LĂ€nder, SteuerprĂŒfer

LĂ€nder beschĂ€ftigen immer weniger SteuerprĂŒfer

09.08.2025 - 00:01:00

Die LĂ€nder beschĂ€ftigen immer weniger SteuerprĂŒfer und treiben entsprechend weniger Nachzahlungen ein.

Das ergab eine Umfrage der "SĂŒddeutschen Zeitung" unter den 16 BundeslĂ€ndern. Kleinstbetriebe werden demnach nur alle 150 Jahre kontrolliert. Die Zahl der SteuerprĂŒfungen in Unternehmen ist in den vergangenen zehn Jahren um fast 60 Prozent auf zuletzt nur noch 140.000 eingebrochen.

Insgesamt beschĂ€ftigten die Finanzbehörden im vergangenen Jahr noch 12.359 BetriebsprĂŒfer, fast zehn Prozent weniger als 2015. Auch die Summe der Steuernachzahlungen, die im Zuge der Kontrollen eingetrieben werden, geht tendenziell immer weiter zurĂŒck - von jeweils gut 16 Milliarden Euro im Schnitt der Nuller- und der Zehnerjahre auf nicht einmal mehr elf Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Dabei sucht der Staat bekanntlich hĂ€nderingend nach Geld. Allein Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) fehlen in seiner Finanzplanung fĂŒr die Jahre 2027 bis 2029 noch mehr als 170 Milliarden Euro. Die Entwicklung erscheint auch deshalb paradox, weil es eine bekannte Faustformel gibt: Demnach bringt jeder BetriebsprĂŒfer der öffentlichen Hand pro Jahr im Schnitt eine Million Euro an zusĂ€tzlichen Einnahmen ein - also ein Vielfaches dessen, was er sein jeweiliges Bundesland kostet. Kritiker fordern deshalb seit langem, dass der Staat nicht weniger, sondern mehr PrĂŒfer einstellen sollte. Doch das Gegenteil passiert. Laut Bundesfinanzministerium wurden im vergangenen Jahr gerade einmal 16 von 1.000 Betrieben einer PrĂŒfung unterzogen, also nicht einmal jeder sechzigste. Allerdings hĂ€ngt die PrĂŒfdichte stark von der GrĂ¶ĂŸe des Unternehmens ab: Bei großen und mittleren Firmen lagen Quoten mit zuletzt knapp 296 und 183 von jeweils 1000 Betrieben deutlich höher. Konzerne werden de facto sogar fortlaufend ĂŒberwacht, weil immer die Angaben gleich mehrerer Jahre ĂŒberprĂŒft werden. Kleine Unternehmen hingegen mĂŒssen im Schnitt nur alle 38 Jahre mit einer BetriebsprĂŒfung rechnen, Kleinstbetriebe, die mehr als 80 Prozent aller Firmen in Deutschland ausmachen, sogar nur alle 150 Jahre. Die LĂ€nder begrĂŒndeten die Entwicklung unter anderem mit FachkrĂ€ftemangel. Zugleich wĂŒrden die PrĂŒffĂ€lle immer komplizierter und zeitaufwĂ€ndiger, auch hĂ€tten viele Kontrolleure behördenintern zuletzt bei anderen Projekten wie der Reform der Grundsteuer aushelfen mĂŒssen. Kritik kam unter anderen von Anne Brorhilker, ehemalige StaatsanwĂ€ltin und heute GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Initiative Finanzwende, die sich dem Kampf gegen FinanzkriminalitĂ€t verschrieben hat. "Wer unseren Rechtsstaat und damit auch unsere Demokratie stĂ€rken will, muss die Finanzbehörden personell und strukturell deutlich stĂ€rken. Alles andere ist fahrlĂ€ssig", sagte sie der Zeitung. Wenn die LĂ€nder nicht in der Lage seien, ausreichend Personal einzustellen, sei der Bund in der Verantwortung, einzuspringen, etwa durch die Bereitstellung von BundesbetriebsprĂŒfern.

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