuer setze auf staatliche Lenkung und belaste den Kauf bestimmter Lebensmittel zusÀtzlich.

Steuer zwischen Gesundheit und Haushalt

Die geplante Abgabe verbindet zwei politische Ziele: Sie soll Einnahmen fĂŒr den Bundeshaushalt schaffen und GetrĂ€nkehersteller dazu bewegen, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. Damit steht sie zugleich fĂŒr GesundheitsprĂ€vention und staatliche Lenkung des Konsums.

Der aktuelle Kompromiss sieht eine Staffelung nach dem Zuckergehalt vor. Die Belastung steigt somit nicht pauschal fĂŒr alle gesĂŒĂŸten GetrĂ€nke gleich stark, sondern orientiert sich an der Rezeptur. Eine Ausnahme fĂŒr kleinere Hersteller soll zudem verhindern, dass kleine und mittelstĂ€ndische Betriebe unmittelbar denselben Kosten ausgesetzt werden wie grĂ¶ĂŸere Anbieter.

Konflikt in der Union

Der Widerstand aus den LĂ€ndern zeigt, dass die Debatte ĂŒber die reine Steuerfrage hinausgeht. Kritiker sehen zusĂ€tzliche Belastungen fĂŒr Verbraucher und Unternehmen; BefĂŒrworter setzen auf einen Anreiz zur Produktreformulierung. FĂŒr KĂ€ufer könnten sich Preise verĂ€ndern, sofern Hersteller die Abgabe weitergeben.

Politisch entscheidend ist der weitere parlamentarische Weg. Nach dem Kabinettsbeschluss mĂŒssen die Regierungsfraktionen das Vorhaben beraten und gesetzgeberisch umsetzen. Die erwarteten Einnahmen machen die Steuer fĂŒr die Haushaltsplanung relevant, wĂ€hrend die zweckbezogene Wirkung erst daran messbar wird, ob der Zuckergehalt im GetrĂ€nkeangebot tatsĂ€chlich sinkt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Soll Mittwoch ins Kabinett: Koalition legt Streit um Zuckersteuer bei“ (13.10.2026)

Der Bericht bestĂ€tige die Einigung von Union und SPD sowie die geplante zweistufige Abgabe. Er hebe zusĂ€tzlich die Ausnahme fĂŒr Hersteller mit weniger als einer Million Litern Jahresproduktion und die nach 2028 erwarteten Einnahmen hervor.

Tagesschau: „Offener Brief an Kanzler Merz Landwirtschaftsminister kĂ€mpfen gegen Zuckersteuer“ (12.10.2026)

Der Beitrag habe den innerparteilichen Widerstand vor der Einigung in den Mittelpunkt gestellt. Er beschreibe die Argumente der neun Landesminister gegen zusĂ€tzliche Belastungen und stelle ihnen das Ziel des Finanzministers gegenĂŒber, Hersteller zur Zuckerreduzierung zu bewegen.

Beide Berichte bestÀtigten damit den politischen Streit und die geplante Abgabe, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der Tagesspiegel fokussiere den Kompromiss und seine finanziellen Details, wÀhrend die Tagesschau die Kritik aus den LÀndern beleuchte.

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