EUStA, Behörden-Unterwanderung

EUStA warnt vor Behörden-Unterwanderung durch kriminelle Strukturen

01.03.2024 - 08:28:35

Die Leiterin der EuropÀischen Staatsanwaltschaft (EUStA), Laura Kövesi, warnt vor der Unterwanderung demokratischer Institutionen durch die organisierte KriminalitÀt.

"Wir sehen in unseren Verfahren Unternehmer, Politiker oder Beamte, die kriminelle Organisationen schĂŒtzen", sagte sie der "SĂŒddeutschen Zeitung". "Deshalb sind wir so besorgt, wenn wir ĂŒber deren Finanzkraft sprechen." Kriminelle Organisationen hĂ€tten ihr TĂ€tigkeitsfeld verlagert und nutzten zunehmend Mehrwertsteuerbetrug als Mittel, um sich zu bereichern.

Das Verbrechen, bei dem mit komplizierten KreislaufgeschĂ€ften Umsatzsteuer hinterzogen wird, stehe "im Zentrum der KriminalitĂ€t in Europa" und sei nicht getrennt von Drogenschmuggel oder GeldwĂ€sche zu betrachten, sagte Kövesi. Zu erklĂ€ren sei das mit einem geringen Risiko angesichts niedriger Aufdeckungsquoten, geringer Strafen und einem Desinteresse nationaler Finanzbehörden. Die EuropĂ€ische Staatsanwaltschaft mit Sitz in Luxemburg veröffentlicht an diesem Freitag ihren Jahresbericht fĂŒr 2023. Die unabhĂ€ngige Behörde ist zustĂ€ndig fĂŒr die Ermittlung sĂ€mtlicher Straftaten zulasten des EU-Haushalts, darunter Subventionsbetrug sowie FĂ€lle von Mehrwertsteuerbetrug mit einem Schaden von mehr als zehn Millionen Euro. Im vergangenen Jahr haben die in bislang 22 EU-Staaten tĂ€tigen Ermittler im vergangenen Jahr 1.371 neue Verfahren eröffnet und damit 58 Prozent mehr als noch 2022. Sie sicherten Vermögenswerte in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Das sei erst der Anfang, sagte Kövesi. Das Ausmaß des Betrugs mit EU-Geldern werde unterschĂ€tzt. "Wir können beim Einfrieren von Vermögenswerten aber noch viel mehr erreichen." Bislang wĂŒrden nach SchĂ€tzungen der Polizeibehörde Europol nur vier Prozent der kriminell erwirtschafteten Gelder in Europa beschlagnahmt. "Deshalb brauchen wir mehr Ressourcen", sagte Kövesi, die jĂŒngst von der EU-Kommission eine Erhöhung des Budgets der EUStA gefordert hatte. In FĂ€llen von Mehrwertsteuerbetrug sei vor allem Deutschland attraktiv. Die hohen Zahlen - 176 neue EUStA-Verfahren im vergangenen Jahr, davon 112 MehrwertsteuerfĂ€lle - zeugten aber auch von einer hohen Aufdeckungsquote. "HĂ€tten wir anderswo den gleichen Grad an Aufdeckung von Mehrwertsteuer- oder Zollbetrug wie in Deutschland, wĂ€re die Lage insgesamt besser", sagte die Behördenchefin.

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