ROUNDUP, Alkoholkonsum

Alkoholkonsum geht langsam zurĂŒck - WHO fordert mehr Tempo

25.06.2024 - 15:36:49

Die Menschen trinken weltweit etwas weniger Alkohol und landen in Deutschland seltener wegen Drogenmissbrauchs im Krankenhaus.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht die Entwicklung besonders mit Blick auf Alkohol aber viel zu langsam. Das von der WHO gesteckte Ziel, den Alkoholkonsum bis zum Jahr 2030 um 20 Prozent gegenĂŒber dem Jahr 2010 zu senken, könne so nicht erreicht werden, berichtete die Organisation am Dienstag in Genf.

Weltweit sank der Pro-Kopf-Konsum laut WHO von 5,7 Litern reinem Alkohol im Jahr 2010 auf 5,5 Liter Alkohol im Jahr 2019. Die WHO fordert, die LĂ€nder mĂŒssten mehr tun, damit weniger getrunken werde. Das gehe zum Beispiel mit Werbeverboten und VerkaufseinschrĂ€nkungen sowie ĂŒber hohe Preise.

Alkoholkonsum in Deutschland besonders hoch

Deutschland liegt beim Alkoholkonsum weltweit mit an der Spitze, wie aus den WHO-Zahlen hervorgeht. Demnach trank im Jahr 2019 jeder ĂŒber 15 Jahren im Schnitt 12,2 Liter Reinalkohol. Damit gehört Deutschland zu den zehn LĂ€ndern mit dem höchsten Konsum.

Wegen der Covid-Pandemie hÀtten neuere Daten als von 2019 nicht zuverlÀssig ausgewertet werden können. Weltweit seien in dem Jahr 209 Millionen Menschen alkoholabhÀngig gewesen, weitere knapp 200 Millionen hÀtten zumindest einen problematischen Alkoholkonsum gehabt.

Alkohol-Gewohnheiten sind tief in Kulturen verwurzelt

Zwar ist Alkoholkonsum weltweit verbreitet, die Art und Weise unterscheidet sich jedoch: Ob jemand tĂ€glich zu einem Glas Rotwein greift oder sich fast jedes Wochenende mit Schnaps in einen Vollrausch trinkt, hĂ€ngt auch mit dem Wohnort zusammen. Der Umgang mit verschiedenen Arten von Alkohol ist so tief in der Kultur verankert, dass er sich ĂŒber einen Zeitraum von 20 Jahren in einem Land kaum Ă€ndert: Zu diesem Schluss kommt eine Studie zu Trinkgewohnheiten in Europa, die im Fachblatt "Addiction" erschienen ist und Daten der WHO analysiert.

Gesamtmenge reinen Alkohols nicht sehr verschieden

Der Studie zufolge werden in osteuropĂ€ischen LĂ€ndern besonders hĂ€ufig Spirituosen getrunken. LĂ€nder in SĂŒd- und Westeuropa sind mehr von Weinkonsum geprĂ€gt. Deutschland gehört der Studie zufolge zu den zentral- und westeuropĂ€ischen LĂ€ndern, die durch viel Biertrinken und vergleichsweise wenig konsumierte Spirituosen definiert sind. Die Gesamtmenge des konsumierten reinen Alkohols unterscheidet sich jedoch nicht so stark. Sie lag zwischen 9,2 Litern in den vor allem Wein trinkenden sĂŒdeuropĂ€ischen LĂ€ndern wie Frankreich, Italien und Griechenland und 12,0 Litern in den osteuropĂ€ischen LĂ€ndern wie Estland, Lettland und Litauen.

Ebenfalls deutlich wird in der Studie, wie gefĂ€hrlich das Alkoholtrinken ist: In jedem der untersuchten LĂ€nder - neben den LĂ€ndern der EuropĂ€ischen Union waren das Island, Norwegen und die Ukraine - wurden zahlreiche TodesfĂ€lle und verlorene Lebensjahre mit Alkohol in Verbindung gebracht. Daher kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Wege gefunden werden sollten, um die erlernten Muster zu Ă€ndern. "Alkoholpolitische Maßnahmen fĂŒr diesen Wandel sind vorhanden und sollten von allen europĂ€ischen LĂ€ndern in Betracht gezogen werden."

Weniger Menschen nach Drogenmissbrauch im Krankenhaus

Neben dem gesunkenen Alkoholkonsum sind in Deutschland erneut weniger Menschen nach dem Missbrauch illegaler Drogen stationÀr im Krankenhaus behandelt worden. Im Jahr 2022 seien rund 17 200 FÀlle gezÀhlt worden, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Darunter fallen zum Beispiel Akutbehandlungen nach dem Konsum von Heroin, Kokain oder LSD. Das seien 17 Prozent weniger als 2016, als ein Höchstwert von fast 20 800 FÀllen erreicht worden war. Die Zahl der FÀlle sinkt seitdem kontinuierlich, sie ist aber noch immer sehr viel höher als Anfang des Jahrtausends: 2002 wurden 9500 Menschen wegen Drogenmissbrauchs stationÀr im Krankenhaus behandelt, 81 Prozent weniger als im Jahr 2022.

Krankenhausbehandlungen infolge von Cannabis-, Tabak- oder Alkoholkonsum werden in der Statistik nicht erfasst. Anlass der Veröffentlichung ist der Internationale Tag gegen Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel an diesem Mittwoch (26. Juni).

@ dpa.de