Tesla-Auslieferungen um 13 Prozent gefallen
02.04.2025 - 15:27:34Die Auslieferungen von Tesla sind im vergangenen Quartal nach einem Modellwechsel und Kontroversen um Firmenchef Elon Musk im Jahresvergleich um rund 13 Prozent gefallen. Der von Tech-MilliardĂ€r Musk gefĂŒhrte Elektroauto-Hersteller brachte zwischen Januar und Ende MĂ€rz 336.681 Fahrzeuge zu den Kunden. Die Zahlen fielen deutlich schlechter aus als von Analysten erwartet.Â
Die schwachen Auslieferungen hatten sich bereits abgezeichnet. So fielen die Tesla-Neuzulassungen in der EuropÀischen Union in den ersten beiden Monaten 2025 im Jahresvergleich um 49 Prozent auf gut 19.000 Wagen. In Deutschland waren die Neuzulassungen im Februar auf nur noch 1429 von 6038 Fahrzeugen ein Jahr zuvor gefallen. In China gab es im MÀrz nach vorlÀufigen Zahlen ein Minus von mehr als elf Prozent. Tesla selbst macht keine Angaben zu Ergebnissen in einzelnen Regionen.
Generationswechsel beim Model Y
Wie stark einzelne GrĂŒnde zu dem RĂŒckgang beitrugen, ist schwer festzumachen. Ein Faktor dĂŒrfte der Umstieg auf eine erneuerte Generation des Bestsellers Model Y sein.Â
Tesla rĂŒstete Anfang des Jahres die Produktionslinien um. DafĂŒr pausierte die Fertigung fĂŒr einige Wochen. Zugleich war fĂŒr Kaufinteressenten der Anreiz geringer, sich noch ein Fahrzeug der vorherigen Y-Variante zu kaufen. Es könne noch zwei Quartale dauern, bis dieser Effekt verdaut sei, schĂ€tzt Bryn Talkington von Requisite Capital Management.
Zugleich baute Tesla im vergangenen Quartal mit 362.615 Autos aller Modelle gut 16 Prozent weniger Wagen als ein Jahr zuvor.
Kontroversen um Musk
AuĂerdem wurde in den vergangenen Monaten die Kritik an der politischen Rolle und den Ansichten von Musk immer lauter. Es gab Boykottaufrufe und erst am vergangenen Wochenende Protestaktionen an Tesla-Standorten in verschiedenen LĂ€ndern.
Der Tech-MilliardĂ€r wurde im vergangenen Jahr zu einem engen VerbĂŒndeten von Donald Trump, dem er mehr als 250 Millionen Dollar fĂŒr den Wahlkampf ums WeiĂe Haus spendete. Als PrĂ€sident beauftrage Trump ihn mit der Senkung der Regierungsausgaben.
Politische Spaltung trifft Marke
In dieser Rolle löste Musk zahlreiche Kontroversen aus. Kritiker werfen ihm rĂŒcksichtslose KĂŒrzungen vor. Er prahlte etwa damit, die Entwicklungshilfe-Behörde USAID «in den HolzhĂ€cksler» zu werfen - und spricht stĂ€ndig von angeblich entdeckten MilliardenbetrĂŒgereien, ohne dafĂŒr Belege zu liefern.
Auch Musks politische Ansichten schrecken zumindest einige potenzielle Tesla-KĂ€ufer ab. In Deutschland machte sich der Tech-MilliardĂ€r vor der Bundestagswahl fĂŒr die AfD stark und mischte sich eine Zeit lang auch in die britische Politik ein.Â
Er beklagt angeblichen Rassismus gegen WeiĂe und behauptet, die US-Demokraten schleusten AuslĂ€nder ins Land, um Wahlen zu ihren Gunsten zu drehen. Bei einer Veranstaltung zur AmtseinfĂŒhrung von Trump schockierte Musk Zuschauer mit einer HitlergruĂ-Ă€hnlichen Geste. Kritik daran tat er als «schmutzige Tricks» seiner Gegner ab.
Tesla-Kaufshow am WeiĂen Haus
Musk galt ĂŒber Jahre als die wichtigste treibende Kraft fĂŒr Teslas Erfolg. Doch werden seine politischen Aktionen nun zu einer Belastung fĂŒr den E-Autobauer? Bei Demonstrationen werden Teslas als «Nazi-Autos» beschimpft. Fahrzeuge wurden an Tesla-Auslieferungszentren angezĂŒndet und mit Parolen beschmiert.
Die US-Regierung stĂ€rkt Trumps Vertrautem Musk demonstrativ den RĂŒcken. US-Justizministerin Pam Bondi drohte, Vandalismus gegen Tesla als inlĂ€ndischen Terrorismus einzustufen. Handelsminister Howard Lutnick rief dazu auf, Tesla-Aktien zu kaufen. Trump selbst lieĂ mehrere Teslas vor dem WeiĂen Haus auffahren und suchte sich davon ein rotes Model S zum Kauf aus. «Ich liebe Tesla!», verkĂŒndete der US-PrĂ€sident in einer ungewöhnlichen Werbeaktion.
Musk hofft auf Robotaxis und Roboter
Selbst beim Musk und Tesla wohlgesonnenen Branchenanalysten Dan Ives klingeln die Alarmglocken. Jetzt sei ein «Moment der Wahrheit» fĂŒr Musk, sagte der Experte der Investmentfirma Wedbush jĂŒngst im US-Wirtschaftssender CNBC. Musk mĂŒsse seine Kostensenker-Rolle und den Job als Tesla-Chef ins Gleichgewicht bringen - und dafĂŒr vielleicht im WeiĂen Haus etwas kĂŒrzertreten, legte ihm Ives nahe. Die Auslieferungen nannte Ives jetzt ein «Desaster».
Branchenexperte Gene Munster von Deepwater Management fĂŒhrte die «hĂ€sslichen» Zahlen gröĂtenteils auf den Schaden fĂŒr die Marke durch Musk zurĂŒck. Zugleich zeigte er sich aber ĂŒberzeugt, dass die AutokĂ€ufer im Jahresverlauf ĂŒber die politischen AktivitĂ€ten des Tesla-Chefs hinwegsehen und sich wieder auf die StĂ€rken des Autobauers fokussieren werden. FĂŒr 2026 rechnet Munster mit einem Zuwachs der Auslieferungen um 35 Prozent auf 2,2 Millionen Fahrzeuge. Ross Gerber von der Investmentfirma Gerber Kawasaki, ein Musk-Kritiker, hat hingegen Zweifel, ob der Schaden fĂŒr die Tesla-Marke behoben werden kann.
Derweil bekommen Teslas Wagen immer mehr Konkurrenz - insbesondere im wichtigen chinesischen Markt. Musk hĂ€lt dagegen, dass autonomes Fahren und humanoide Roboter Tesla zum mit Abstand wertvollsten Unternehmen der Welt machen wĂŒrden. Doch die Firma blieb bisher den Beweis schuldig, dass sie ohne menschliches Eingreifen verlĂ€sslich fahrende Autos bauen kann.Â
Aktienkurs auf Tauchfahrt
Die Kontroversen und die Zweifel an den GeschĂ€ftsaussichten nagen auch an dem Grundstein von Musks Einfluss: dem Tesla-Aktienkurs. Es ist vor allem seine Beteiligung an dem Elektroautobauer, die ihn zum mit Abstand reichsten Menschen der Welt macht - jedenfalls auf dem Papier. Nach Trumps Wahlsieg im November hatte sich der Tesla-Kurs zeitweise verdoppelt. Jetzt notiert die Aktie wieder auf dem Niveau von Oktober. Nach den Auslieferungszahlen gab sie im frĂŒhen US-Handel um rund zwei Prozent nach. Doch als Medienberichte folgten, wonach Musk sich bald von seiner politischen Rolle in Washington zurĂŒckziehen könnte, drehte der Kurs ins Plus und legte zeitweise um rund fĂŒnf Prozent zu.









